Wie eine 15 Meter hohe Tanne aus Wald-Michelbach nach Darmstadt kommt
15 Meter Höhe, 3,8 Tonnen Gewicht: Vor Kurzem stand diese Nordmanntanne noch in einem Wald-Michelbacher Vorgarten - jetzt schmückt sie als Weihnachtsbaum die Darmstädter Innenstadt. Wie sie den langen Weg überstanden hat.
Etwa 40 Jahre alt, 15 Meter hoch und 3,8 Tonnen schwer: Mit diesen Maßen ist eine Nordmanntanne für den heimischen Vorgarten im Konradsweg in Wald-Michelbach viel zu groß geworden. Durch einen Zufall fand sie nun eine zweite Bestimmung und fungiert in diesem Jahr in Darmstadt auf dem Luisenplatz als Weihnachtsbaum. „Ein schöner Abschied“, schreibt WN/OZ-Leser Heinrich van Lier in seiner E-Mail an die Redaktion und schickt gleich ein Bild des geschmückten Weihnachtsbaums mit. Wie kam es dazu?
Die Nordmanntanne
- Herkunft: Die Nordmanntanne stammt aus dem Kaukasus, insbesondere aus Georgien und der Türkei. Ihren Namen verdankt sie dem finnischen Botaniker Alexander von Nordmann.
- Wachstum: In freier Natur kann die Nordmanntanne Höhen von 40 bis 60 Metern erreichen und bis zu 500 Jahre alt werden. Für den Weihnachtsbaumverkauf werden sie in der Regel nach acht bis zwölf Jahren geschlagen und erreichen dabei eine Höhe von etwa 1,5 bis 2 Meter.
- Beliebtheit als Weihnachtsbaum: Die Nordmanntanne ist heute die meistgenutzte Baumart als Weihnachtsbaum.
- Pflege als Weihnachtsbaum: Um die Nadeln lange frisch zu halten, sollte die Nordmanntanne regelmäßig mit Wasser versorgt werden. Ein kühler Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung verlängert ihre Haltbarkeit.
„Die Kooperation zwischen der Stadt Darmstadt und unserem Familienbetrieb besteht seit etwa 20 Jahren“, verrät Marco Emig, Betriebsleiter von Emig Agrar in Kocherbach. Die Tannen stammen dabei immer aus dem Odenwald und wachsen meist auf privaten Grundstücken oder an Parkplätzen, wo sie im Laufe der Jahre zu groß geworden sind und aus verschiedenen Gründen nicht mehr stehen bleiben können. „Meist werden wir von den Besitzern angesprochen. Wir fällen und transportieren die Bäume und stellen sie in Darmstadt wieder auf“, sagt Emig.
Nächtlicher Transport
Bei Tannen, die bis zu 20 Meter hoch sind, keine leichte Aufgabe. „Für uns ist das aber kein großer Aufwand, sondern eher Routine“, sagt der erfahrene Agrarwirt. Trotzdem ist besondere Vorsicht geboten: Schließlich dürfen die Äste, die mehrere Meter lang sind, während des Transports nicht abbrechen.
Den wiederum bekommt ein Langschläfer im besten Fall nicht mit. Denn die riesigen Tannen werden nachts zwischen 2 und 4 Uhr von Wald-Michelbach nach Darmstadt gefahren. „So stören wir weder den Verkehr auf den Hauptstraßen noch den Straßenbahnbetrieb in der Darmstädter Innenstadt“, erklärt Emig. Mit dem eigentlichen Aufbau, der gemeinsam mit der dortigen Feuerwehr erfolgt, wird zwischen 7 und 8 Uhr begonnen.
Schwebende Schwergewichte
Aber: Bis es so weit ist, muss die Tanne einige Tage zuvor erst einmal an ihrem eigentlichen Standort gefällt werden. „Von der Fällung bis zur Auslieferung brauchen wir etwa einen Tag pro Baum – manchmal schaffen wir, je nach Aufwand und Größe, auch zwei oder drei“, sagt Emig und beschreibt den genauen Vorgang: Zuerst muss mit dem Autokran eine Standfläche geschaffen werden. Dann wird die Baumspitze angebunden, zusätzlich der Stamm befestigt und schließlich abgesägt und herausgehoben. „Der Baum darf auf keinen Fall umfallen, sonst brechen die Äste ab.“ Das ist auch der Grund, wieso er liegend auf zwei Böcken transportiert wird.
Jeder Ast wird anschließend mit einer Schnur am Stamm festgebunden, „sodass wir auf eine Transportbreite von drei Metern kommen“. Mit einem Begleitfahrzeug wird der Baum nach Darmstadt gefahren. Vor Ort wird der Baum erneut mittels Autokran angehoben und schwebt wahrlich zu seinem Bestimmungsort. Zuletzt wird der Stamm zugespitzt, damit er in die Bodenverankerung passt. „Wenn er perfekt sitzt, ist unsere Arbeit getan“, sagt Marco Emig.
Drei Darmstädter Plätze, drei Odenwälder Bäume
In diesem Jahr schmücken drei Nordmanntannen aus dem Odenwald die Darmstädter Innenstadt: der 15 Meter hohe aus Wald-Michelbach den Luisenplatz, ein 18 Meter hoher aus Oberzent den Marktplatz und ein acht Meter hoher aus Kocherbach den Ludwigsplatz.
Wann werden die Bäume abgebaut?
Wer die Weihnachtsbäume aus dem Odenwald in Darmstadt bewundern möchte, hat noch bis zum 6. Januar Zeit. Denn traditionsgemäß wird die komplette Weihnachtsdekoration und -beleuchtung im Stadtgebiet nach dem Dreikönigstag abgebaut.
„Für den Marktplatz eignen sich Bäume bis rund 20 Meter Höhe. Dieses Jahr hat die Nordmanntanne ein Gewicht von 2,6 Tonnen. Mit ihren Wurzeln hatte sie an ihrem bisherigen Standort den angrenzenden Fußgängerweg angehoben und musste daher gefällt werden“, teilt das Citymarketing in einer Pressemitteilung mit.
Auf dem Luisenplatz ist durch die Überspannung für die Straßenbahn die Höhe des Baums begrenzt und „das Aufstellen eine gewisse Herausforderung“. Als Kombination zum illuminierten Langen Ludwig legt das Citymarketing dabei Wert auf einen Baum „mit guter Höhe, schönem Wuchs und dichten Ästen“, um das Eingangstor in die Innenstadt und zum Darmstädter Weihnachtsmarkt zu verschönern.
„Eine Besonderheit“
„In diesem Jahr ist der Wald-Michelbacher Baum auf dem Luisenplatz eine Besonderheit.“ Er wurde schon einmal zurückgeschnitten und hatte daraufhin mehrere Abtriebe gebildet. „Die verschiedenen Triebe geben der Tanne nicht nur einen ganz eigenen Charakter, sondern eben auch eine mehrfache Spitze.“