Grabstein in Wald-Michelbach gestohlen: Witwer steht vor leerer Ruhestätte
Unbekannte haben in Wald-Michelbach einen kompletten Grabstein vom Friedhof in Gadern entwendet. Die Polizei bittet um Hinweise.
Wald-Michelbach. Für einen Witwer aus Wald-Michelbach muss es ein Schockmoment gewesen sein: Als er das Grab seiner verstorbenen Ehefrau auf dem Friedhof im Ortsteil Gadern besuchen wollte, fehlte plötzlich der Grabstein. Der massive Block mit Messingverzierungen war komplett verschwunden. Neben dem emotionalen Schock für den Hinterbliebenen entstand infolge des Diebstahls auch ein erheblicher Sachschaden.
Wie das Polizeipräsidium Südhessen mitteilt, wurde die Tat am Freitagabend, 18. Juli, bei der Polizeistation Wald-Michelbach vom Witwer selbst zur Anzeige gebracht. Der genaue Tatzeitpunkt lässt sich derzeit nicht eingrenzen, wie dem Polizeibericht zu entnehmen ist.
Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf rund 2.500 Euro. Hinweise auf die Tat oder mögliche Beobachtungen nimmt die Polizeistation Wald-Michelbach unter der Telefonnummer 06207/94050 entgegen.
Gefragter Rohstoff
Metall – insbesondere Messing – ist ein gefragter Rohstoff. Immer wieder kommt es deutschlandweit zu Diebstählen, bei denen sich Unbekannte gezielt auf Friedhöfen an Grabschmuck, Leuchten oder Schalen zu schaffen machen. Fündig werden sie häufig auf abgelegenen Friedhöfen. Auch dieser Fall könnte in das Muster passen. Doch Bernd Hochstädter vom Polizeipräsidium Südhessen dämpft Spekulationen im Gespräch mit unserer Redaktion: „Dass jemand einen kompletten Grabstein entwendet hat, so etwas ist mir nicht geläufig. Das ist wirklich außergewöhnlich“, räumt er zwar ein.
Das Phänomen Metalldiebstahl
- Metalldiebe stehlen bevorzugt Kupfer, Messing, Bronze und Aluminium, oft sind Baustellen, Bahnanlagen oder Friedhöfe betroffen.
- Das Diebesgut wird meist an Schrotthändler verkauft oder ins Ausland verbracht.
- Der Schaden, den die Täter anrichten, ist oft wesentlich höher als der Erlös für das Diebesgut.
- Laut Polizei handelt es sich - anders als möglicherweise im Fall in Gadern - oft um gut organisierte Gruppen, die gezielt und planvoll vorgehen, teils mit Werkzeugen, Fahrzeugen und mit Ortskenntnis.
Von einem bandenmäßigen Vorgehen will der Polizeisprecher derzeit aber nicht reden, auch wenn in einigen Regionen in der Vergangenheit vermehrt Grabschmuck und Kerzen gestohlen wurden, fügt er hinzu. Als Beispiele führt er etwa Bürstadt und Lampertheim an.
Ein Einzelfall?
In Gadern hingegen handele es sich bei dem Vorfall eher um einen Einzelfall. „Insbesondere im Überwald sind solche Diebstähle selten“, fasst Hochstädter zusammen.
Dennoch ist es nicht das erste Mal im Überwald, dass Täter auf einem Friedhof zuschlagen: Nach Ostern wurde in Abtsteinach ein Grablicht von einem Kindergrab entwendet, was für Empörung sorgte, nicht nur in der Gemeinde selbst, sondern auch auf der Facebook-Seite von WNOZ. Während bei der örtlichen Friedhofsverwaltung damals großes Erstaunen über den Vorfall herrschte, wandte sich die Familie in einem dringenden Appell an den unbekannten Täter.