Prunksitzung

So starten die Hornbächer Schloofmitze in Birkenau in die Fastnachtszeit

Bei ihren mittelalterlichen Prunksitzungen nehmen die Hornbächer Schloofmitze das Publikum mit in die Welt von Rittern und Hexen. Büttenreden, Musik, Männerballett - was alles auf der Bühne geboten wurde.

Bühne frei für den Tanz der Hexen: Die Tanzkooperation des TV Reisen und der SVG Nieder-Liebersbach brachte einen gelungenen Start in die Prunksitzungen der Hornbächer Schloofmitze, die unter mittelalterlichem Motto an zwei Wochenenden in die Mehrzweckhalle einluden. Foto: Katrin Oeldorf
Bühne frei für den Tanz der Hexen: Die Tanzkooperation des TV Reisen und der SVG Nieder-Liebersbach brachte einen gelungenen Start in die Prunksitzungen der Hornbächer Schloofmitze, die unter mittelalterlichem Motto an zwei Wochenenden in die Mehrzweckhalle einluden.

Hornbach. Mit einer Reise in das Mittelalter gaben die Hornbächer Schloofmitze in ihren beiden Prunksitzungen den Startschuss für die heiße Phase der närrischen Jahreszeit. Sitzungspräsident Achim Hahl begrüßte die Zuschauer in der sehr gut besuchten Mehrzweckhalle sowie die gemeinsame Fastnachtsprinzessin der Birkenauer Karnevalisten, Anna I., „Sonnenschein der Grande Nation“, Bürgermeister Milan Mapplassary, Ortsvorsteher Volker Schneider und Vertreter der gemeindlichen Gremien.

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Der Siebenerrat, diesmal als Ritterrunde, erlebte mit der Aufführung der Tanzkooperation des TV Reisen und der SVG Nieder-Liebersbach einen Start nach Maß. Mit stehenden Ovationen und lautstarker Zugabeforderung bedachte das närrische Publikum die tolle Choreographie der 16 Tänzerinnen, die in Kostümen in Lila und Schwarz als Hexen die Bühne betraten, mit kleinen Reisigbesen bewaffnet waren und mit Elektro-Pop-Klängen das Stimmungsbarometer auf Temperatur brachten.

Dass selbst die magischen Schwarzkünstlerinnen keinen Zaubertrank gegen die Tücken des menschlichen Miteinanders haben, machten Vanessa Hahl und Christoph Hahl deutlich, die als Erste in eine Birkenauer Bütt in dieser Kampagne stiegen. Vor den 700 Lebensjahren der alten Hexe zeigte die junge Hexe nur wenig Respekt im Vorfeld des Hexentanzes auf dem Blocksberg. „Wenn ich in den Spiegel schaue, dann ist es Eitelkeit. Wenn du aber in den Spiegel schaust, dann ist es ,Tapferkeit’.“ Mit Songs wie „An der Nordseeküste“, „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ und „Die Karawane zieht weiter“ sorgten sie gemeinsam mit dem Publikum für Partylaune.

Ehrenorden für Marion Bunscheit

Dass Marion Bunscheit bei ihrer Feuershow auf LED-Licht statt Flammen setzte, tat ihrer Aufführung keinen Abbruch. Zu irischen Klängen wirbelte sie rot leuchtende, an Schnüren gehaltene sogenannte Pois und verschaffte der Prunksitzung mit den so entstehenden Lichtfiguren zu mystischen Klängen einen weiteren Hingucker. Sitzungspräsident Hahl verlieh Bunscheit im Anschluss an den Auftritt den Ehrenorden der Hornbächer Fastnacht für 22 Jahre als aktive Fastnachterin bei den Schloofmitze.

Vanessa und Christoph Hahl schlüpften in die Rollen von zwei Hexen und eröffneten mit ihrem Auftritt die Büttenreden in Hornbach. Foto: Katrin Oeldorf
Vanessa und Christoph Hahl schlüpften in die Rollen von zwei Hexen und eröffneten mit ihrem Auftritt die Büttenreden in Hornbach.

