Präventionsteam Kreis Bergstraße organisierte Yolo-Day in Wald-Michelbach
Wie Schüler der Eugen-Bachmann-Schule in Wald-Michelbach lernen, als Team zu funktionieren und warum Filter auf Instagram schädlich sein können.
Wald-Michelbach. Ein Tag lang über das Leben nachdenken, oder anders ausgedrückt: „You only live once“, kurz Yolo. Am Donnerstagvormittag stand in der Eugen-Bachmann-Schule (EBS) genau das wieder im Zentrum. Der vom Präventionsteam des Kreises Bergstraße organisierte Yolo-Day richtete sich diesmal an Schüler der Klassenstufen 8 bis 10. Ziel war es, das Bewusstsein für gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu schärfen – und das, so der Plan, mithilfe praxisnaher Workshops.
Anstatt zu sitzen und zuzuhören, durften die Jugendlichen ausprobieren, sich selbst testen und im besten Sinne hinterfragen. Eines wollten die Veranstalter vermeiden: einen langweiligen Frontalunterricht, bei dem nur die Hälfte mitzieht. In den Klassenräumen, der Turnhalle und sogar in der Küche wurden sie von Referenten des Kreises, aber auch von Vertretern hiesiger Organisationen und Vereine an Themen wie Gewaltprävention, Selbstverteidigung, gesunde Ernährung und an die Bedeutung von Toleranz herangeführt.
Als Team funktionieren
Dass gerade bei Letzterem das Miteinander zählt, machte der Jugendkoordinator der Polizeidirektion Bergstraße, Johannes Emanuel Hofmann, deutlich. Er fand den Weg in den Klassenraum und mit seiner lockeren Art den Zugang zu den Schülern, auch weil er mit etwas Naheliegendem in das Gespräch einstieg. So fragte er die Klasse erst einmal, wie es ihr geht, welche Themen unter den Nägeln brennen, vor allem die, die die Jugendlichen im Schulalltag nicht so direkt ansprechen können.
Dann nahm er sich Zeit, bei den EBS-Schülern nachzuhaken. „Wir verstehen uns voll gut. Wir stehen als Klasse zusammen, aber Stress gibt es manchmal mit Lehrern“, antwortete ein Achtklässler. Dass ein gutes Klassenklima nicht selbstverständlich sei, schob Hofmann nach. Außerdem äußerte er Verständnis für die Situation der Kinder: „Man wird einfach zusammengewürfelt, man kennt sich nicht, kommt aus verschiedenen Orten.“ Einen Appell hatte er trotzdem parat: „Ihr müsst als Team funktionieren. Es ist wichtig, dass ihr das könnt.“
Ziele des Yolo-Days
Prävention und Aufklärung an Schulen: Jugendliche sollen in die Lage versetzt werden, durch Wissen gesündere Entscheidungen zu treffen und Risiken wie Mobbing oder schlechte Ernährung zu vermeiden.
Selbstbewusstsein und Handlungskompetenz stärken: Selbstverteidigung und Kommunikationstechniken sollen ihnen helfen, sich sicher zu behaupten, Konflikte zu entschärfen und gewaltfrei zu handeln.
Toleranz fördern: Der Umgang miteinander ist ein wichtiger Teil der Gesundheitskompetenz. Die Schüler lernen, wie sie sich in einer vielfältigen Gesellschaft respektvoll gegenüber anderen verhalten können.
Bewusster mit Ressourcen umgehen: Der Workshop zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung soll zu einem sorgfältigeren Umgang anregen.
Selbstakzeptanz: Im Workshop „Insta vs. Reality“ geht es darum, den eigenen Körper zu akzeptieren und sich nicht von unrealistischen Schönheitsidealen in sozialen Medien beeinflussen zu lassen.
