Weinheim/Bergstraße

Alle 500 Meter ein anderes Tempolimit auf der B3

Testfahrt (inklusive Video) auf der B 3 zwischen Laudenbach- und Dossenheim-Nord liefert interessante Zahlen. Der ADAC sieht Häufung von 30er-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen kritisch.

Sieben Tempo-30-Zonen gibt es mittlerweile auf der B 3 zwischen Laudenbach- und Dossenheim-Nord. Unser Archivbild zeigt die B3 in Leutershausen. Foto: Marco Schilling
Sieben Tempo-30-Zonen gibt es mittlerweile auf der B 3 zwischen Laudenbach- und Dossenheim-Nord. Unser Archivbild zeigt die B3 in Leutershausen.

In den vergangenen Jahren sind in Weinheim und Umgebung aus Lärmschutzgründen zahlreiche Tempo-30-Zonen eingerichtet worden, auch auf der B 3. Viele Autofahrer beklagen sich seither über längere Fahrzeiten, sie vermissen eine „grüne Welle“ an den Ampeln, und sie bezweifeln, dass Tempo 30 tatsächlich Lärm und Spritverbrauch reduzieren kann.

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Die B3 im Test

Die Redaktion hat deshalb kürzlich an einem ganz normalen Werktag einen Selbstversuch auf der B 3 unternommen. Wir wollten unter anderem wissen, wie viele Tempo-30-Zonen, Ampeln und wechselnde Tempolimits es auf dem 19 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr Laudenbach Nord und dem Kreisel am Ortseingang von Dossenheim wirklich gibt. Die Testbedingungen waren für Autofahrer ideal: kein Berufsverkehr, keine Staus, keine nennenswerten Baustellen. Im Berufsverkehr wäre die Fahrzeit zweifellos wesentlich länger gewesen.

Die Auswertung der Testfahrt, die man sich übrigens als Zeitraffervideo hier anschauen kann, liefert interessante Fakten, zu denen auch der ADAC und die Verkehrsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises um Stellungnahmen gebeten wurden.

Wie hoch ist der Anteil der Tempo-30-Zonen auf diesem 19 Kilometer langen Streckenabschnitt der B 3?

„Gefühlt 50 Prozent“, würde wahrscheinlich mancher sagen. Tatsächlich gilt „nur“ auf knapp 25 Prozent der Strecke (4,7 Kilometer) mittlerweile Tempo 30.

Der Rhein-Neckar-Kreis verweist darauf, dass für die Lärmaktionsplanung zunächst einmal die Kommunen zuständig sind. Soweit die Zuständigkeit der unteren Straßenverkehrsbehörde des Kreises tangiert ist, sei eine mögliche Fahrzeitverlängerung Gegenstand der Prüfung. Dabei hätten sich jedoch „keine ins Gewicht fallenden Fahrzeitverlängerungen“ ergeben. „Die Gründe sind im hohen Verkehrsaufkommen, den vielen zu- und abfließenden Straßen, den Autobahnzubringerverkehren, den Bahnübergängen und vielen Fußgängerquerungen zu sehen“, schreibt die Pressestelle des Kreises.

Beim ADAC sieht man die Häufung von Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen dagegen kritisch. Pressesprecherin Alexa Sinz erklärt: „Das macht die eigentliche Funktion einer Hauptstraße, nämlich den Verkehr zu bündeln, zunichte. Unerwünschte Ausweichverkehre durch Wohngebiete werden dadurch zeitlich attraktiver. Dort fehlen aber gesicherte Fußgängerüberwege oder Radwege. Negativ wirkt sich in solchen Bereichen auch aus, dass vorgeschlagene Routen von Navigationsgeräten den schnellsten und kürzesten Weg suchen und damit oftmals nicht mehr entlang der Hauptstraßen führen. Somit kann sich im schlechtesten Fall durch den zusätzlichen Verkehr die Verkehrssicherheit verschlechtern und der Lärmpegel in den Wohngebieten erhöhen.“

Leisten Tempo-30-Zonen zumindest einen Beitrag zur Lärmreduzierung entlang der Strecke?

