Schönmattenwag

Theatergruppe Schönmattenwag überzeugt mit krachender Komödie

Mit "Hotel im Angebot" begeistert die Theatergruppe Schönmattenwag das Publikum: Ein turbulenter, humorgeladener Abend, der Lust auf mehr macht.

Bei der Premiere von „Hotel im Angebot“ überschlagen sich die Ereignisse im Hotel „Turtle Beach“. Das Ergebnis: ein Haustechniker-Pastor (Ramon Jöst), ein britischer Major (Sascha Oberle) und ein Milliardär (Hans-Dieter Martin; von links) landen in einem Bett. Foto: Fritz Kopetzky
Bei der Premiere von „Hotel im Angebot“ überschlagen sich die Ereignisse im Hotel „Turtle Beach“. Das Ergebnis: ein Haustechniker-Pastor (Ramon Jöst), ein britischer Major (Sascha Oberle) und ein Milliardär (Hans-Dieter Martin; von links) landen in einem Bett.

Der Ausdruck „1-A-Brummernummer“ fiel an diesem Abend häufiger – und wurde fast schon zum Motto des Abends. Denn eine solche „1-A-Brummernummer“ brachte die Theatergruppe Schönmattenwag in Wald-Michelbach unter der Regie von Renate Walter am vergangenen Wochenende mit ihrer Inszenierung von „Hotel im Angebot“ von Michael Parker auf die Bühne.

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Das Haus des Gastes in Unter-Schönmattenwag in Wald-Michelbach war brechend voll, als sich am Premierenabend der Vorhang zum „Crocodile Rock“ öffnete. Was folgte, waren rund zwei Stunden voll mit absurden Gestalten, noch absurderen Situationen, Verwirrspielen, Kostümwechseln – und voll mit Humor, schauspielerischem Können und Leidenschaft.

Spätestens, als sich ein angetrunkener Haustechniker-Pastor und ein britischer Major in Union-Jack-Unterhose in Erwartung eines erotischen Abenteuers mit dem nymphomanischen „Barrakuda“ zu einem nichts ahnenden Milliardär ins Bett kuscheln und ein Scheich von der Milliardärsfrau mit einem Schirm verprügelt wird, konnte das Publikum nicht mehr aufhören zu lachen.

Jeder ist jemand anderes

Die Theatergruppe Schönmattenwag entführte die Zuschauer auf eine Reise in ein heruntergekommenes Hotel in Florida, das zwar nicht bis zum Rand mit vornehmen Gästen, dafür aber mit skurrilen Charakteren, belegt ist. Neben den Besitzern, Terry und Brian Cody (Mara Mottl und Timo Walter), sind hier nur das etwas einfältige Hausmädchen Maureen (Riva Jöst) und der dem Alkohol verfallene Haustechniker Hopkins (Ramon Jöst). Lediglich einen einzigen Gast gibt es: der pensionierte britische Major Ponsenby, (Sascha Oberle), der ständig kaum zu glaubende Geschichten aus seiner Zeit in Afrika zum Besten gibt. Deswegen wollen die Codys das „Turtle Beach“ verkaufen.

Foto: Fritz Kopetzky
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Die Ereignisse überschlagen sich, als sich der Kaufinteressent Sam Lewis (Hans-Dieter Martin) mitsamt seiner vermeintlichen Frau Ashley (Stephanie Walter-Gräber) ankündigen. Damit das Hotel ausgebucht wirkt, springt das Hotelpersonal als Gast ein: Während Maureen Servicepersonal, Empfangsdame und Zimmermädchen zugleich sein soll – ständige, blitzschnelle Kostümwechsel inklusive –, wird aus dem Haustechniker kurzerhand ein Geistlicher, der es mit der Sünde nicht allzu genau nimmt. Und Hotelbesitzerin Terry spielt einen weiteren Gast: eine Superreiche mit einem unaussprechlich-langen Namen, der dem Ensemble wie durch es ein Wunder zuverlässig über die Lippen kam.

Alles hätte glattlaufen können, hätte sich da nicht der „Barrakuda“, die nymphomanische Hayley Harrington (Nadine Pohl), ins gleiche Zimmer wie die Kaufinteressenten einquartiert und wäre da nicht Lewis’ eigentliche Ehefrau, die eisenharte Dorothy (Karin Mottl), die die Affäre ihres Mannes aufdeckt. Und, dass plötzlich ein Scheich Abdul el Hadsch (ebenfalls Sascha Oberle), der dem Major verdächtig ähnlich sieht, auftaucht und das Hotel ebenfalls kaufen will, setzt dem ganzen noch den Turban auf.

Schauspielerische Leistung muss sich nicht verstecken

Dass sich die Laienschauspieler mit ihrer Leistung nicht verstecken müssen, bewiesen sie an diesem Abend einmal mehr. Mara Mottl und Timo Walter überzeugten als Power-Frau Terry und dem etwas sympathisch unbeholfenen Brian Cody, während Nadine Pohl als männermordende Hayley Harrington nichts anbrennen ließ.

Hans-Dieter Martin dagegen wirkte, als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschrieben worden, Stephanie Walter-Gräber bewies, dass auch ein Handtuch ein vollständiges Kostüm sein kann, und Karin Mottl spielte Ehefrau Dorothy so herrlich bissig, dass man sich kaum über die Affäre des Mannes wunderte.

Ramon Jöst brachte es mit seiner Darstellung des betrunkenen Pseudopastors nicht nur einmal zum Lachen und Riva Jöst bewies, wie schnell ein Kostümwechsel laufen kann. Besonders beeindruckte aber Sascha Oberle in seiner Doppelrolle als Major und Scheich, aufgrund der er nicht nur ständig von der Armee-Uniform in die arabische Scheichs-Kluft wechseln musste, sondern durch die er auch kaum von der Bühne kam.

Kulisse ist fast schon zu schön

Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von passenden Kostümen, sondern auch von einer beeindruckenden Kulisse, bei der das Bühnenbau-Team aus den Reihen der beiden Gesangvereine Sängerbund und Harmonie ganze Arbeit geleistet hatte: Die Empfangshalle mit dem angrenzenden Querschnitt des Hotelzimmers sah fast schon zu schön für das heruntergekommene Hotel aus. Dafür hat es die nicht gerade pflegliche Behandlung im Rahmen des Stücks gut überstanden.

Als sich der Vorhang schließlich schloss, ging ein bunter Abend voller Humor zu Ende, der nicht nur gleich Lust auf den Besuch einer weiteren Vorstellung machte, sondern auch Vorfreude auf das nächste Jahr schürte.