Unwetter in Fürth: Bürgermeister und IG Fahrenbach sind sich uneinig
Drei Einsatzpunkte für die Helfer im Fürther Ortsteil Fahrenbach nach heftigem Starkregen. Aber was war es denn jetzt: „Knapp an der Katastrophe vorbei“ – oder ein „normaler Einsatz?“
Ein heftiges Unwetter suchte am Donnerstagnachmittag den Fürther Ortsteil heim; die Freiwillige Feuerwehr Fahrenbach rückte aus, nachdem in einer knappen Viertelstunde eine große Menge Regen niedergegangen war. „Wir hatten drei Einsatzstellen“, berichtet Gemeindebrandinspektor (GBI) Dominik Bormuth im Nachgang.
15 Helfer waren mit zwei Fahrzeugen vor Ort – von 15.45 bis 18 Uhr dauerte ihr Kampf gegen das Wasser. Es stand unterschiedlich hoch, berichtet Bormuth, der in den Kellern zwischen drei und fünf Zentimetern gemessen hatte; mit Wassersaugern unterstützten die Ehrenamtlichen die Fahrenbacher dabei, ihre Keller wieder trocken zu bekommen. Auch in den Straßen sammelte sich das Nass, doch Gullis waren nicht übergelaufen. Auch der Fahrenbach war angewachsen, doch der GBI erklärt: „Das war nichts Dramatisches.“
42 Liter gemessen
Das sieht Peter Jäger anders. „Diesmal sind die Fahrenbacher bei Niederschlägen von 42 Litern pro Quadratmeter innerhalb etwa einer halben Stunde nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“, schreibt er im Namen der Interessengemeinschaft Fahrenbach (IG). Er hat drei Messstellen in seinem Garten und hat diesen Wert dort abgelesen; sein Nachbar habe einen Liter weniger gemessen, ergänzt er. Und er schätzt die Dauer des Regengusses auf 25 bis 30 Minuten.
Die IG kämpfe aufgrund der Erfahrungen seit Jahren mit Nachdruck für eine Einhaltung des Hochwasserschutzes im Ortsteil. Unter anderem wollen die Anwohner noch vorhandene, natürliche Überflutungsräume freihalten, die längs der Vorfluter für den Fahrenbach, den Kuhbach und den Roßgraben befinden. Außerdem soll eine weitere Versiegelung verhindert werden, wie sie die Ausweisung neuer Baugebiete mit sich bringt, vor allem „in gefährdeten Bereichen und denen mit nicht ausreichender Kanalisation sowie in Gebieten mit bereits heute vorhandener Überlastung der Vorfluter“. 2003 verhinderte ein Vorläufer der heutigen Gruppierung eine Bebauung der Sauerwiesenstraße, „unter anderem auch aus Gründen des Hochwasserschutzes“, wie Jäger bemerkt. Seit 2017 gibt es die IG in ihrer heutigen Form; sie hatte sich seinerzeit gegen die Bauleitplanung zwischen Waldstraße, „Am Lerchenberg“ und Sauerwiesenstraße gewandt, auch in diesem Fall unter anderem wegen Hochwassergefahren. Ende 2023 schickte die IG eine Überflutungskarte des Ortsteils an das Darmstädter Regierungspräsidium.
„Kein Keller abgesoffen“
„Wir sind da nirgendwo vorbeigeschrammt“, hält Bürgermeister Volker Oehlenschläger dagegen. Nichts sei da dramatisch gewesen, Ereignisse wie dieses würden eben einfach dazugehören „in unserer Region“: „Ein ganz normales Ereignis war das.“ Für das eben Helfer wie die Mitglieder der Feuerwehr zuständig seien: „Eine der drei Einsatzstellen war sogar im Feuerwehrhaus, nämlich ein verstopftes Fallrohr. Es ist weder ein Keller abgesoffen noch sonst was.“
Steigt das Wasser in Fürth, dann kommen geradezu zwangsläufig Erinnerungen an Hochwasserereignisse hoch. Am 1. April 2023 habe der Fahrenbach bis zur Böschungsoberkante gestanden, weiß Oehlenschläger noch und verweist auf die damals gemachten Aufnahmen.
Den Vergleich mit dem 1995er Hochwasser will er nicht ziehen – im Gegensatz zu Jäger, der zusammenfasst: „In Fahrenbach stand 1995 das Wasser in der Ortsmitte bis zu 70 Zentimeter hoch, und in der Wasserstraße war ein reißender Fluss von 40 Zentimetern auf der gesamten Straßenbreite.“
Der Rathauschef verweist in dem Zusammenhang auf die seither umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen: Der Fahrenbach traf 1995 noch in einem 90-Grad-Winkel auf die Weschnitz. Das habe wie eine Barriere gewirkt, doch wurde dieser „Einfluss“ umgebaut, und nun werde das einströmende Wasser mitgenommen. Außerdem seien mehrere Rückhaltebecken gebaut worden.
Was die Wassermengen angeht, so hat er keine Daten aus Fahrenbach. Allerdings steht in Krumbach eine Messstelle des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie, die am fraglichen Tag um 15 Uhr 3,5 Millimeter anzeigte, um 16 Uhr 6,9 und zwei Stunden später 2,5 Millimeter; die Behörde gab eine Tagessumme von 12,9 Millimetern an. Oehlenschläger zieht einen Vergleich zum 1. April 2023: An diesem Tag wurden 45,6 Millimeter gemessen.
Auch wenn sich hier kein Konsens finden lässt – in einer anderen Sache sind sich alle einig: Dass es sich nämlich positiv auswirkte, dass die Böden von vorherigen Niederschlägen in diesem ohnehin nassen Sommer gut durchfeuchtet waren. Wäre der Regen auf trockene Erde gefallen, so wäre er mehr oder weniger vollständig abgelaufen.