Die Gutachter, die im Auftrag der Kommunen die Lärmaktionsplanung erstellen, bejahen diese Frage. Der ADAC ist da skeptisch: Im innerstädtischen Verkehr würden der von Fahrzeugen erzeugte Lärm und deren Spritverbrauch sehr stark von der Motordrehzahl und damit vom gewählten Gang bestimmt und nur unwesentlich von der gefahrenen Geschwindigkeit. Tempo 30 bringe daher oft keine bedeutende Verringerung des Verkehrslärms, da entsprechende Drehzahlen auch in niedrigen Gängen erreicht würden. Auch beim Reifengeräusch bringe Tempo 30 keine spürbare Lärmreduktion. Wirkungsvollere Maßnahmen wären nach Einschätzung des ADAC unter anderem bessere Fahrbahnbeläge und eine intelligente Steuerung der Verkehrsströme.

Wie viele Ampeln gibt es auf diesem Streckenabschnitt?

Es sind insgesamt 44 Ampeln, die auf diesem Streckenabschnitt den Verkehr regeln, also im Schnitt 2,3 Ampeln pro Kilometer. Hinzu kommen vier Kreisverkehre.

Wie hoch war der Anteil der roten Ampeln auf der Testfahrt?

Wie erwähnt: Es waren eigentlich ideale Bedingungen, unter denen die Testfahrt – natürlich unter Einhaltung des jeweils geltenden Tempolimits – durchgeführt wurde. Dennoch waren 15 Ampeln rot. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent.

„Das ist eigentlich ein relativ guter Wert“, findet ADAC-Sprecherin Sinz. Allerdings reiche eine Testfahrt natürlich nicht aus, die Verkehrsverhältnisse objektiv zu bewerten. Abgesehen davon sei die Planung einer Grünen Welle kompliziert: „Damit eine Grüne Welle in beide Fahrtrichtungen funktioniert, müssten die Kreuzungen immer in einem bestimmten Abstand zueinander liegen. Dieser Abstand hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. In der Realität kommt das jedoch nie vor.“

Das bestätigt im Prinzip auch der Kreis: „Bei der Planung von Koordinierungen müssen die Belange der Kraftfahrzeuge, der ÖPNV-Fahrzeuge, der Fußgänger und der Radfahrer, unter Umständen auch die von Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, der Polizei und der Rettungsdienste beachtet werden. Die angemessene Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmergruppen bedeutet, dass zeitlich und örtlich differenzierte Kompromisslösungen gefunden werden müssen, damit keine Gruppe unzumutbar benachteiligt wird.“

Dabei sind sich alle Experten einig, dass eine funktionierende Grüne Welle Lärm, Abgase und Kraftstoffverbrauch reduzieren kann, weil weniger Brems- und Anfahrvorgänge nötig sind.

Wie oft wechselt auf der Strecke das Tempolimit?

Autofahrer müssen ganz schön aufpassen, wenn sie sich immer an die Tempolimits halten möchten: Insgesamt 38-mal wechselt zwischen Laudenbach und Dossenheim die Geschwindigkeitsbegrenzung; im Schnitt also alle 500 Meter. Sieben Tempo-30-Zonen gibt es, 13-mal sind 50 km/h erlaubt, zwölfmal 70 km/h und sechsmal 100 km/h.

Wie hoch war die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Test?

Unter den idealen Testbedingungen lag das Durchschnittstempo auf der B 3 bei 37 km/h. Deutlich schneller ist man übrigens unterwegs, wenn man zwischen Weinheim- und Laudenbach-Nord die Kreisverbindungsstraße (K 4229) nimmt. Während die Testfahrt auf der B 3 dort zehn Minuten dauerte, waren es auf der K 4229 nur knapp sieben.