Update: Geldautomatensprengung in Fürth - Spur führt nach Amsterdam
Die Flucht der Verdächtigen im Fall der Geldautomatensprengung in Fürth führt in die Niederlande. Spätestens jetzt ist klar, dahinter könnte ein Netzwerk von Automatensprengern stehen.
Fürth/Amsterdam. Die Spur der Täter, die am Dienstagmorgen den Geldautomaten der Fürther Sparkassenfiliale gesprengt haben, führt nach Amsterdam. Wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP mitteilte, flohen die mutmaßlichen Täter nach Amsterdam. Dort verunfallten sie nach einer Verfolgungsjagd durch die niederländische Polizei mit ihrem Fluchtfahrzeug. Die Insassen des Fahrzeugs seien anschließend jedoch geflohen. Es werde intensiv mit einem Hubschrauber, Drohnen und Spürhunden nach ihnen gefahndet. Ob es sich, wie Zeugen in Fürth gesehen haben wollen, um zwei oder mehr Tatverdächtige handelt, war zunächst nicht bekannt.
Im Umkreis von 100 Metern um das Fluchtfahrzeug, das zuvor auch in Fürth verwendet wurde, wurden im Stadtviertel Amsterdam-West mehrere Wohnungen und ein Pflegeheim evakuiert, weil zunächst nicht klar war, ob sich noch Sprengstoff in dem Wagen, einem BMW, befand.
„Knallknacker“-Netzwerk
Niederländische Geldautomatensprenger-Banden sind seit Jahren immer wieder in Deutschland aktiv. Auch die Geldautomatensprengung in der Fürther Volksbankfiliale im Oktober 2024 geht auf das Konto von Kriminellen aus der niederländischen Szene. Im Mai dieses Jahres fand vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der niederländischen Geldautomatensprenger-Szene statt.
Die Staatsanwaltschaft warf dem 24-jährigen Angeklagten und einem 23-jährigen Mittäter vor, vor zwei Jahren in Groß-Umstadt, Mörfelden-Walldorf sowie in Fürth Sprengstoffexplosionen an Geldautomaten herbeigeführt oder geplant zu haben. In Fürth wurden seinerzeit 130.000 Euro erbeutet. Nach einem umfassenden Geständnis der beiden verständigten sich Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren.
Niederländische Banden, vor allem aus den Großräumen Utrecht und Amsterdam, sind für fast 70 Prozent aller Geldautomatensprengungen in Deutschland verantwortlich. Europol und das Bundeskriminalamt (BKA) stufen diese extrem professionell und skrupellos agierenden Netzwerke als erhebliche Bedrohung für die öffentliche Sicherheit in Westeuropa ein. Das Netzwerk der sogenannten „Knallknacker“ wird auf bis zu 500 Personen geschätzt.
Sparkasse bis auf Weiteres dicht
Und wie geht es in Fürth weiter? Da durch die Automatensprengung ein erheblicher Sachschaden entstanden ist, muss die Sparkasse ihre Filiale in Fürth bis auf Weiteres schließen: „Die Sicherheit unserer Kundinnen, Kunden und Mitarbeitenden hat für uns oberste Priorität“, schreiben die Verantwortlichen. Auch von außen konnte man am Dienstag sehen, dass die Wucht der Detonation erheblich gewesen sein muss: Fensterrahmen waren verbogen, die Eingangstür hatten die Täter aufgebrochen und dabei beschädigt. Wie die Polizei mitteilte, wurde auch eine Wasserleitung beschädigt. Die Sanierungsmaßnahmen dürften demnach eine Weile dauern.
Wie es in der Sparkasse weitergeht
Doch das Geschäft muss weitergehen: Während der Renovierungsarbeiten ist das Service- und Beratungsteam der Filiale Fürth persönlich in der Filiale Rimbach (Rathausstraße 3–5) für die Kunden da. Die Servicezeiten in Rimbach wurden vorübergehend erweitert. Montag bis Freitag ist die dortige Filiale von 9 bis 12 Uhr geöffnet, dienstags und freitags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Beratungszeiten sind nach vorheriger Vereinbarung die Woche über zwischen 8 und 19 Uhr möglich.
Und was ist mit den Kunden, die eigentlich nur mal schnell Geld am Automaten abheben wollen und dafür nicht extra nach Rimbach fahren möchten oder können? Sparkassenkunden können während der vorübergehenden Schließung kostenfrei den Geldautomaten der Volksbank Weschnitztal eG in der Ellenbacher Straße 1 nutzen. Die Verantwortlichen bedanken sich bei den Kunden für das Verständnis und die Geduld und versprechen, die Filiale schnellstmöglich wieder zu öffnen.