Volksbank-Vorstände äußern sich zur Geldautomaten-Sprengung in Fürth
Unbekannte sprengen am Freitag einen Geldautomaten in der Filiale in Fürth - der zweite Vorfall binnen weniger Monate.
Damit hat bei der Volksbank Weschnitztal niemand gerechnet: Binnen sieben Wochen wurden gleich in zwei Filialen Geldautomaten von bislang noch unbekannten Tätern in die Luft gesprengt. „Vorher war das im ganzen Weschnitztal noch nie vorgekommen“, schütteln Christian Joos und Markus Haumann, die Gesamtvorstände des Geldinstituts, den Kopf.
War es Ende August der Geldautomat in Lindenfels, den die Räuber ins Visier genommen hatten, sprengten sie in der Nacht zum vergangenen Freitag einen der drei Automaten der Filiale in der Ellenbacher Straße in Fürth. Haumann ist bereits 35 Jahre bei der Bank und sagt dennoch: „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Und dann gleich zweimal hintereinander – eigentlich unvorstellbar.“
Neben dem entwendeten Geld entstand erheblicher Sachschaden. Noch sind Gutachter dabei, die genaue Schadenshöhe zu ermitteln. Der gesprengte Geldautomat wurde völlig zerstört, ein weiterer Serviceterminal beschädigt. Die Eingangstüren wurden ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. „Zum Glück gibt es keine statischen Probleme“, so Haumann. Wichtig sei, dass keine Personen zu Schaden gekommen seien. „Sachschaden ist mit Geld zu regeln.“
Geld unbrauchbar gemacht
Die Täter konnten unerkannt entkommen. Fest steht jedoch, dass sie nicht viel Spaß mit dem erbeuteten Geld haben dürften, denn die Scheine im Automaten waren durch ein Einfärbesystem geschützt. Das heißt: Die Banknoten wurden durch die Sprengung mit einer hartnäckigen, leicht abfärbenden grünen Farbe verunreinigt und können so von den Tätern nicht in den Verkehr gebracht werden. Selbst vom Fußboden habe die nach dem Überfall beauftragte Putzkolonne die Farbrückstände nicht ganz wegbekommen, berichten die beiden Banker. Die Frage, warum die Räuber trotz deutlich lesbarer Hinweise auf der Eingangstür und auf dem Automaten dennoch eine Sprengung wagten, bleibt vorerst unbeantwortet. „Das macht es uns so unverständlich“, so Joos.
Im vergangenen Jahr, so die beiden Vorstände, habe man gemeinsam mit Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) Hessen Filialbegehungen gemacht. Darüber hinaus sei eine umfassende Gefahrenanalyse sowie eine Schulung durchgeführt worden. Alle Möglichkeiten zum Schutz der Geldeinlagen wurden daraufhin umgesetzt – unter anderem eben auch die Sicherung des Geldes in den Tresoren der Automaten durch das Einfärbesystem. Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich werden die Bankfilialen mit Kameras überwacht. Das Alarmsystem ist mit einer Direktleitung mit Polizei und Sicherheitsfirma verbunden. Die Sicherung der Geldinstitute befindet sich also auf dem neusten Stand der Technik.
Es gäbe noch eine weitere Methode: Die sogenannte GlueFusion-Technologie verklebt einen Banknotenstapel in einem Geldautomaten bei einer Attacke innerhalb von Sekunden zu einem festen, wertlosen Block. Das hat in den Niederlanden und in Belgien bereits zu einer Reduzierung der Sprengungen der Geldautomaten geführt. Allerdings ist dieses Vorgehen in Deutschland nicht zugelassen, da es bei einer Fehlauslösung zu gesundheitlichen Problemen von Angestellten oder Kunden kommen könnte, erklärten Haumann und Joos. Ironischerweise habe die Analyse des LKA seinerzeit ergeben, dass das Geschäftsgebiet der Volksbank Weschnitztal nur in äußerst geringem Maß gefährdet sei, was Überfälle oder Sprengungen von Automaten anbelange. Zu weit entfernt seien die Autobahnen, die die Täter als Fluchtwege benötigen würden. Schaue man auf die bisherigen Erkenntnisse der Polizei, hätten sich die Sprengungen von Bankautomaten zwar mittlerweile schwerpunktmäßig auf Hessen verlagert. „Aber dass es uns im Odenwald trifft, hat uns dann doch überrascht“, so Haumann.
Viele Bürger hätten sich bereits wenige Stunden nach dem Überfall Sorgen gemacht, wo sie denn nun ihr Bargeld herbekommen, so die beiden Banker. „Wir haben es innerhalb von 15 Stunden nach dem Anschlag geschafft, dass die beiden noch verbliebenen Geldautomaten wieder im Notbetrieb verwendet werden konnten“, unterstreicht der Vorstand. „Kaum haben wir am Freitagabend das Polizei-Absperrband entfernt, herrschte dort wieder Normalbetrieb“, berichtet Haumann.
SB-Filiale in Reisen geschlossen
Überlegungen, wegen der beiden Sprengungen nun künftig ganz auf Geldautomaten zu verzichten, habe es nicht gegeben. „Die Bargeldversorgung gehört zu einer Regionalbank dazu“, unterstreicht Joos. Solange sich die Nachfrage nicht gravierend ändere, sollen die Geldautomaten erhalten bleiben.
Mit einer Ausnahme: Noch am Freitag wurde der Geldautomat der Volksbank-Filiale in Reisen außer Betrieb gesetzt. Warum das? Das können die beiden Banker eindrucksvoll erklären: Durch die Wucht der Sprengung in Fürth flog die Tresortür mit einer ungeheuren Wucht rund acht Meter durch das Gebäude und wurde erst durch die massive Außenwand gestoppt. Auf dem zurückgelegten Weg habe sie „alles zerfetzt, was da stand“. Wohlgemerkt: So eine Tresortür wiegt zwischen 300 und 400 Kilogramm.
Nicht vorstellbar, wenn solch ein Überfall und eine Sprengung in einem reinen Wohngebiet stattfinde, so die beiden Verantwortlichen. Natürlich sei die reine SB-Filiale in Reisen genau so gesichert wie alle anderen, aber sie liege nicht nur inmitten von Wohnhäusern, sondern auch direkt an der Bahnlinie und an einem Landhandel.
Diese Gefährdung von Menschen könne und wolle man nicht riskieren. „Den Reisener Kunden werden wir etwas anbieten und hoffen auf ihr Verständnis“, so Joos und Haumann. Zum einen könnten diese in Mörlenbach Geld abheben. Zum anderen sei man gerade im Gespräch mit der Sparkasse in Birkenau, um weitere Alternativen auszuloten. „Wir wollen unsere Kunden nicht alleinlassen.“
Eine Maßanfertigung
Der Dank von Markus Haumann und Christian Joos gilt der örtlichen Feuerwehr und der Polizei. Beide seien ruckzuck vor Ort gewesen und hätten professionell und ruhig gehandelt. Ebenso dankbar zeigten sie sich für die schnelle Hilfe der Partnerfirmen – vom Schreiner über den Elektriker bis hin zur Reinigungsfirma, sie alle hätten noch am gleichen Tag ihren Teil dazu beigetragen, dass die Kunden wieder versorgt werden konnten. Die Eingangstüren werden noch ausgetauscht und der gesprengte Automat durch einen neuen ersetzt. Bis dieser aber da ist, werden allerdings noch ein paar Wochen ins Land gehen – er wird sozusagen maßgeschneidert.