Von Gaffern und Teamgeist: Feuerwehren im Weschnitztal über neue Herausforderungen
Angriffe auf Einsatzkräfte, Respektlosigkeit und Behinderungen bei der Arbeit: Im Gespräch mit WNOZ berichten die Gemeindebrandinspektoren der Feuerwehren Fürth, Rimbach und Mörlenbach von ihren Erfahrungen und wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen.
Weschnitztal. Aus einer Menschenmenge werden Raketen auf Feuerwehrleute abgeschossen, Helfer werden angepöbelt und bei ihrer Arbeit behindert – sind das Entwicklungen, die man nur in den Städten sieht, oder sind sie mittlerweile auch im Weschnitztal angekommen? Ja und nein – so könnte man die Antwort der Gemeindebrandinspektoren (GbI) grob zusammenfassen. Die WNOZ hat sich mit Robert Gölz (Mörlenbach) und Christian Kloth (Rimbach) getroffen; an diesem Tag ist Fürths GbI Dominik Bormuth zwar leider verhindert, doch hat er seine Antworten auf die Fragen nachgereicht.
Ein Ehrenamt
Gölz lädt ins Mörlenbacher Feuerwehrhaus ein, und zunächst geht es um die „Hintergründe“ der Männer an der Spitze der Feuerwehren. Sie alle sind GbI im Ehrenamt. Gölz ist im Hauptberuf bei der Gemeinde im Sachgebiet Brand-, Katastrophen- und Arbeitsschutz angestellt, Bormuth verdient sein Gehalt bei der Werksfeuerwehr des Weinheimer Unternehmens Freudenberg, und Kloth ist Geschäftsführer einer Firma, die EDV für Ärzte anbietet.
Feuerwehr Mörlenbach:
Die Feuerwehr Mörlenbach hat aktuell 192 Einsatzkräfte in sieben Einsatzabteilungen.
Die Standorte sind Mörlenbach-Mitte, Bonsweiher, Juhöhe, Ober-Liebersbach, Ober-Mumbach, Vöckelsbach und Weiher.
2024 wurden die Helfer zu 114 Einsätzen gerufen, die in der Mehrzahl aus Hilfeleistungen bestanden. Die Anzahl ist im Vergleich zu den Vorjahren etwa gleichbleibend.
Zur Jugendwehr gehören 61 in sieben Abteilungen. Sie sind zehn bis 17 Jahre jung.
Die Kinderfeuerwehr hat 21 Mitglieder, die sechs bis zehn Jahre alt sind.
47 Feuerwehrleute gehören zur Musikabteilung, die immer donnerstags ab 20 Uhr in der Industriestraße 1 probt.
Alle Abteilungen haben zusammen 22 Fahrzeuge, darunter Tanklösch-, und Löschgruppenfahrzeuge. Es gibt unter anderem acht Mannschaftstransportwagen, drei Trafkraftspritzenfahrzeuge, eine Drehleiter und einen Gerätewagen Logistik.
1896 wurde die Wehr gegründet; 2026 steht das 130. Jubiläum an.
Die Mörlenbacher Feuerwehr ist in der Industriestraße 1. Online findet man sie unter https://www.moerlenbach.de/gemeinde-leben/schutz-sicherheit/feuerwehr.
Feuerwehr Fürth:
Die Fürther Wehr hat inklusive aller Ortsteilwehren 495 Mitglieder.
Die Fürther verfügen über zehn Feuerwehrhäuser im Kernort sowie in den Ortsteilen, die starke Abteilungen haben.
Im vergangenen Jahr wurde die Feuerwehr zu 118 Einsätzen gerufen. Gemeindebrandinspektor Dominik Bormuth rechnet damit, dass ihre Zahl in Zukunft geringfügig steigen dürfte: „Aufgrund von neuen Gegebenheiten „CPR-Responder“ (Unterstützung des Rettungsdienstes bei Reanimationen) sowie Inbetriebnahme des Drehleiterfahrzeuges.“
230 von ihnen sind Teil der aktiven Wehr.
Die Kinderfeuerwehr hat 83 Mitglieder, bei den Jugendlichen sind es 70.
Der Spielmannszug hat 16 Musiker, zur Altersmannschaft gehören 86 Personen.
Zusammen haben die Abteilungen 27 Einsatzfahrzeuge; neu ist eine Drehleiterfahrzeug.
1883 gegründet, ist die Fürther Freiwillige Feuerwehr die älteste im Weschnitztal.
Die Fürther Wehr hat ihren Sitz in der Schulstraße 1 im Kernort. Kontaktieren kann man sie unter online@feuerwehr-fuerth.de. Telefonisch erreicht man sie unter 6253/ 932345.
