Rimbacher Buchhandlung „Lesezimmer“ macht zu
Elke Griech schließt das Lesezimmer in Rimbach zum Ende des Monats. Die Hoffnung auf eine Nachfolge hat sie noch nicht aufgegeben.
Rimbach. Die Kartons stehen schon bereit und schweren Herzens macht sich Elke Griech in den nächsten Tagen daran, sie zu packen: Nach 16 Jahren gibt sie das Lesezimmer in Rimbach auf. Eine Entscheidung, die ihr nicht leicht gefallen ist und die mehrere Gründe hat, wie sie im Gespräch mit der WNOZ-Redaktion erklärt. „Bücher und Schönes“ – der „Untertitel“ ihrer kleinen Buchhandlung in der Bismarckstraße war und ist Programm. „Da steckt viel Herzblut drin“, sagt Elke Griech – bei ihr und bei den vielen treuen Kunden. Bei denen sind teilweise Tränen geflossen, als sie von der Schließung am 31. März hörten, berichtet die Inhaberin.
„Nach Weihnachten ist meine Entscheidung gefallen“, erklärt sie. Tatsächlich beschäftigt Elke Griech der Gedanke, ob und wie es mit ihrem „Lesezimmer – Bücher und Schönes“ weitergeht, aber bereits seit etwa drei Jahren. Denn einerseits steigt der Aufwand für die hauptberufliche Bibliothekarin an der Rimbacher Martin-Luther-Schule (MLS) stetig, andererseits spürt gerade der Buchhandel die aktuelle Zurückhaltung der Verbraucher sowie das geänderte Verhalten der Nutzer extrem, berichtet sie.
Geändertes Freizeitverhalten
„Während der Coronazeit war alles noch in Ordnung“, erzählt sie. Es habe eine Art Solidarisierung, gerade mit kleineren, örtlichen Geschäften gegeben, insbesondere die Online-Angebote seien gut genutzt worden. Zwar gibt es diese noch heute, bei der Digitalisierung, die auch bei den Lese- und Freizeitgewohnheiten voranschreitet, bleiben aber die kleinen Läden eher auf der Strecke. Beispielsweise, wenn Endkunden mit bestimmten eBook-Readern von speziellen Plattformen abhängig sind.
Aber Elke Griech ist weit davon entfernt, sich darüber zu beklagen. Den Lauf der Dinge müsse man akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, dass in Zeiten der steigenden Inflation Bücher wohl eines der ersten „Luxusgüter“ sind, bei denen gespart wird. Für die Inhaberin des Buchladens war es aber irgendwann eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „Ich habe hohe Fixkosten“, erklärt sie. Das Ladengeschäft mit seinen 50 Quadratmetern Verkaufsfläche ist angemietet, seit sie den Job an der MLS hat, kann Griech den Laden zudem nicht mehr alleine betreiben und beschäftigt Personal.
Für Elke Griech sind es emotionale Tage. „Einerseits freue ich mich auf die Freizeit, die für mich hinzukommt, andererseits: Das Lesezimmer wird fehlen.“ Das gilt nicht nur für dessen Inhaberin. Auch für die vielen treuen Kunden wird sich eine Lücke auftun. Sie sind längst nicht nur zum Bücherkauf in die Bismarckstraße gekommen, sondern auch, um „Schönes“ zu erleben – wie es der Name des Ladens andeutet.
Bereichernde Begegnungen
„So viele bereichernde Begegnungen und Gespräche“ verbindet Elke Griech mit den Räumen, die sich die gelernte Designerin nach ihrer ganz individuellen Handschrift eingerichtet hat, nachdem sie sie 2009 übernommen hatte. Zuvor war dort die Galerie Kunst & Buch untergebracht – und so ganz hat die 57-Jährige die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass diese Tradition fortbesteht.
„Gerne würde ich das Geschäft an neue Betreiber übergeben – vielleicht an jüngere Menschen mit frischen Ideen“, sagt sie. Noch könnte die Übergabe relativ reibungslos funktionieren, denn mindestens zwei oder drei Monate ist Griech noch selbst in den Räumen, um alles abzuwickeln und den Bestand ordnungsgemäß aufzulösen. Falls es Interessenten gibt, können die sich gerne melden – oder einfach mal während des laufenden Räumungsverkaufs bis zum 31. März vorbeikommen.
Weiter mit Büchern arbeiten
Das Lesezimmer wird fehlen. Diese Erkenntnis manifestiert sich während des Gesprächs immer mehr. Denn seine Schließung ist irgendwie auch ein weiteres Indiz für die abnehmende Bedeutung des Lesens im Allgemeinen. „Das Buch steht in Familien nicht mehr so im Mittelpunkt, Eltern lesen ihren Kindern weniger vor“, beobachtet Elke Griech. Als Buchhändlerin hat sie gegen diesen Trend angekämpft, etliche Projekte mit Schulen angeleiert, Praktikumsplätze für Heranwachsende angeboten.
„Ich bin froh, dass ich als Bibliothekarin der MLS weiter in diesem Sinne arbeiten kann und Bücher ein wesentlicher Teil meines Lebens bleiben“, sagt sie. Das „Lesezimmer – Bücher und Schönes“ wird sie in wenigen Tagen verlassen. Viel Wehmut schwingt da mit, aber kein Frust: „Es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Aus Kunden sind Freunde geworden, dafür bin ich sehr dankbar.“