Brot aus Weinheim als beste Zutat für die Freundschaft
Die Liebe zum Backen brachte Vital Kwizera aus Burundi und Werner Wolf von der Weinheimer Kolpingsfamilie zusammen – und führt sogar zu einer ganz besonderen Partnerschaft.
Kartoffeln und Brot für Burundi? Zugegeben, das hört sich seltsam an. Aber genau das konnte die Weinheimer Kolpingsfamilie mit einem ganz besonderen Projekt verwirklichen. Alles begann mit einer Reihe von glücklichen Zufällen. Eine junge Weinheimerin arbeitete im Rahmen eines Auslandspraktikums in Burundi. Dort lernte sie Vital Kwizera kennen, der ein klares Ziel hatte: etwas für seine Heimat zu bewegen.
Er wollte auf der ganzen Welt Ideen und Erfahrungen sammeln, um sich anschließend in seiner Heimat so einzubringen, dass die Menschen in Burundi davon profitieren können. Eine seiner ersten Reisen führte Vital Kwizera infolge der Begegnung mit der Weinheimerin nach Deutschland, um das Backen zu lernen. Ein Handwerk, das in Burundi nur in ganz wenigen Regionen verbreitet ist.
Und wo hätte er besser Einblick in das Handwerk des Brotbackens gewinnen können als in Weinheim, dem Sitz der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks? Hier belegte Vital Kwizera einen Lehrgang – und begegnete Werner Wolf. Der gelernte Bäcker- und Konditormeister war damals Ausbilder der Handwerkskammer. Dass Wolf sich gleichzeitig für die Kolpingsfamilien engagiert, war die zweite glückliche Fügung.
Eine Kuh zur Gründung
Vital lernte in Deutschland backen. „Wir verbrachten viel Zeit miteinander, und es entstand eine Freundschaft, die schon bald auch in der Kolpingsfamilie Weinheim ihre Kreise zog“, erinnert sich Wolf an das Jahr 2019. Nach einiger Zeit des Kontaktes zur Kolpingsfamilie in Weinheim war Vital Kwizera vom Kolpinggedanken so begeistert, dass er beschloss, in seiner Heimatgemeinde Gisorwe auch eine Kolpingsfamilie zu gründen. Gesagt, getan. So wurde die Kolpingsfamilie Weinheim zur Patin der Kolpingsfamilie Gisorwe. Zur Gründung wurde von den Weinheimern sogar Geld für eine Kuh gespendet, die mittlerweile schon zweimal Nachwuchs hatte.
Bei Vital Kwizeras Besuchen in der Heimat blieb es nicht nur beim Brotbacken, sondern es folgten weitere Projekte wie Gemüseanbau, Kräuteranbau, Strickschulen und Landwirtschaftsschulen – unterstützt mit Spendengeldern aus Deutschland.
Immer auf dem Laufenden
In Weinheim ist man immer auf dem Laufenden – durch Bilder und Infos. Wolf: „Es ist für die Mitglieder der Kolpingsfamilie Weinheim schön, mitanzusehen, wie sich alles entwickelt.“ Da Vital Kwizera nach seiner Ausbildung auch noch ein Studium in Entomologie (Insektenkunde) in der Türkei absolvierte – mittlerweile hat er sogar einen Doktortitel –, kam er in regelmäßigen Abständen nach Europa, oft auch nach Deutschland. Immer wieder gab es dabei Begegnungen innerhalb der Kolpingsfamilie. Er nahm an vielen Veranstaltungen teil und hielt selbst auch einen Vortrag über seine Arbeit und seine Heimat bei der Weinheimer Kolpingsfamilie.
Irgendwann erhielten die Weinheimer auch Fotos von Kindern, die sich auf neu angelegten Feldern im Gemüseanbau versuchten. Da entstand die Idee seitens der Untergruppierung der Kolpingsfamilie Weinheim, die sich „Junge Familien“ nennt, etwas Ähnliches hier in Deutschland zu machen.
Da die Kolpingsfamilie vor vielen Jahren eine alte Feldscheuer hergerichtet hat und diese als Begegnungs- und Eventlocation betreibt, wurde kurzerhand ein Stück Parkplatz umgegraben, um dort Kartoffeln anzubauen. Ähnlich wie in Gisorwe waren hier viele Familien im Einsatz – angefangen von ganz kleinen Kindern bis hin zu den Eltern.
Saatkartoffeln tragen Früchte
Als 100 Tage später die Ernte anstand, wunderten sich alle über die großen Kartoffeln. Diese wurden bei einem Kartoffelfest sofort in Kartoffelpuffer verwandelt und an die Mitglieder der Kolpingsfamilie Weinheim verkauft. 500 Euro kamen zusammen.
Der Betrag wurde Vital Kwizera auf dem Frankfurter Flughafen im Beisein des Vorsitzenden des burundianischen Kolpingwerks, Dismas Ntahomvukiye, von Vertretern der Kolpingsfamilie Weinheim übergeben. Mit dem Geld konnten in Burundi Saatkartoffeln gekauft werden, die jetzt Früchte tragen.
„Hilfe zur Selbsthilfe“
Aus Sicht der Kolpingsfamilie Weinheim hätte es nicht besser laufen können: Der Grundgedanke von Adolph Kolping wird in die Welt getragen und eine neue Kolpingsfamilie in einem armen Land wurde gegründet. Ganz im Sinne des Kolpinggedankens „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Nachbarregionen in Burundi streben mit Vital Kwizeras Hilfe mittlerweile sogar ähnliche Entwicklungen an“, freut sich Wolf.