Bundestagswahl

Meister oder Wingerter – wer gewinnt das Direktmandat im Kreis Bergstraße?

Acht Direktkandidaten treten am Sonntag im Wahlkreis 187 um den Einzug ins Parlament an.

Wer macht am Sonntag das Rennen im Kreis Bergstraße? Wie schon bei der vergangenen Bundestagswahl treten für die CDU Dr. Michael Meister und für die SPD Sven Wingerter als Direktkandidaten an. Zudem bewerben sich sechs weitere Kandidaten um das Mandat. Foto: Fritz Kopetzky
Wer macht am Sonntag das Rennen im Kreis Bergstraße? Wie schon bei der vergangenen Bundestagswahl treten für die CDU Dr. Michael Meister und für die SPD Sven Wingerter als Direktkandidaten an. Zudem bewerben sich sechs weitere Kandidaten um das Mandat.

Kreis Bergstraße. Mit großer Spannung wird die Bundestagswahl am morgigen Sonntag erwartet, schließlich geht es darum, welche politische Richtung die neue Bundesregierung angesichts großer Herausforderungen wie der wirtschaftlichen Krise und der Migrationsdebatte in Deutschland sowie der immer schwieriger werdenden Verhältnisse weltweit einschlagen wird.

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Im Wahlkreis Bergstraße stellt sich die Frage, ob der Dauergewinner des Direktmandats erneut die meisten Stimmen auf sich vereinen wird. Seit 1994 sitzt der langjährige Kreis- und aktuelle Vorsitzende der südhessischen Christdemokraten, Dr. Michael Meister, als Abgeordneter im Bundestag. Bei seiner ersten Kandidatur für die Wahl im Jahr 1994 gewann er auf Anhieb das Direktmandat, bei den beiden folgenden Urnengängen musste er sich seiner Bergsträßer SPD-Mitbewerberin, der späteren Justiz- und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, beugen. Bei den folgenden Wahlen ab 2005 setzte er sich jedes Mal in seinem Wahlkreis durch.

Nachdem er in der Zeit von Angela Merkel als Kanzlerin jeweils mit klarem Vorsprung, 2013 sogar mit 48,3 Prozent der Stimmen im Kreis Bergstraße, das Direktmandat abräumte, entwickelte sich vor dreieinhalb Jahren ein spannendes Rennen mit dem SPD-Kandidaten Sven Wingerter, der ebenso wie seine Gesamtpartei vom Aufwind für die Sozialdemokraten profitierte. Am Ende hatte Meister mit 30,5 Prozent die Nase doch wieder vorne, Wingerter kam auf 27,2 Prozent. Gerade angesichts der bundespolitischen Entwicklung der vergangenen Monate mit der CDU als nach den Umfragen klar stärkster Partei geht er bei seiner nunmehr neunten Kandidatur als Favorit ins Rennen. Für Wingerter dürfte es hingegen schwer werden, angesichts der Prognosen von 15 Prozent für die Sozialdemokraten sein gutes Ergebnis von 2021 zu wiederholen.

Mansmann vor dem Abschied

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Kreis Bergstraße indes einen Bundestagsabgeordneten verlieren. Denn nachdem es Till Mansmann – 2021 erreichte er beachtliche 10,7 Prozent – dank einer guten Platzierung auf der Liste der hessischen FDP bei den beiden vergangenen Wahlen 2017 und 2021 jeweils in das Parlament in Berlin geschafft hatte, fiel er bei der Besetzung der aktuellen Liste der Liberalen auf Rang 19 zurück, sodass er keine Chance auf eine erneute Rückkehr hat – ganz davon abgesehen, dass der Einzug seiner Partei, die seit Wochen an der Fünf-Prozent-Marke herumlaviert, sowieso mit einem Fragezeichen versehen ist.

Gute Chancen für einen Sitz im Parlament hat dagegen AfD-Kandidat Thomas Fetsch. Der Rechtsanwalt wurde auf Rang sieben gesetzt und angesichts der prognostizierten 20 Prozent für seine Partei könnte ihm der Sprung nach Berlin über die Landesliste gelingen. 2021 kam er auf 9,5 Prozent.

Für die weiteren Direktkandidaten im Kreis Bergstraße geht es letztlich nur darum, ein ordentliches Ergebnis zu erreichen. Die für die Grünen erneut antretende Evelyn Berg kam 2021 auf 13,7 Prozent. Dr. Bruno Schwarz von den Linken landete bei 2,8 Prozent. Hier darf man gespannt sein, wie sich der aktuelle Aufschwung seiner Partei auf sein Ergebnis auswirken wird. Beide sind nicht auf den Landeslisten ihrer Parteien platziert. Alfred Münch für die Freien Wähler (in der Landesliste auf Platz 17) und Benedikt Eikmanns, der erstmals für die noch junge Partei Volt antritt, komplettieren die Riege der Direktkandidaten.

Auch wenn das Landratsamt im Laufe des Sonntagabends das Kreisergebnis bekannt geben kann, wird es für den Sieger gegebenenfalls nicht gleich Anlass zum Feiern geben, denn aufgrund der von der Ampel-Koalition beschlossenen Wahlrechtsreform wird der Gewinner der Erststimmen nicht automatisch in den Bundestag einziehen.

Keine Überhangmandate

Da der Bundestag auf 630 Sitze begrenzt wurde und es keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr gibt, hängt der Einzug des Gewinners des Direktmandats davon ab, ob seiner Partei genügend Sitze im jeweiligen Bundesland zustehen. Allein der Zweitstimmenanteil entscheidet also über die Sitzverteilung. Holt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr laut Zweitstimmen zustehen, fallen die direkt gewählten Kandidaten durch, die die geringsten Erststimmenanteile im jeweiligen Bundesland erreicht haben.

Ungeachtet dessen dürfte für Meister der erneute Einzug sicher sein, steht er doch auf der Liste der hessischen CDU auf dem exponierten Platz 3. Wingerter ist bei der Landesliste der SPD nur auf Rang 19 platziert.

Viel Arbeit kommt indes auf die Wahlhelfer zu, denn wie aus den Rathäusern zu hören ist, haben deutlich mehr Bürger als in den vergangenen Jahren von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht. Allein das Öffnen der Wahlbriefe wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Noch ein Hinweis für die Wähler: Wer seine Wahlbenachrichtigung nicht mehr findet oder im Wahllokal bemerkt, dass er sie vergessen hat, darf trotzdem wählen. Entscheidend ist, dass man im Wählerverzeichnis steht, dann kann man sich auch mit dem Personalausweis oder dem Reisepass identifizieren.