Denn: „Ihr müsst auch mit Leuten in Kontakt kommen, mit denen ihr privat nichts zu tun haben wollt. Selbst wenn ihr sie nicht leiden könnt, solltet ihr für sie einstehen.“ Das gelte zum Beispiel, wenn Kinder gemobbt werden. Höflichkeit wäre ein erster Schritt, meinte Hofmann: „Es ist erst einmal nichts Schlimmes, freundlich zu sein. Ihr könnt morgens im Bus einfach mal ausprobieren, zu grüßen. Dann fällt den Älteren die Kinnlade runter.“ Es seien nur Einzelne, fuhr er fort, die den Ruf der heutigen Jugend zunichtemachen würden und die den Respekt verloren hätten. Als Beispiel nannte er die Böllerangriffe gegen Polizei und Rettungskräfte an Silvester. Thematisch schloss sich der Workshop von Manfred Forell vom Demokratiezentrum an, der auf Vorurteile und Rassismus einging.
Sich in andere hineinzuversetzen, ist auch Prävention im weit gefassten Sinne und war Aufgabe im nächsten Klassenraum. Referentin Christina Arnold hatte mit „Demenz“ einen für die Schule eher ungewöhnlichen Titel für ihren Workshop gewählt. Ihr ging es darum, Alterserscheinungen aufzuzeigen, um Verständnis für ältere Mitbürger zu entwickeln. Eine Brille führte vor Augen, wie eingeschränkt die Sehfähigkeiten von Menschen mit einer Makuladegeneration sind. „Gert“, der Alterssimulationsanzug, stand ebenfalls bereit. Ein Schüler schlüpfte hinein und konnte am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn Gelenke steif und schwer werden und sich die Muskulatur abbaut.
Im oberen Stock war eine Mädchengruppe versammelt, die ihre Köpfe über Fotos gebeugt hatte. „Insta versus Reality“ sollte verdeutlichen, dass sich Influencer und Stars in sozialen Medien mithilfe von Filtern und Bildbearbeitung derart künstlich aufhübschen, dass normale Menschen mitunter ein verzerrtes Schönheitsideal entwickeln könnten.
Mit Filtern vertraut
Die Schülerinnen kannten sich allerdings sehr gut damit aus, an welchen Stellen die Fotos genau bearbeitet wurden. Im Gespräch verneinten sie aber, dass sie bei ihren eigenen Bildern, die sie auf Instagram hochladen, selbst Filter benutzten. Ob es etwas an ihrem Schönheitsideal ändern würde, verneinten sie ebenfalls. „Es ist wichtig, dass die Mädchen einen geschützten Rahmen haben“, beantwortete das Präventivteam die Frage, warum sich der Workshop ausschließlich an Schülerinnen richtet.
In der kleinen Turnhalle war Siggi Haupt aus Darmstadt mit seinem Selbstverteidigungskurs in seinem Element. Die Schüler durften lernen, wie sie sich in bedrohlichen Situationen selbstbewusst verhalten können, dazu gehörte für den Referenten auch, lautstark zu warnen. Dabei ging es nur vordergründig darum, sich zu wehren, sondern vielmehr selbstbewusst zu agieren und in schwierigen Momenten ruhig und deeskalierend zu bleiben, wenngleich Haupt dabei sehr aktiv vorging.
Ruhiger lief es beim Workshop „Impf dich“ der Uni Heidelberg ab: Wie funktionieren Gedächtniszellen bei einer Infektion? Warum hilft es, einen Impfschutz aufzubauen, um Erkrankungen zu vermeiden? Und welche Nebenwirkungen können aus einer Impfung resultieren? Inhaltlich durchaus anspruchsvoll, richtete sich der Vortrag vorrangig an Schüler der 10. Klasse.
Die Landfrauen nahmen sich des Themas Lebensmittelverschwendung an: „Zu schade für die Tonne“ Sie kochten gemeinsam und die Jugendlichen erfuhren nebenbei, wie sie aus vermeintlichen Resten noch so ein leckeres Gericht wie „Arme Ritter“ zaubern können.
Leben retten
Heike Langer kam mit Mitgliedern des DLRG-Ortsvereins ebenfalls in die Klassenräume und machte auf Wassergefahren aufmerksam und wie entsprechende Rettungsmaßnahmen im Notfall aussehen. Denn nicht nur in der EBS, sondern allerorten gilt: „You only live once“.