Mörlenbacher Bürgerhaus

 Modellbahnschau: Weschnitztal- und Überwaldbahn im Miniaturformat auf 250 Quadratmetern 

Im Mörlenbacher Bürgerhaus werden die vergangenen Zeiten der Weschnitztal- und der Überwaldbahn lebendig. Bis wann die Ausstellung bewundert werden kann.

Rund 250 Quadratmeter groß ist die Modellbahnwelt, die noch bis zum Sonntag im Mörlenbacher Bürgerhaus zu sehen ist. Zu sehen sind Nachbildungen der Weschnitztal- und der Überwaldbahn, die Mitglieder des Vereins FREMO angefertigt haben. Foto: Fritz Kopetzky
Rund 250 Quadratmeter groß ist die Modellbahnwelt, die noch bis zum Sonntag im Mörlenbacher Bürgerhaus zu sehen ist. Zu sehen sind Nachbildungen der Weschnitztal- und der Überwaldbahn, die Mitglieder des Vereins FREMO angefertigt haben.

Mörlenbach. „In Merleboch, do gäihds gäije Weiher, ess Kreirische Däälsche dord naus . . .“ So beginnt ein gern gesungenes Odenwälder Lied, das in Auszügen die Route der historischen Überwaldbahn beschreibt. Noch bis zum Sonntag können Eisenbahnfreunde und Heimatverbundene diese Strecke im Mörlenbacher Bürgerhaus abschreiten – in Miniatur versteht sich, aber nicht minder faszinierend.

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„Modellbahnzauber im Weschnitztal“ nennt sich die Ausstellung, bei der die Züge in der Spurweite H0 durch die nachgebauten Landschaften zwischen Fürth und Weinheim und zwischen Mörlenbach und Unter-Waldmichelbach rauschen. Am Donnerstagmorgen ist sie eröffnet worden – und es dauerte nur wenige Minuten, bis etliche strahlende Kinder- und bewegte Erwachsenenaugen den Lokomotiven, Triebwagen und Waggons auf ihrer Fahrt durch den Odenwald folgten.

Erinnerungen werden wach

Für die Kleinen ist es die Faszination der Modelleisenbahn, die kaum jemand im Kindesalter kaltlässt, für die Großen teilweise eine Reise in die eigene Vergangenheit. Denn die Schau zeigt das Weschnitztal und den Überwald aus der Perspektive vergangener Zeiten – als die Hessischen Hölzerwerke noch, in Höhe des heutigen Coronet-Gebäudes, die geschäftige Endstation im Überwald waren und der Zirkus Sarrasani noch regelmäßig sein Winterquartier in Mörlenbach aufschlug.

Wenn das Modell des roten Schienenbusses sich von Fürth aus in Richtung unteres Weschnitztal aufmacht, fühlen sich nicht Wenige an ihre Schul- oder Lehrzeit erinnert, als es mit diesem Gefährt zum Unterricht oder in Richtung der großen Arbeitgeber an der Bergstraße ging. Mancher erinnert sich auch noch an das nachgebaute, alte Bahnhofsareal am oberen Halt der Weschnitztalbahn, mit dem angrenzenden Raiffeisengebäude – längst alles Geschichte.

Aber wer macht sich die Mühe, dies alles en Détail nachzubauen? Die Antwort: Eine Gruppe von Modellbahn-Enthusiasten aus der Region von Mannheim bis nach Rodgau. Einer von ihnen ist Bernhard Brieger. Wie seine Kollegen ist er bei der Ausstellung in Mörlenbach an seinem grünen T-Shirt zu erkennen und gibt gerne Auskunft über die Hintergründe dieses faszinierenden Projektes, an dem die Ehrenamtlichen seit vier Jahren arbeiten.

