Schönmattenwag

Warum die 21-jährige Riva Jöst das Dorftheater liebt

Dorftheater ist nur etwas für Ältere? Von wegen. Lehramtsstudentin Riva Jöst steht bereits zum zweiten Mal in Schönmattenwag auf der Bühne. Im Gespräch mit WNOZ erklärt sie, warum Laienschauspiel seinen Ruf zu unrecht hat und was sie begeistert.

Gemeinsam mit ihren Schauspielkollegen von der Schönmattenwager Theatergruppe steht Riva Jöst beim Stück „Hotel im Angebot“ im Haus des Gastes auf der Bühne Foto: Fritz Kopetzky
Gemeinsam mit ihren Schauspielkollegen von der Schönmattenwager Theatergruppe steht Riva Jöst beim Stück „Hotel im Angebot“ im Haus des Gastes auf der Bühne

Der Vorhang öffnet sich. Das grelle Scheinwerferlicht geht an. Bis auf die Gesichter in den ersten paar Reihen ist im Saal nichts zu erkennen. Dann geht sie los – die Premiere, auf die das Team auf und hinter der Bühne monatelang hingearbeitet hat. So oder so ähnlich wird der morgige Tag für die Theatergruppe Unter-Schönmattenwag verlaufen.

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Im vergangenen Jahr stand die 21-jährige Riva Jöst zum ersten Mal im Haus des Gastes auf der Bühne – und hatte sich danach entschlossen, gleich weiterzumachen. Jöst erklärt bei einem Besuch unserer Redaktion nur wenige Tage vor dem großen Auftritt, warum sie das Schauspielern in einem Laientheater liebt und warum Dorftheater seinen Ruf, angestaubt zu sein, nicht verdient.

In Schönmattenwag hat sich Theatergruppe in den vergangenen 40 Jahren bereits einen Namen gemacht – wenn Jöst allerdings Freunde, die nicht aus der Schönmattenwag oder der Umgebung kommen, fragt, ob sie sich Aufführung ansehen, würden dies diese teils verwundert reagieren.

Das Klischee: „Da spielen nur Ältere mit. Ich musste die Leute schon davon überzeugen.“ In dem neunköpfigen Ensemble ist Jöst die Jüngste. Zwischen Anfang 20 und Anfang 60 ist jede Altersgruppe vertreten. „Viele waren dann überrascht, dass es doch so lustig war“, erklärt Jöst. Auch dieses Jahr gibt es eine gehörige Portion Humor: „Wir haben beim Proben viel gelacht und waren begeistert“, verrät sie.

Debüt im vergangenen Jahr

Jöst selbst ist Ur-Schönmattenwagerin und lebt heute in Birkenau. Bevor sie im Haus des Gastes auf der Bühne stand, hatte sie mit dem Schauspielern allerdings nicht viel zu tun. Lediglich die Aufführungen der Theatergruppe habe sie immer wieder besucht, erzählt sie. Denn ihre Familie engagiert sich schon lange im Ensemble: „Mein Bruder, meine Tante, mein Onkel spielen alle dieses Mal wieder mit.“

Nach der Musicalproduktion von „Jim Knopf“, bei der sie in der Grundschule mitgewirkt hatte, ruhte Jösts Schauspielkarriere erst einmal – bis sie Regisseurin Renate Walter für „Alles auf Krankenschein“ – das Stück, das im vergangenen Jahr zu sehen war – auf die Bühne holte. „Sie hat ein junges Mädchen gesucht und ist dann auf mich zugekommen“, erzählt sie.

Schwergefallen ist es ihr aber nicht, im Rampenlicht zu stehen: „Erst ist man nervös, aber dann hat man das Publikum vergessen und macht einfach alles so wie in den Proben.“ Auch habe geholfen, dass Jöst bereits seit zehn Jahren bei der SG Wald-Michelbach auf Leistung turnt. Dass sie dabei viele Menschen genau beobachten, habe sie bereits abgehärtet.

Nach ihrem Debüt im Haus des Gastes hat sie viel positive Rückmeldung bekommen, erzählt sie. Viele Bekannte hätten gar nicht gewusst, dass sie Teil des Ensembles ist – und sie seien überrascht gewesen, wie sehr sie aus sich herausgekommen sei. Wenn sie die Bühne betrete, sei sie ein ganz anderer Mensch, erklärt Jöst.

Diesmal mehrere Rollen

Gerade das „Jemand anderes sein“ ist für die 21-Jährige der schönste Teil am Schauspielern – und gleichzeitig die größte Herausforderung. Diesmal übernimmt sie gleich mehrere Rollen – auch wenn diese eher kleiner sind, kommt sie kaum von der Bühne, erklärt sie.

Sich in ihre Figuren einzufühlen sei diesmal schwieriger gewesen, weil sie viel stärker von ihrer eigentlichen Persönlichkeit abweichen, als die Kommissarin, die sie im vergangenen Jahr verkörperte. „Ich hatte aber ganz viel hilfreiche Rückmeldung von der Gruppe“, erklärt sie. Ihre Kollegen hätten ihr zum Beispiel auch Filme oder Serien empfohlen, von denen sie sich inspirieren lassen könnte.

Etwas ganz besonders seien die Proben kurz vor dem Auftritt: Da geht es nämlich bereits in den Kostümen auf die Bühne. „Das ist etwas ganz anderes, ich bin dann viel mehr in der Rolle – und ich bekomme dann richtig Lust auf den Auftritt“, erklärt sie.

Einfach ausprobieren

Jedem, der Interesse am Schauspielern hat, sich aber noch nicht ganz traut, rät sie: Einfach mitmachen. „Man kann sich in einem Maß ausprobieren, wie es im Alltag nicht möglich ist“, erklärt Jöst. Die Schauspieler werden zu nichts gezwungen – „alle sollen sich wohlfühlen“, betont sie. Wichtig sei lediglich, über sich selbst lachen könne. Eine Portion Mut und Fantasie würden auch nicht schaden. „Die Gruppe ist toll, es ist immer lustig und es macht einfach Spaß.“

Bei Lampenfieber schwört Jöst auf Naturheilkunde und ein keines Glas Orangensaft. Dieses Ritual habe sie im vergangenen Jahr beruhigt. Und spätestens, wenn sie die Bühne betritt, wird alles klarer – schließlich ist alles reichlich geprobt.

Von oben können die Schauspieler sowieso nur in den ersten Reihen Gesichter im Publikum ausmachen, danach sei alles nur schwarz, erklärt sie. Ihr Tipp: „Ich suche mir immer einen Punkt hinten in der Halle, auf den ich dann schaue.“ Auch vor Pannen müsse man keine Angst haben. Der Schlüssel: Gut improvisieren und den Fehler überspielen.

Ob sie es sich vorstellen kann, das Hobby zum Beruf zu machen? Eigentlich studiert Jöst Lehramt in Heidelberg, aber: „Wenn sich die Chance ergeben würde, würde ich sie ergreifen“, gesteht sie.