Feuerwehr Rimbach:
Zur Freiwilligen Feuerwehr Rimbach gehören insgesamt 250 Ehrenamtliche.
Es gibt drei Feuerwehrhäuser, die im Kernort und den Ortsteilen stehen. Der Standort in Zotzenbach soll ins Gewerbegebiet verlegt werden. Die bisherigen Räumlichkeiten an der Trommhalle werden abgerissen; auf dem Parkplatz soll ein neuer Kindergarten entstehen, während am Standort der jetzt noch benutzten Räume Parkflächen eingerichtet werden.
Der Rechenschaftsbericht für das vergangene Jahr listet 61 Einsätze auf, und Kommandant Christian Kloth erklärt, dass die Tendenz hier steigend sei.
110 Feuerwehr-Mitglieder zählen zur aktiven Wehr.
Die Kinderwehr hat 15 Mitglieder, die Jugendfeuerwehr 45.
35 Frauen und Männer musizieren im Spielmannszug, 45 Mitglieder gehören zur Altersmannschaft.
Insgesamt verfügen die Rimbacher über 15 Fahrzeuge.
Die Kernort-Feuerwehr wurde 1894 gegründet.
Die Rimbacher „Zentrale“ befindet sich in der Fahrenbacher Straße 26 A. Im Netz ist sie erreichbar unter www.feuerwehr-rimbach.de (Telefon 06253 84220).
Die Notrufnummer ist die 112.
„Das Schlimmste ist, dass das alles Sekunden später online stehen kann“, bemerkt er. Und, dass die Hemmschwelle sinkt, einfach draufzuhalten. Bormuth macht das Tempo ebenfalls sprachlos. Manchmal geht zudem eine „Ente“ herum, etwa wenn verbreitet wird, dass die Schule brennt, obwohl dort nur eine Übung stattfindet. Auf der anderen Seite sieht der Fürther die große Reichweite auch als Vorteil: „Etwa bei Personensuchen.“ Vor einiger Zeit habe man so einen vermissten Mann schnell wiedergefunden.
Bormuth schildert den Fall zweier Kinder, die die Wehr verständigten, nachdem an der Bushaltestelle Erbacher Straße ein Mülleimer brannte: „Sie haben unser Eintreffen abgewartet und sich vorbildlich verhalten.“ Die Drei machen gleichwohl gesamtgesellschaftliche Veränderungen aus, wie Kloth bemerkt. Er ist seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr, die beiden anderen seit 26 (Gölz) beziehungsweise 25 Jahren (Bormuth). Was er meint, ist das: „Die Menschen waren früher fähiger, sich in bestimmten Situationen selbst zu helfen.“ Etwa, wenn Wasser im Keller stand, oder wenn eine Haustür geöffnet werden musste: „Da hatte der Nachbar den Schlüssel. Das ist heute auch auf dem Dorf anonymer geworden.“ Zahlenmäßig haben Hilfeleistungen, auch bei Unfällen, längst die Brandeinsätze überholt. Ein Problem ist auch die „Tages-Alarmverfügbarkeit“, die schwierig zu gewährleisten ist, weil längst nicht jeder vor Ort arbeitet. Mit Fortbildungen, ständigen Übungen, Schulungen, auch in Sachen Erster Hilfe, wird vorgesorgt. Nach den neuen Leitlinien müssen zudem genug Helfer vor Ort sein, um eine länger andauernde Wiederbelebung gewährleisten zu können.
Gesund zurückkommen
Und die Chancen? Die Kameradschaft. Das Familiäre. Da sind sich alle einig. Bormuth vergleicht das mit dem Fußballspielen: „Wenn der Zusammenhalt passt, ist man auch als Mannschaft gut.“ Weil man sich blind aufeinander verlassen kann. Wenn er an seinen skurrilsten Einsatz denkt, grinst er: „Wir sind alarmiert worden, weil in einem Sturm ein Ast herunterzufallen drohte – an einem Waldweg, also nicht ganz überraschend.“ Die Kameraden fuhren hin, sperrten den Pfad und gaben die Sache an den Forst weiter. Die anderen stimmen mit ihm überein: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Und die letzten Einsätze? Ein Fehlalarm in Fürth, eine Rettung in Mörlenbach, eine technische Hilfeleistung in Rimbach.
Einig sind sie auch bei ihren Wünschen, die Gölz so auf den Punkt bringt: „Dass wir alle gesund und vollzählig von den Einsätzen zurückkommen.“ Kloth ergänzt: „Wir bewegen uns in Grenzsituationen mit einem Restrisiko, das man nicht einkalkulieren kann. Wenn wir in ein brennendes Haus gehen, wissen wir nicht, was uns da erwartet. Jeder Einsatz ist anders, das ist nicht planbar.“