Nieder-Liebersbach

SVG Nieder-Liebersbach: Neue Küche in der alten Halle

Vorsitzender Jochen Kruse präsentiert die neue Küche in der alten Halle. Auch in Zukunft soll noch einiges in das traditionsreiche Gebäude investiert werden.

Jochen Kruse (hinten) im Gespräch mit WN/OZ-Redakteur Manfred Bierbauer. Stolz präsentiert der Vorsitzende der SVG Nieder-Liebersbach die neue Küche in der alten Halle. Foto: Thomas Rittelmann
Jochen Kruse (hinten) im Gespräch mit WN/OZ-Redakteur Manfred Bierbauer. Stolz präsentiert der Vorsitzende der SVG Nieder-Liebersbach die neue Küche in der alten Halle.

Die neue Küche in der alten Halle der SVG Nieder-Liebersbach ist ein Schmuckstück geworden. Der Edelstahl, der fast die ganze Arbeitsfläche der halbhohen Schränke bedeckt, blitzt noch fast wie neu, obwohl die Küche bereits im September des vergangenen Jahres in Betrieb genommen wurde. Wer sich ein Bild von den neuen Schränken und Geräten macht, kann sich kaum noch vorstellen, dass in dem großen Raum vor nicht allzu langer Zeit Material verschiedener Art gelagert wurde.

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Bis es so weit war, war eine Menge Arbeit nötig. Mehr als 50 Helfer legten aktiv Hand an, um den früheren Materialraum in rund 1100 Arbeitsstunden in eine moderne Küche zu verwandeln. Besonders hervor taten sich in dieser Zeit Willi Kraft und Klaus Andolfatto, die die Roh- und Trockenbauarbeiten übernommen hatten, David Wieninger, der für das Licht und die Elektrik zuständig war, Stefan Westhöfer, der die mechanischen Arbeiten ausführte, und Alfred Falter, der die Fliesen verlegte und der Küche damit ein modernes Aussehen verlieh. Überall einsetzbar war Richard Andolfatto, und Vorsitzender Jochen Kruse legte selbst mit Hand an und erledigte ungezählte Transportfahrten. Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Halle unterhielten wir uns mit dem SVG-Vorsitzenden.

Durchreiche, Bedientheke und im Hintergrund oberhalb der Treppe das neu geschaffene Getränkelager. Foto: Thomas Rittelmann
Durchreiche, Bedientheke und im Hintergrund oberhalb der Treppe das neu geschaffene Getränkelager.

Herr Kruse, wer kam eigentlich auf die Idee, die Küche zu erneuern?

Jochen Kruse: Irgendwann kam Vivien Fath auf mich zu und sagte, für Arbeiten in der alten Küche finden sich keine Helfer mehr. Sie hat mich gefragt, ob sie neue Möbel kaufen kann. Dann hat sie geplant und bestellt, und im April wurden uns Küchenmöbel für 2731,99 Euro geliefert. Damit stand die Halle erst mal voll mit Paketen.

Was war der nächste Schritt?

Kruse: Im April hatten wir eine große Aktion, bei der wir die alte Küche und die Theke herausgerissen haben. Dabei stellte sich heraus, dass wir die Theke in den 70er-Jahren gebraucht von der Brauerei Heidelberger Schlossquell bekommen haben, einem Unternehmen, das es schon lange nicht mehr gibt.

War damals schon klar, dass der Standort der Küche von der Seite an die Stirnseite der Halle verlegt werden würde?

Kruse: Nein, die Idee kam erst, als ich mich mit Frank Jachmann zu einem Bier getroffen habe. Er hatte die Idee mit dem Standortwechsel. Wir sind am Abend noch in die Halle gefahren und haben festgestellt, dass die Flächen des alten und des neuen Raums fast identisch sind.

Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Kruse: Ich habe die Idee unserem Bauausschuss vorgestellt, und alle Mitglieder waren sofort dabei.

Bis der neue Raum als Küche genutzt werden konnte, waren sicher noch viele Arbeiten notwendig.

Kruse: Allerdings. Am Eingang zu diesem Raum befand sich ein großes Loch im Fußboden, der mit Holzbohlen abgedeckt war. Durch dieses Loch wurden bis dahin große Turngeräte wie zum Beispiel Barren von unten in die Halle und später wieder von oben heruntergereicht. Dieses Loch mussten wir zubetonieren. Zudem mussten wir eine neue Decke und zwischen Küche und Schankraum eine zusätzliche Wand einziehen. Schließlich schafften wir einen Durchbruch in die Damenumkleidekabinen und Duschen, in dem jetzt die Getränke untergebracht sind. Vorher mussten wir die Kisten aus dem Keller hochschleppen – und wir werden ja alle nicht jünger.

Würden Sie sagen, dass sich der Standortwechsel gelohnt hat?

