Myteriöse DNA-Spur

 "XY Ungelöst“ bringt Bewegung in Lampertheimer Mordfall

Nach der Ausstrahlung in der Livesendung hofft die Kripo auf neue Hinweise in dem Verbrechen an einer Lehrerin.

Mit Plakaten in deutscher und rumänischer Sprache, hier am Start des Trimm-dich-Pfades im Lampertheimer Stadtwald, bittet die Polizei um Hinweise. Foto: Berno Nix
Mit Plakaten in deutscher und rumänischer Sprache, hier am Start des Trimm-dich-Pfades im Lampertheimer Stadtwald, bittet die Polizei um Hinweise.

Von Susanne Wassmuth-Gumbel

Lampertheim. Über 40 Hinweise zu dem Mord an einer Joggerin vor zwei Jahren im Lampertheimer Wald sind nach der Ausstrahlung der Livesendung „Aktenzeichen XY Ungelöst“ am Mittwochabend im ZDF bei den Ermittlern der Kriminalpolizei Heppenheim eingegangen. Dies teilt die zuständige Staatsanwaltschaft in Heppenheim mit. Die Hinweise würden nun ausgewertet.

Mit neuen Ermittlungserkenntnissen in dem Mordfall, bei dem eine 36-jährige Lehrerin aus Lampertheim am Vormittag des 16. September 2024 im Lampertheimer Wald getötet worden war, hatte sich die Kriminalpolizei Heppenheim am Mittwochabend in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY Ungelöst“ an die Öffentlichkeit gewandt. Moderator Rudi Cerne sprach in seiner Anmoderation des Falls von einem „vielversprechenden Ermittlungsansatz“, der der Kripo neue Hoffnung gebe, die Tat doch noch aufklären zu können.

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Wie Polizeihauptkommissarin Cindy Graf im Studio München schilderte, haben DNA-Untersuchungen inzwischen neue Ergebnisse geliefert. Demnach wurde festgestellt, dass das Genmaterial, das am Opfer gefunden wurde und vom Täter stammen könnte, auf ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis mit einem Zeugen hinweist. Der hatte im Rahmen der Ermittlungen, bei denen mehr als 1.300 Männer eine Speichelprobe abgegeben hatten, seine DNA zur Verfügung gestellt.

Dieser Zeuge ist rumänischer Staatsbürger und war zur Tatzeit als Saisonarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Lampertheim beschäftigt. Er könnte ein Cousin oder Onkel zweiten, dritten oder vierten Grades des Täters sein – auch ohne es zu wissen. Deshalb könnte es sein, dass der Täter auch aus Rumänien oder Osteuropa stammt. Es sei nicht auszuschließen, dass er ebenfalls als Saisonkraft in Lampertheim tätig war.

Genauere Täterbeschreibung

Die Kripo geht davon aus, dass er sich für eine gewisse Zeit im Umfeld des Tatorts aufgehalten hat. Die Phänotypisierung der Täter-DNA habe ergeben, dass er braunes Haar, dunkle Augen und einen hellen Hauttyp hat. In der Fernsehsendung hat die Ermittlerin gezielt landwirtschaftliche Unternehmen in Lampertheim und Bürstadt um Hilfe gebeten. Die Polizei will wissen, ob sich jemand daran erinnert, dass es nach dem 16. September 2024 zu einer ungeplanten Abreise eines Arbeiters gekommen war. Ob Saisonarbeiter verschwunden und nicht wiedergekommen waren. Ob Arbeiter sich damals auffällig verhalten haben.

Zusätzlich sucht die Polizei nach einer 30 bis 50 Jahre alten Person, die Zeugen am Tattag im Wald aufgefallen war. Sie soll auf Baumstämmen gesessen haben, den Kopf in die Hände gestützt. So war es in dem Einspieler zu sehen, in dem das Geschehen rund um den Tattag rekonstruiert und nachgespielt wurde. Diese Person war von normaler Statur und hatte laut Polizei einen hellen Hauttyp. Sie trug ein weites, schwarzes Oberteil, blaue Jeans und schwarze Schuhe. Das könnte der Täter gewesen sein. Wenn nicht, wäre diese Person als Zeuge wichtig.

Die 36 Jahre alte, zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in Lampertheim lebte, war am Morgen des 16. Septembers zum Joggen in den Stadtwald gefahren. Ihr Auto hatte sie auf dem Parkplatz Lorscher Weg abgestellt. Ihre Leiche wurde 1,2 Kilometer entfernt nahe Neuschloß beim Freizeitgelände Heidetränke von Spaziergängern gefunden. Der Täter hatte die Frau mit mehreren Messerstichen getötet. Ihr Handy wurde zwei Tage später zwei Kilometer entfernt vom Tatort bei Bürstadt entdeckt. Zuvor hatte die Polizei mit einem Großaufgebot nach der Tatwaffe und Spuren gesucht.

Das Motiv bleibt unklar

Das Motiv für die Tat ist weiterhin unklar. Eine Beziehungstat hatten die Ermittler schnell ausgeschlossen. Auch für ein Sexualdelikt gebe es keine Anzeichen, hieß es in dem Einspieler in der TV-Sendung. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro ausgelobt. Wie in der Sendung zu erfahren war, hat eine private Initiative zusätzlich 15.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Mordkommission „1609“ hofft nach der erneuten Ausstrahlung des Falls in der TV-Sendung auf neue Hinweise. Sie können unter 06206/706-0 oder per E-Mail an moko.1609.ppsh@

polizei.hessen.de gegeben werden. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung von 20.000 Euro ausgesetzt.