Über 1.000 Neuinfektionen - Grippewelle rollt über Odenwald
Auch in den Hausarztpraxen im Odenwald ist ein Anstieg an Influenzainfektionen festzustellen. Wie gehen Schulen mit der Krankheitswelle um? Steigen auch die Coronainfektionen?
Odenwald. Die Grippewelle rollt derzeit über das Land hinweg – und auch der Odenwald bleibt davon nicht verschont. Die Gesundheitsämter in Hessen stellten in den vergangenen Woche einen deutlichen Anstieg der Influenzaviren fest – und der Höhepunkt dürfte deren Einschätzung nach noch nicht erreicht sein. Demnach wurden in der vorletzten Januar-Woche 1.144 Neuinfektionen registriert. Das war knapp ein Drittel mehr als in der Woche zuvor, wie die Daten des Gesundheitsministeriums in Wiesbaden zeigen.
Auch an den Hausarztpraxen im Weschnitztal und im Überwald geht der Anstieg von Influenzafällen nicht vorbei. „Bei uns lässt sich ein hohes Ausmaß an Infektionen feststellen“, berichtet beispielsweise die Gemeinschaftspraxis der Dres. Andrea Schindlmayr, Runa Siméon und Jens-Uwe Zimpel auf Anfrage unserer Redaktion. Die Grippewelle sei ihrer Darstellung nach spürbar, allerdings müssten auch andere virale oder bakterielle Infektionskrankheiten behandelt werden. Aber die Abtsteinacher Ärzte stellen fest, dass „die Grippewelle unseres Erachtens etwas früher eingesetzt als sonst hat“.
Corona spielt keine Rolle mehr
Bei den Infektionsfällen spiele indes das Coronavirus keine große Rolle mehr. „Corona-Tests zur Differenzierung werden in unserer Praxis nicht mehr gemacht, teilweise führen die Patienten aber noch zu Hause Schnelltests durch“, erklären sie. Corona-Impfungen werden ihren Angaben zufolge aktuell so gut wie nicht mehr angefragt und auch die Impfbereitschaft für die Grippeimpfung sei in dieser Saison geringer ausgefallen als in den Vorjahren, wodurch es vermutlich während der Grippewelle auch zu mehr symptomatischen Erkrankungsfällen komme.
„Impfstoff ist noch vorhanden, allerdings dauert es ja ein bis zwei Wochen, bis der Körper nach der Impfung eine entsprechende Immunität aufbaut, daher werden die Impfungen normalerweise im Herbst empfohlen, dann ist ein entsprechender Schutz vorhanden, bevor die Grippewelle anrollt. Wer sich jetzt noch impfen lassen will, kann dies tun. Ob bis zum Aufbau des Schutzes eine Infektion bei hohem Infektionsgeschehen stattfindet, kann man natürlich nicht wissen. Die Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission teilen wir grundsätzlich, letztlich muss aber natürlich jeder für sich selbst entscheiden“, heißt es aus der Abtsteinacher Gemeinschaftspraxis.
Einige Schulen geschlossen
Die Grippewelle hat derweil in einigen hessischen Kommunen dafür gesorgt, dass sogar Schulen schließen mussten – beispielsweise in Frankfurt-Eckenheim, wo an der Grundschule 150 von 350 Kindern erkrankt waren – oder nur noch eine Notbetreuung stellen konnten. An den Schulen im Odenwald gibt es aktuell jedoch keine Spitzenbelastungen, wie eine Umfrage unserer Redaktion zeigt.
„Momentan sind die Auswirkungen der aktuellen Krankheitswelle auf einem für den Monat Februar üblichen Niveau. Außer einem leicht erhöhtem Vertretungsbedarf sehen wir keine Auswirkungen, auch der Krankenstand innerhalb der Schülerschaft ist auf einem normalen Niveau für den Monat Februar. Der Unterricht findet nach wie vor im Klassenverband statt, eine jahrgangsübergreifende Notbetreuung musste noch nicht eingerichtet werden“, berichtet Ekkehard Müller vom Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium.
Auch an der Heinrich-Böll-Schule in Fürth läuft der Unterricht in geregelten Bahnen. „Wir haben vier, fünf krankheitsbedingte Ausfälle in der Lehrerschaft, das ist ein normaler Stand für diese Zeit. Da wir einen Pool an Vertretungslehrkräften, darunter auch ehemalige Pädagogen, zur Verfügung haben, können wir die Lücken füllen“, führt der stellvertretende Schulleiter Boris Oberle aus. Problematisch könne es erst werden, wenn neun oder zehn Lehrer ausfallen würden.
Über längeren Zeitraum krank
An der Müller-Guttenbrunn-Grundschule in Fürth ist die aktuelle Grippewelle spürbar, wie Rektorin Kathrin Weber deutlich macht. „Viele Kinder sind über einen längeren Zeitraum als gewöhnlich krank gemeldet und auch im Kollegium gibt es immer wieder vereinzelt Ausfälle. Trotzdem ist die Anzahl der erkrankten Kinder nicht so hoch, dass es den Unterricht beeinflusst“, berichtet sie. Und auch hier können die Ausfälle der Kollegen durch schulisches Personal und Vertretungskräften ersetzt werden, sodass der Unterricht für die Kinder weiterhin gewährleistet ist.
Dies gilt ebenso für die Ulfenbachtal-Grundschule in Wahlen. „Die Krankheitswelle hält schon seit Dezember an. Aktuell gibt es aber keinen Anlass, dass die Schule geschlossen werden müsste. Der Unterricht kann durch Lehrkräfte und Springerkräfte abgedeckt werden“, stellt Rektorin Kathrin Lammer fest.