Hirschberg

Auf dem Weg zum klimaneutralen Gewerbegebiet in Hirschberg

Der Technische Ausschuss in Hirschberg lobt den Vorentwurf für den Bebauungsplan zur Erweiterungsfläche im Süden. Am 25. Juli entscheidet der Gemeinderat.

So soll die Erweiterungsfläche im Hirschberger Gewerbegebiet einmal aussehen. Der Vorentwurf passierte jetzt einstimmig den Ausschuss für Technik und Umwelt. Das städtebauliche Konzept sieht die Erschließung über eine Straße parallel zur Autobahn hin vor. Das Kernstück der Fläche bildet die Quartiersmitte mit Nahversorger, Hotel oder Garagen. Baumalleen sowie ausreichend Grün sind ebenfalls vorgesehen. Die Flächengrößen für die neuen Unternehmen liegen zwischen 1500 und 15 000 Quadratmetern. Am 25. Juli entscheidet der Gemeinderat. Foto: Sternemann und Glup, Freie Architekten aus Sinsheim
So soll die Erweiterungsfläche im Hirschberger Gewerbegebiet einmal aussehen. Der Vorentwurf passierte jetzt einstimmig den Ausschuss für Technik und Umwelt. Das städtebauliche Konzept sieht die Erschließung über eine Straße parallel zur Autobahn hin vor. Das Kernstück der Fläche bildet die Quartiersmitte mit Nahversorger, Hotel oder Garagen. Baumalleen sowie ausreichend Grün sind ebenfalls vorgesehen. Die Flächengrößen für die neuen Unternehmen liegen zwischen 1500 und 15 000 Quadratmetern. Am 25. Juli entscheidet der Gemeinderat.

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Der nächste Schritt für eine innovative und klimaneutrale Gewerbegebietserweiterung um zehn Hektar ist getan. Der Ausschuss für Technik und Umwelt billigte am Dienstag einstimmig den von Architekt Dietmar Glup (Büro Sternemann und Glup in Sinsheim) und von Diplom-Ingenieur Torsten Hesch (H+S Projektentwicklung GmbH aus Frankfurt) vorgestellten Entwurf für die südliche Erweiterungsfläche. Der Vorentwurf geht in der Zeit vom 7. August bis 15. September in die Offenlage. Dabei werden Fachbehörden ihre Stellungnahmen abgeben; auch Bürger und Betriebe können sich zu Wort melden.

Die Quartiersmitte

Der Entwurf fußt auf dem städtebaulichen Konzept, welches am 15. Juni in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert wurde (wir berichteten). Kurz erläuterte Architekt Glup nochmals die Grundideen. Zentrale Punkte sind die Erschließungsstraße parallel zur Autobahn, eine Quartiersmitte mit Aufenthaltsqualität wie Bäckerei, kleines Hotel oder Quartiersgarage für die Mitarbeiter. Da der Schwerpunkt auf einem Gewerbe- und nicht auf einem Industriegebiet liegt, werden Büros und Dienstleister bevorzugt. Logistiker, Lager- oder Abstellplätze sowie Vergnügungsstätten werden ausgeschlossen. Umfangreich ist der Landschafts- und Umweltschutz, der auf den Ideen des Büros Bioplan aus Heidelberg beruht. So sind für das Regenwasser Versickerungsmulden im Süden und Osten vorgesehen. Die Dächer sollen begrünt und mit Photovoltaik (PV) ausgestattet werden. Außerdem ist eine Baumallee im Erschließungsgebiet geplant. Um die durch den Eingriff verlorenen eine Million Ökopunkte auszugleichen, sind Maßnahmen wie das Anlegen von Streuobst- oder Fettwiesen vorgesehen. „Wir können dadurch zu 100 Prozent ausgleichen“, betonte Glup. Das Energieversorgungskonzept sieht den Aufbau eines kalten Wärmenetzes, gespeist mit Grundwasser als Quellwärme und gebäudeindividuellen Wärmepumpen, vor. „Die Stromversorgung fürs Wärmenetz wird durch die PV-Anlagen auf den Dächern ermöglicht. Damit wird das Plangebiet klimaneutral und krisenfest gegenüber Weltereignissen“, ergänzte Glup.

Verkehrskonzept

Auch eine Bushaltestelle in der Badener Straße ist geplant. Probleme könnte es beim Mobilitätskonzept des Rhein-Neckar-Kreises geben. Dieses sieht die 80 Meter lange Stichstraße zum Erweiterungsgebiet (Verlängerung Im Rott) als Weg für Radfahrer und Fußgänger vor. Doch der Eigentümer, der Mannheimer Projektentwickler Hensel, sperrt sich (wir berichteten). Zum Verkehrskonzept gehört auch eine vier Meter breite Rettungszufahrt in Richtung K 4135 / Verlängerung Heddesheimer Straße.

Diese Ackerfläche im Süden des Hirschberger Gewerbegebietes soll weichen. Hier entstehen neue Gebäude für Büros und andere Dienstleister. Foto: Marco Schilling
Diese Ackerfläche im Süden des Hirschberger Gewerbegebietes soll weichen. Hier entstehen neue Gebäude für Büros und andere Dienstleister.

