"Die Hemmschwelle sinkt, mit dem Handy draufzuhalten"

Von Gaffern und Teamgeist: Feuerwehren im Weschnitztal über neue Herausforderungen

Angriffe auf Einsatzkräfte, Respektlosigkeit und Behinderungen bei der Arbeit: Im Gespräch mit WNOZ berichten die Gemeindebrandinspektoren der Feuerwehren Fürth, Rimbach und Mörlenbach von ihren Erfahrungen und wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen.

Christian Kloth, Gemeindebrandinspektor von Rimbach (links) und der GbI von Mörlenbach, Robert Gölz, berichten von ihren Erfahrungen bei Einsätzen. Das Foto entstand vor dem Hilfeleistungsfahrzeug, das die Mörlenbacher 2019 anschafften. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Christian Kloth, Gemeindebrandinspektor von Rimbach (links) und der GbI von Mörlenbach, Robert Gölz, berichten von ihren Erfahrungen bei Einsätzen. Das Foto entstand vor dem Hilfeleistungsfahrzeug, das die Mörlenbacher 2019 anschafften.

Weschnitztal. Aus einer Menschenmenge werden Raketen auf Feuerwehrleute abgeschossen, Helfer werden angepöbelt und bei ihrer Arbeit behindert – sind das Entwicklungen, die man nur in den Städten sieht, oder sind sie mittlerweile auch im Weschnitztal angekommen? Ja und nein – so könnte man die Antwort der Gemeindebrandinspektoren (GbI) grob zusammenfassen. Die WNOZ hat sich mit Robert Gölz (Mörlenbach) und Christian Kloth (Rimbach) getroffen; an diesem Tag ist Fürths GbI Dominik Bormuth zwar leider verhindert, doch hat er seine Antworten auf die Fragen nachgereicht.

Dominik Bormuth, Gemeindebrandinspektor der Feuerwehr Fürth Foto: Feuerwehr Fürth
Dominik Bormuth, Gemeindebrandinspektor der Feuerwehr Fürth

Ein Ehrenamt

Gölz lädt ins Mörlenbacher Feuerwehrhaus ein, und zunächst geht es um die „Hintergründe“ der Männer an der Spitze der Feuerwehren. Sie alle sind GbI im Ehrenamt. Gölz ist im Hauptberuf bei der Gemeinde im Sachgebiet Brand-, Katastrophen- und Arbeitsschutz angestellt, Bormuth verdient sein Gehalt bei der Werksfeuerwehr des Weinheimer Unternehmens Freudenberg, und Kloth ist Geschäftsführer einer Firma, die EDV für Ärzte anbietet.

„Das Schlimmste ist, dass das alles Sekunden später online stehen kann“, bemerkt er. Und, dass die Hemmschwelle sinkt, einfach draufzuhalten. Bormuth macht das Tempo ebenfalls sprachlos. Manchmal geht zudem eine „Ente“ herum, etwa wenn verbreitet wird, dass die Schule brennt, obwohl dort nur eine Übung stattfindet. Auf der anderen Seite sieht der Fürther die große Reichweite auch als Vorteil: „Etwa bei Personensuchen.“ Vor einiger Zeit habe man so einen vermissten Mann schnell wiedergefunden.

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Impressum

Bormuth schildert den Fall zweier Kinder, die die Wehr verständigten, nachdem an der Bushaltestelle Erbacher Straße ein Mülleimer brannte: „Sie haben unser Eintreffen abgewartet und sich vorbildlich verhalten.“ Die Drei machen gleichwohl gesamtgesellschaftliche Veränderungen aus, wie Kloth bemerkt. Er ist seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr, die beiden anderen seit 26 (Gölz) beziehungsweise 25 Jahren (Bormuth). Was er meint, ist das: „Die Menschen waren früher fähiger, sich in bestimmten Situationen selbst zu helfen.“ Etwa, wenn Wasser im Keller stand, oder wenn eine Haustür geöffnet werden musste: „Da hatte der Nachbar den Schlüssel. Das ist heute auch auf dem Dorf anonymer geworden.“ Zahlenmäßig haben Hilfeleistungen, auch bei Unfällen, längst die Brandeinsätze überholt. Ein Problem ist auch die „Tages-Alarmverfügbarkeit“, die schwierig zu gewährleisten ist, weil längst nicht jeder vor Ort arbeitet. Mit Fortbildungen, ständigen Übungen, Schulungen, auch in Sachen Erster Hilfe, wird vorgesorgt. Nach den neuen Leitlinien müssen zudem genug Helfer vor Ort sein, um eine länger andauernde Wiederbelebung gewährleisten zu können.

Gesund zurückkommen

Und die Chancen? Die Kameradschaft. Das Familiäre. Da sind sich alle einig. Bormuth vergleicht das mit dem Fußballspielen: „Wenn der Zusammenhalt passt, ist man auch als Mannschaft gut.“ Weil man sich blind aufeinander verlassen kann. Wenn er an seinen skurrilsten Einsatz denkt, grinst er: „Wir sind alarmiert worden, weil in einem Sturm ein Ast herunterzufallen drohte – an einem Waldweg, also nicht ganz überraschend.“ Die Kameraden fuhren hin, sperrten den Pfad und gaben die Sache an den Forst weiter. Die anderen stimmen mit ihm überein: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Und die letzten Einsätze? Ein Fehlalarm in Fürth, eine Rettung in Mörlenbach, eine technische Hilfeleistung in Rimbach.

Einig sind sie auch bei ihren Wünschen, die Gölz so auf den Punkt bringt: „Dass wir alle gesund und vollzählig von den Einsätzen zurückkommen.“ Kloth ergänzt: „Wir bewegen uns in Grenzsituationen mit einem Restrisiko, das man nicht einkalkulieren kann. Wenn wir in ein brennendes Haus gehen, wissen wir nicht, was uns da erwartet. Jeder Einsatz ist anders, das ist nicht planbar.“