Kruse: In jedem Fall. Es wurde immer als störend empfunden, wenn sich die Besucher während eines laufenden Programms mitten in der Halle mit Speisen und Getränken eingedeckt haben. Dann war, wie gesagt, das Problem der Lagerung der Getränke im Keller. Es stellt sich übrigens zunehmend heraus, dass die Helfer hinter der Theke das Programm verfolgen können. Das ging vorher so nicht. Trotzdem ist geplant, dass wir für das Team in Küche und Ausschank einen Monitor anbringen werden, auf dem sie das Programm auch auf dem Bildschirm verfolgen können.

Von den Plänen bis zur Verwirklichung der Maßnahme hat es dann aber doch lange gedauert. Warum?

Kruse: Im Oktober 2022 habe ich einen Kostenvoranschlag über rund 62 000 Euro bei der Gemeinde eingereicht. Corona hat sicher eine Rolle gespielt, aber auch die Gemeindepolitik ließ sich sehr viel Zeit. Wir hatten die Hoffnung, dass die Gemeinde 50 Prozent der Kosten übernimmt. Nach Abzug der Eigenleistung von fast 14 000 Euro und Vereinsmitteln von 3500 Euro sowie einer privaten Spende von 15 000 Euro hatten wir immer noch eine Deckungslücke von knapp 30 000 Euro. Diese Summe hatten wir uns als gemeindlichen Zuschuss erhofft, aber stattdessen erhielten wir 3000 Euro, 10 Prozent – ein Witz. Die ehrenamtlich geleisteten Stunden wurden überhaupt nicht berücksichtigt, ganz nach dem Motto: „Eure Arbeit interessiert uns nicht.“ Zum Glück erhielten wir noch eine Förderung vom Landessportbund in Höhe von 5000 Euro. Es läuft zurzeit noch ein Antrag beim Kreis Bergstraße.

Falls der Kreiszuschuss etwa in der Höhe des Zuschusses des Landessportbundes ist, bleibt immer noch eine Deckungslücke von 20 000 Euro. Wie wollen Sie das verkraften?

Kruse: Wir haben unseren Mitgliedern vier Jahre lang einen Sonderbeitrag abverlangt. Das waren in der Summe 28 000 Euro, die dem Zweck der Instandhaltung der alten Halle dienen sollten. Jetzt müssen wir einen Großteil dieser Summe für die Küche aufwenden. Sie ist jedenfalls ein weiterer Schritt, die Halle zu ertüchtigen. Ihre Fertigstellung ist ein Erfolg für den ganzen Verein.

Welchen Schritt fassen Sie und Ihr Verein als Nächstes ins Auge?

Kruse: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir seit 2018 schon eine Menge getan haben. Zum Beispiel haben wir die Heizungsanlage in dieser Halle für 50 000 Euro erneuert. Unterstützt wurden wir dafür von der Dietrich-Stiftung, die uns für diesen Zweck 55 000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Da wir sparsam geplant haben, konnten wir im Keller noch zwei Toilettenanlagen für Damen und Herren realisieren. Wir verfügen jetzt über eine für alle Arten von Veranstaltungen taugliche Halle: 99,9 Prozent aller Veranstaltungen in der Großgemeinde Birkenau könnten wir in der alten SVG-Halle durchführen.

Sie haben jetzt also die perfekte Halle?

Kruse: Perfekt wäre die Halle, wenn sie ein neues Dach hätte. Dann könnten wir die Decke 1,50 Meter weiter oben anbringen und die Halle würde ihren höhlenartigen Charakter verlieren. Zudem wollen wir die Halle an ihrer schmalsten Stelle verbreitern und die Bühne entsprechend vergrößern. Die Halle ist zurzeit für 280 Personen zugelassen. Nach der Verbreiterung könnten wir bestimmt 300 Besuchern Platz bieten. Mindestens.

Was glauben Sie, wie teuer ein neues Dach werden würde?

Kruse: Wenn wir die Planungskosten für das Bürgerhaus in Birkenau hätten, würde uns das schon helfen (lacht). Im Ernst rechne ich mit Investitionen von 700 000 Euro. Ein gemeindlicher Zuschuss von 300 000 Euro wäre uns eine Riesenhilfe. Zudem würden uns der Landessportbund sicher einen Zuschuss gewähren, dann müsste man sehen, ob wir in ein entsprechendes Programm des Landes Hessen aufgenommen werden könnten. Darüber hinaus rechnen wir mit privaten Spenden. Schließlich gäbe es noch die Möglichkeit, ein Darlehen aufzunehmen.

Ein Darlehen haben Sie auch schon zur Finanzierung der neuen Halle aufgenommen.

Kruse: Das stimmt. Wir mussten für den Hallenneubau sogar ein ganz erhebliches Darlehen aufnehmen, das aber in drei Jahren abbezahlt ist. Danach sind wir komplett schuldenfrei.