Wald-Michelbach

Wie viel Miete man bei der Baugenossenschaft Überwald bezahlt

Die Baugenossenschaft Überwald ist für die Schaffung von sozialem Wohnraum zuständig. Wie der aktuelle Stand dabei ist, steht im Geschäftsbericht. Und noch vieles mehr.

Das Großprojekt: Die Sanierung eines Hauses am Königsbuckel. Der Innenausbau ist bereits fertig, nun ist die Außenanlage dran. Foto: Fritz Kopetzky
Das Großprojekt: Die Sanierung eines Hauses am Königsbuckel. Der Innenausbau ist bereits fertig, nun ist die Außenanlage dran.

In Zeiten der Mietpreisexplosion, steigender Energiekosten und Inflation ist bezahlbarer Wohnraum wichtiger denn je. In Wald-Michelbach liegt die Aufgabe, sozialen Wohnraum zu schaffen, bei der Baugenossenschaft Überwald eG (BG): „Zweck der Genossenschaft ist vorrangig eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung der Mitglieder der Genossenschaft“, heißt es schließlich auf der Website der Gemeinde. Aber wie steht die Baugenossenschaft da? Ein aktueller Blick in den Geschäftsbericht.

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Wie viele Häuser verwaltet die Baugenossenschaft?

Wie aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2023 hervorgeht, verfügt die Baugenossenschaft Überwald über 18 Häuser: 14 davon in der Kerngemeinde, zwei in Aschbach und jeweils eines in Affolterbach und Siedelsbrunn. Insgesamt ergibt das 88 Wohneinheiten. 2023 standen bis zu sieben Wohnungen leer, vier davon durch Sanierungsarbeiten. Im Verlauf des Jahres gab es insgesamt drei Mieterwechsel. Zum Jahresende war es nur noch eine sanierungsbedingt nicht vermietete Wohnung.

Wie viele Mitglieder hat die BG und wie sieht die Dividende aus?

Anfang 2023 zählte die Baugenossenschaft 157 Mitglieder. Es gab 19 Zu- und sieben Abgänge. Das ergibt unterm Strich 169 Mitglieder zum 31. Dezember 2023. Beschlossen wurde eine Dividende von jeweils vier Prozent an steuerpflichtige Mitglieder sowie an die steuerbefreiten Anteilseigner. Das entspricht insgesamt etwa 6100 beziehungsweise 10 500 Euro.

Wie steht die Baugenossenschaft finanziell da?

Die BG erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von rund 16 600 Euro. Investitionen konnten aus eigenen Mitteln finanziert, Tilgungen konnten bezahlt und es mussten keine neuen Darlehen aufgenommen werden. Der prognostizierte Verlust durch die Instandhaltungskosten blieb durch die Abschreibung der Investitionen aus. Im laufenden Jahr rechnet die BG allerdings mit Verlust, da die geplanten Maßnahmen, besonders in Hinblick auf die Sanierung der Außenanlage des Objekts am Königsbuckel, „den üblichen Rahmen übersteigt.“

Wie viel bezahlt man pro Quadratmeter?

Das kommt auf das Objekt an, erklärt BG-Geschäftsführerin Nicole Morton-Finger. Im Schnitt zahlen Mieter bei der BG zwischen vier und fünf Euro pro Quadratmeter kalt; im frisch sanierten Haus am Königsbuckel seien es eher acht bis neun Euro. Einen offiziellen Mietspiegel der Gemeinde gibt es nicht. Laut Morton-Finger seien die Mieten in Wald-Michelbach in den vergangenen Jahren explodiert: Inzwischen würden manche Wohnungen laut ihrer Schätzung mit um die zwölf Euro pro Quadratmeter bepreist. Menschen, die auf das Bürgergeld angewiesen seien, könnten sich eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt nicht leisten.

Sollen neue Häuser gebaut oder gekauft werden?

Weder ein Neubau noch ein Neukauf sind geplant. „Wir würden uns gern vergrößern, haben aber als kleine Genossenschaft nicht die Mittel“, sagt Morton-Finger. Die BG priorisiere gerade die energetische Sanierung der bereits vorhandenen Häuser, um die Nebenkosten für die Mieter senken zu können.

Wie viel Geld gibt die BG für Sanierungen aus?

Für die Instandhaltung und Modernisierung hat die Baugenossenschaft im Jahr 2023 186 000 Euro aufgewendet – das entspreche etwa 36 Euro pro Quadratmeter. Ursprünglich wurde mit 350 000 Euro geplant. Hinzukommen die Kosten für die Sanierung des Hauses am Königsbuckel. Da diese Arbeiten aber zu einer wesentlichen Verbesserung des Gebäudes führten, werden diese Kosten als Investition abgeschrieben und zählen nicht zu den Instandhaltungskosten. Für das laufende Jahr sind Sanierungsausgaben in Höhe von 350 000 Euro geplant. Deswegen sei zum Jahresabschluss mit einem Verlust zurechnen, da dieser Betrag den üblichen Rahmen übersteige.

Welche großen Projekte gab es 2023 und was ist geplant?

Das große Projekt des vergangenen Jahres war die Sanierung eines Objekts am Königsbuckel. Lange stand das Haus leer. Die BG investierte rund 330 700 Euro in die Kernsanierung. Das Gebäude wurde komplett entkernt, einige Wände versetzt und barrierefreie Bäder eingebaut. Die BG hat sich noch einmal für eine Ölheizung entschieden, jedoch sei alles bereit, sollte man künftig auf eine Luft-Wärmepumpe wechseln wollen. Alle vier Wohnungen sind inzwischen vermietet. In diesem Jahr geht es allerdings draußen weiter: Der Außenbereich mit Parkplätzen soll neu angelegt und im Zuge dessen die Drainage des Hauses erneuert werden.

Wie sieht die Zukunft der Baugenossenschaft auf?

„Für die Zukunft sehen wir eine positive Entwicklung unserer Genossenschaft nicht gefährdet“, heißt es im Abschlussbericht. Da zurzeit fast alle Wohnungen belegt sind, geht die Baugenossenschaft davon aus, dass der Wohnungsbestand auch langfristig vermietbar sein wird und die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnraum bestehen bleiben wird. Das zeige aber auch, „dass es am Wohnungsmarkt durchaus Notwendigkeiten gibt“, schreibt der Aufsichtsrat.