Wald-Michelbach: Vom Schicksalsschlag zur Schriftstellerin
Und plötzlich entstehen Ideen im Kopf: Corinna Webers Weg zum Beruf der Schriftstellerin
Literatur ist ein Raum voller Möglichkeiten. So kann man im Kopf etwas durchspielen, was man sich im wirklichen Leben niemals trauen würde. Man kann beim Schreiben am Ziel ankommen oder sich davon entfernen. Corinna Weber aus Wald-Michelbach möchte die Schriftstellerei zum Beruf machen. Nun ist ihr erster Krimi „Das Rätsel von Föhr“ erschienen.
Fiktive Welt zum Weiterleben
Bei Corinna Weber ging es darum, zu lernen, mit etwas umzugehen, das sie völlig unerwartet traf. 2019 verunglückte ihre Tochter tödlich. Ihr eigenes Leben geriet völlig aus der Bahn. Bereits wenige Wochen später begann sie, sich den Schmerz von der Seele zu schreiben. In ihrer Taschenbuchreihe „Ronjas Welt“ schuf sie eine fiktive Welt, in der ihre Tochter „weiterleben“ kann: „Es sollte ein Leben sein, das ich mir für sie gewünscht hätte. Ein Leben voller Abenteuer.“
Neun Bücher hat sie innerhalb kurzer Zeit fertiggestellt. Wie im Rausch. „Das war für mich eine intensive Zeit, weil ich all meine Gefühle in die Bücher gelegt habe. Das hat mir geholfen, im Alltag über den Verlust hinwegzukommen.“
Von Ronja zu Kommissar Knut Hansen
Fünf Jahre später war kaum etwas übrig, was sie noch hätte verarbeiten oder fortschreiben können. Die Autorin beendete Ronjas Abenteuer. „Darüber nachzudenken, tut noch immer weh.“ Aber es sei an der Zeit gewesen, in einem anderen Kosmos eine neue literarische Figur zu schaffen. Das war die Stunde von Kommissar Knut Hansen, der Hauptfigur ihres ersten Regionalkrimis „Das Rätsel von Föhr“, den sie jüngst im Eigenverlag veröffentlicht hat.
Im sonst so beschaulichen Wyk geschieht ein Mord, auf „bestialische Art und Weise“, wie der Klappentext ankündigt. Und die Autorin aus Wald-Michelbach schickt ihren Hansen auf fast 300 Seiten los, den Fall zu lösen. „Ich liebe gute Krimis“, erzählt Weber bei einem Besuch in der Redaktion. Sorgfältige Recherche gehöre für sie selbstverständlich dazu. „Die Handlung soll so authentisch wie möglich sein.“
Für die Recherche nach Föhr gereist
Da passt es gut, dass sie gern nach Föhr reist, um abzuschalten oder einfach nur die frische Meeresbrise zu spüren: „Im Herzen bin ich ein Küstenkind.“ Auf der nordfriesischen Insel besuchte sie die Polizeistation und ließ sich alles, was mit der dortigen Ermittlungsarbeit zu tun hat, von den Wyker Beamten genau erklären.
So nahm ihr Kommissar langsam Gestalt an. Sie habe ihn lieb gewonnen, gesteht sie. Er sei kantig, direkt und eher rau, typische Eigenschaften der nordfriesischen Inselbewohner. Während des Schreibprozesses habe ihr Ermittler schon bald angefangen, ein Eigenleben zu führen, sich zu wundern, zu zweifeln, zu fluchen und mit kriminalistischem Gespür eigene Entscheidungen zu treffen, die Weber nur noch niederschreiben musste.
Angst vorm leeren Blatt?
Nein, verrät sie im Gespräch, Angst vor einem leeren Blatt habe sie nicht. Denn immer wieder entstehen plötzlich diese Ideen im Kopf, die sie so lange nicht loslassen, bis sie in Worte gefasst sind. Der nächste Krimiband sei deshalb längst in Arbeit. Kommissar Hansen darf weiterermitteln.
Termine:
Krimi-Lesungen „Das Rätsel von Föhr“
- 13. Juli: Autorenlesung bei der Überwälder Traumnacht in der evangelischen Kirche, Kapellruine, im Eisenbahnmuseum in Hammelbach sowie im BeGehZett.
- 20. Juli: Autorenlesung im Café „Alltagsglück“ in Aglasterhausen.
- 3. August: „Dinner-Krimi-Lesung“ im Bistro „B10“ in Wald-Michelbach: Beginn um 18 Uhr.
- 14. und 15. September: Autorenlesung beim diesjährigen Literaturfestival in Weinheim.
- 26. September: Autorenlesung im Kurgartensaal in Wyk auf Föhr, Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr.
- 2. Oktober: Autorenlesung in der Bücherei in St. Peter-Ording. Beginn ist um 20 Uhr.
Breite Leserschaft erreichen
Eine Zäsur in doppelter Hinsicht. Denn Weber wechselte mit ihrem ersten Krimi nicht nur das Genre, sondern fasste zudem den Entschluss, mit der Schriftstellerei auch Geld zu verdienen. Im Augenblick nimmt sie alles – vom Layout über die Preisgestaltung bis zum Druck – selbst in die Hand. Besonders zeitintensiv ist die Vermarktung. Dabei weiß sie, dass es alles andere als leicht ist, eine breite Leserschaft jenseits einer eingeschworenen Fangemeinde zu erreichen. Gerade auch, weil kein Verlag dahintersteht, der ihr diese Arbeit abnimmt. Dennoch möchte sie das Vorhaben, Berufsautorin zu werden, in diesem Jahr entschlossen vorantreiben.
Lesung zur Überwälder Traumnacht
So bildet die Überwälder Traumnacht am 13. Juli den Auftakt für ihre Lesungen in der Region. Im kommenden September kehrt sie zum Tatort zurück. In Wyk auf Föhr veranstaltet sie einen Leseabend. Auf die Lesereisen freut sie sich. Denn: „Das Leben ist so kurz.“ Das erfährt Kommissar Knut Hansen auf den letzten Seiten des Buches. Und das hat auch Corinna Weber schmerzlich erfahren müssen. Als Schriftstellerin will sie das Leben jetzt auf ihre Weise genießen und dabei all ihre Ideen zu Blatt bringen.