Kein 08/15-Gewerbegebiet

FDP-Fraktionssprecher Oliver Reisig war, wie die anderen Redner nach ihm auch, voll des Lobes. „Da wurde viel Gehirnschmalz in den ersten Entwurf eingebracht. Das ist kein 08/15-Gewerbegebiet.“ CDU-Gemeinderat Thomas Götz gefiel der Entwurf ebenfalls: Dass dies alles so lange gedauert habe, hatte für ihn einen Grund: „Es galt das Motto ,Qualität vor Geschwindigkeit‘. Wir bekommen so einen individuellen Plan und keinen Plan von der Stange“, sagte Götz und lobte die innovative Lösung bei der Energieversorgung sowie bei der Regenwasserversickerung. Auch das ÖPNV-Konzept sowie das Konzept zum Klimaschutz fand er gut. Lob gab es zudem von Werner Volk, Fraktionssprecher der Freien Wähler. „Da entsteht etwas Tolles. Wir haben hart gerungen, aber es hat sich rentiert.“ Das beratende Mitglied der SPD, Evi Pfefferle, lobte ebenso den Entwurf. Zugleich sorgte sie sich um die Umsetzung: „Wer kümmert sich um die Baumpflanzungen und wer kontrolliert dies?“ Bürgermeister Ralf Gänshirt sah die Gemeinde in der Pflicht: „Im Altbestand haben wir Defizite. Da wird nachjustiert. Im neuen Plangebiet müssen wir ein Auge darauf haben, dass die Pflanzungen umgesetzt werden.“

Scharfe Kritik an Hensel

Zustimmung für den Vorentwurf kam auch von der GLH-Fraktionssprecherin Monika Maul-Vogt. Dies sei eine erste Etappe. Aber es sei noch nichts in Stein gemeißelt. Maul-Vogt lobte das bisherige Prozedere sowie das konstruktive Arbeitsklima. Da für die GLH die Flächenversiegelung immer ein Thema ist, sei es umso bedauerlicher, dass für die Erschließung eine „flächenfressende Trasse“ gewählt werden müsse – was angesichts der Sachlage jedoch unumgänglich sei. „Umso unverständlicher, wenn die Verursacher die Trassenführung als Irrsinn bezeichnen, aber auf ihrer Haltung beharren. Das ist legitim, aber nicht souverän. Die Gesetze des Marktes gilt es eben für jeden zu akzeptieren, man hatte sich das Schlüsselgrundstück ja sicher auch nicht aus Nächstenliebe gesichert. Bei allem Verständnis für die Enttäuschung und Verärgerung über entgangene wirtschaftliche Möglichkeiten – hier wird die Karte privatwirtschaftlicher Befindlichkeiten gespielt. Und zwar zu Lasten der Umwelt- und Naturschutzbelange“, ärgerte sie sich.

Positiv wertete Maul-Vogt die vorgesehene Anbindung an den ÖPNV und das Radwegenetz sowie das beabsichtigte Energiekonzept: „Hierbei wird Klimaneutralität und der Aufbau eines kalten Wärmenetzes angestrebt. Das ist vorbildlich und zukunftsweisend und sollte auch insgesamt beispielhaft für die Gemeinde sein.“ Ihre Kollegen pflichteten ihr in Sachen Projektentwickler Hensel bei. Laut FW-Sprecher Volk sei Hensel ein „kleiner trotziger Mensch, der den Hals nicht voll genug bekomme“. Auch SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz fand Hensels Verhalten unmöglich. Scholz, der die Planungen zum Klimaschutz, zur Energieversorgung und zum ÖPNV für gut erachtete, wolle jetzt abwarten, was die Beteiligung der Öffentlichkeit bringe. „Wichtig ist es, dass im neuen Plangebiet alles so umgesetzt wird, wie wir es haben wollen.“

Debatte über Tiefgarage

Eine kurze Debatte gab es am Ende doch noch. Denn GLH-Gemeinderat Karlheinz Treiber machte sich stark für eine Tiefgarage statt einer Quartiersgarage. FW-Sprecher Volk schüttelte nur den Kopf: „In Tiefgaragen will doch keiner rein. Lasst uns doch jetzt erst mal abwarten.“ Abwarten heißt es bei einem weiteren Punkt, den das beratende Mitglied der GLH, Dr. Claudia Schmiedeberg, angesprochen hatte. Es ging um das Radkonzept und den Radweg. Laut dem Ingenieur Hesch, dessen Firma auch den Auftrag als Erschließungsträgerin erhalten soll, gäbe es die Idee, die Straße Im Rott zur Einbahnstraße zu erklären. An den Seiten sollen etwa 1,25 bis 1,50 Meter breite Radfahrstreifen entstehen. Dies gelte es noch abzuklären. Nach der Zustimmung des Ausschusses wird sich nun der Gemeinderat am 25. Juli mit dem Planentwurf befassen.