Sie alle sind Mitglied des Vereins FREMO – dem Freundeskreis Europäischer Modellbahner. Rund 2.000 Mitglieder hat die Vereinigung, in mehreren Ländern – mit dem Schwerpunkt in der Bundesrepublik – gibt es Regionalgruppen und Stammtische. Aber warum nun ausgerechnet die Weschnitztal- und die Überwaldbahn? Bernhard Brieger berichtet von einem fast unglaublichen Zufall: Unabhängig voneinander kamen Modellbahner in Mannheim und Rodgau auf die Idee, den Mörlenbacher Bahnhof nachzubauen. „In unserer Szene ist man immer auf der Suche nach markanten Bahnstationen“, erklärt der Mannheimer. Man kam in Kontakt und beschloss, gemeinsam die ganze Strecke nachzubilden.

2020 war das – und 2021 machten sich zwölf Leute an die Arbeit. Diese ist noch nicht beendet: „Die Bahnhöfe von Birkenau und Affolterbach fehlen noch“, gesteht Brieger. Aber das ist aktuell nicht von Nachteil, denn wenn sie einmal vollständig ist, stößt die Schau selbst im großen Mörlenbacher Bürgerhaus an ihre Grenzen. Dort hat am Dienstag noch die Gemeindevertretung getagt – erst danach konnten sich die Helfer der FREMO ans Werk machen.

Zur Eröffnung am Donnerstag hatte der veranstaltende Heimat- und Verkehrsverein Schulen und Kindergärten der Gemeinde eingeladen. Auch der Mörlenbacher Bürgermeister Erik Kadesch (rechts) war anwesend. Foto: Fritz Kopetzky
Zur Eröffnung am Donnerstag hatte der veranstaltende Heimat- und Verkehrsverein Schulen und Kindergärten der Gemeinde eingeladen. Auch der Mörlenbacher Bürgermeister Erik Kadesch (rechts) war anwesend.

Liebevolle Details

„Wir haben zehn Stunden durchgearbeitet“, berichtet Brieger vom Aufbau. Immerhin galt es unter anderem, 125 Gleis-Module (rund 150 Meter Schienen) zu verlegen. Aber die und deren aufwendige Technik sind freilich nur die Grundlage des Modellbahnerlebnisses. Originalgetreu, und unter Einsatz modernster Methoden, nachgebaute Gebäude machen es erst rund, einmal ganz abgesehen von den liebevollen Details am Streckenrand – von Schafherden, über Wild- und Nutztiere, bis zu an den Bahnhöfen wartenden Menschen und Spaziergängern. Es ist auch eine Hommage an die Landschaft des Vorderen Odenwaldes.

Dieser „Modellbahnzauber im Weschnitztal“ ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Zum einen für Mörlenbach, wo der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) als örtlicher Veranstalter auftritt. Zum anderen aber auch für die Leute von FREMO. „Zum ersten Mal ist die Anlage in dieser Größe komplett aufgebaut“, freut sich Brieger.

Die kleine Gruppe von Enthusiasten hat sich für die viertägige Veranstaltung das Team der Draisinenbahn auf der Überwaldstrecke mit ins Boot geholt. „Wie haben sogar das Modell einer Draisine auf den Schienen“, sagt Brieger. Gemeinsam mit dem HVV sorgen sie für ein Modellbahnerlebnis, das sich nicht im bloßen Schauen und Staunen erschöpft.

Auf der Galerie öffnet sich nicht nur der Blick auf die gesamte Anlage, sondern werden auch Kaffee und Kuchen sowie ein Imbiss angeboten. Zudem informiert ein Film über die Geschichte der Eisenbahn im Weschnitztal und im Überwald. Ab 1893 wurde die Strecke zwischen Fürth und Weinheim gebaut, 1901 waren diese und die Überwaldbahn von Mörlenbach nach Wahlen vollständig in Betrieb. Die Schau wirft einen Blick auf die Epoche um die 1960er-Jahre als auch der Güterverkehr auf diesen Routen noch eine bedeutsame Rolle spielte.

Und so rollen im Mörlenbacher Bürgerhaus bis zum Sonntag Personen- und Güterzüge über Viadukte und durch Tunnel, an historischen Gebäuden und Haltestationen vorbei – mitten hinein in die Geschichte dieser Region.