Dass die Zukunft des Fastnachtstanzes bei den Hornbacher Karnevalisten auf sicheren wie flinken Füßen steht, das stellte das Jugendballett der Schloofmitze unter Beweis. Die sieben Tänzer betraten in Mönchskutte die Bühne, um dann mit flotten Popbeats eine tolle Choreographie auf die Bretter zu bringen.

Als Handwerker ging Andreas Kadel in die Bütt und stellte fest, dass auch bei diesem traditionellen Berufsstand längst ein Gespenst umherschleicht – das des Zeitgeists. Aufgrund politischer Korrektheit dürfe man beispielsweise den Begriff „Schwarzarbeit“ nicht mehr verwenden. Diese werde nun als „ehrenamtliche Tätigkeit mit Finanzamt-befreiter Aufwandsentschädigung“ bezeichnet. Auch Beschimpfungen müssten anders formuliert werden, um keine Gefühle zu verletzen: Als Beispiel nannte er den Ausspruch „Du Borstenvieh mit gedrosselter Denkfähigkeit“, anstelle von „Du dumme Sau“. Beim Gendern der deutschen Sprache warnte er vor Bedeutungsverschiebungen. Schließlich mache es schon einen Unterschied, ob man auf der Baustelle von der Leiter oder aber von der LeiterIn fällt.

Tanz-Feuerwerk auf der Bühne

Ein tolles Tanz-Feuerwerk hatte erneut Funkenmariechen Beatrix Gerbig vorbereitet. Nachdem sie in einem Gewand aus LED-Lichtern die Bühne stimmungsvoll betreten hatte, begeisterte sie im grünen Tanzkostüm mit einem äußerst dynamischen Mariechentanz, gespickt mit Akrobatik-Einlagen, geschlagenen Rädern und Spagat, zu schwungvollen Flötenklängen. Eine Feierlaune, die die Playback-Gruppe mit ihrer Show aufnahm. Sie hielt mit Hits wie „Unser Auto fährt mit Äppelwoi“ oder Otto Waalkes’ Version eines 90er-Hits, „Grund zum Feiern“, die Stimmung hoch.

Die Aktiven der Schloofmitze sorgten für Feierstimmung im Saal und wurden vom Publikum mit viel Applaus honoriert. Foto: Katrin Oeldorf
Die Aktiven der Schloofmitze sorgten für Feierstimmung im Saal und wurden vom Publikum mit viel Applaus honoriert.

Das gemischte Ballett nahm mit seiner Aufführung die Vorlage auf. In den Gewändern von Mönchen und Nonnen starteten die Tänzer mit einer Choreographie zu dem Hit „Like A Prayer“ von Madonna – um dann in bunten Röcken und T-Shirts in hoher tänzerischer Qualität nachzulegen. Krank sein kann keiner so wie Männer – der berühmte „Männerschnupfen“ war Hintergrund der Büttenrede von Yvonne Schmidt-Hahl und Andreas Kadel. Dass er aufgrund von 37,9 Grad Fieber nur noch wenige Wochen zu leben habe, das war Ehemann Viechbert klar: Er reibe sich daher schon mal mit feuchter Erde ein. Nicht dass dies helfe: „Ich gewöhne mich aber schon mal an das Gefühl.“ Genervt von dem Gequengel hatte sich die Ehefrau mit einem Einkaufsgang derweil eine Auszeit genommen, bevor sich auf dem Heimweg plötzlich ein Exhibitionist vor ihr entblößte: Zum Glück, sagte sie. Schließlich sei ihr bei dem Anblick doch eingefallen, dass sie die Shrimps und die Eier zu kaufen vergessen hatte.

Mit einem zünftigen Auftritt sorgte das Männerballett für den Abschluss der Prunksitzung. Die sechs Burschen in Mittelaltertracht mit Kniebundhose und Barett sorgten mit Seemannsliedern und folkloristischen Gassenhauern noch einmal für viel Stimmung vorm Finale und setzten den Schlusspunkt unter einen tollen Einstieg in die Wochen bis Aschermittwoch.