Weinheim

Wie Mardjan Muglin das Rathaus zu einer Marke machen will 

Wertschätzung, Positivität, stolz sein auf Erfolge: Personalchefin Mardjan Muglin erklärt im Gespräch mit der Redaktion, wie sie den Herausforderungen am Arbeitsmarkt begegnen will.

Die Abtsteinacherin Mardjan Muglin ist Personalchefin im Rathaus Weinheim. Foto: Thomas Rittelmann
Die Abtsteinacherin Mardjan Muglin ist Personalchefin im Rathaus Weinheim.

Mardjan Muglin denkt schnell. Das merkt man an dem, was die 41-Jährige sagt. Spricht man die städtische Personalchefin auf brennende Themen auf dem Arbeitsmarkt an, feuert sie eine ganze Salve an Strategien, Konzepten und unternehmensphilosophischen Vorgehensweisen ab. Time Lag, Job Rotation, Succession Planning: Oft fallen im Gespräch mit ihr Anglizismen. Das liegt nicht nur daran, dass sie Teile ihrer Kindheit in den Staaten verbrachte. Business English ist längst zur Lingua franca der Arbeitswelt geworden. Und wenn Muglin die Begriffe verwendet, handelt es sich nicht um leere Worthülsen. Die Odenwälderin ist Überzeugungstäterin – auch das wird im Gespräch mit ihr schnell klar.

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Viele Langzeiterkrankte im Rathaus

Eine solche braucht es mehr denn je. Neben den allgemeinen Herausforderungen am Arbeitsmarkt gibt es im Weinheimer Rathaus auch spezifische Probleme, die angepackt werden müssen. Da ist zum Beispiel der auffällig hohe Langzeitkrankenstand. Zwar zeigt eine städtische Statistik, dass die Ausfallzeiten 2023 im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, was auch daran liegen dürfte, dass 2022 noch Corona grassierte. Doch bereitet das Problem mit den Langzeiterkrankten (mehr als sechs Wochen) Kopfzerbrechen. Rathausmitarbeiter waren 2023 durchschnittlich 25,1 Tage krank. Das obere Ende der Fahnenstange sind bis zu 100 Krankheitstage im Jahr. „Vorsichtig ausgedrückt war es ein Versäumnis der Vergangenheit, nicht früher proaktiv auf diese Menschen mit betrieblichen Wiedereingliederungsmaßnahmen zuzugehen“, meint Muglin. Was sind die Gründe für die Langzeiterkrankungen im Rathaus? Genau dieser Frage spürt nun eine Kraft aus dem Personalamt nach. Muglin ist sich sicher: „Keiner ist gerne krank zu Hause. Wenn man offen ins Gespräch mit den Mitarbeitern geht, finden sich kreative Lösungen.“

Lösungen müssen zu Jahresbeginn auf den Tisch

Lösungen müssen auch zu Jahresbeginn wieder auf den Tisch. Im Januar 2025 starten die Verhandlungen für die rund 2,5 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen. Die Forderung der Gewerkschafter: eine Gehaltserhöhung von acht Prozent, mindestens aber 350 Euro mehr Einkommen für Beschäftigte von Bund und Kommunen. „Acht Prozent halte ich nicht für realistisch – eher fünf“, so Mardjan Muglins Einschätzung. Gleichwohl: „Die häufigen Gehaltsveränderungen sind Kostensteigerungen, die den städtischen Haushalt belasten“, sagt sie mit Blick auf die erst kürzlich geführten Tarifverhandlungen etwa im Handwerker- und Beamtentum.

Arbeitsbelastung in den Verwaltungen

Die Gewerkschafter begründen ihre Forderungen mit der hohen Arbeitsbelastung in den Verwaltungen. Hier ist Weinheim keine Ausnahme: „Wir haben einen flächendeckenden Overload (Überlast; Anm. d. Red.). Es gibt nur wenige Bereiche, von denen ich sagen kann: Da höre ich aktuell nichts.“ Und dann ist da die düstere Zukunftsprognose des Wegbruchs von etlichen Arbeitskräften, die in absehbarer Zeit in Rente gehen. Der DBB (Beamtenbund und Tarifunion) spricht von einem Drittel der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst, das in den nächsten zehn Jahren wegfällt. Das Weinheimer Rathaus rechnet mit 228 Kräften, die bis 2033 in den Ruhestand gehen – also tatsächlich knapp einem Drittel.

In den Sozialen Medien aktiv

Doch auch hier feilt Muglin mit ihrem Team an Lösungswegen. Was die Mitarbeitergewinnung anbelangt, hat die Abtsteinacherin ein übergeordnetes Ziel: „Wir müssen als Rathaus eine Arbeitgebermarke entwickeln. Etwas, von dem die Menschen sagen: Ich will ein Teil davon sein.“ Klar müsse sich die Stadt gut vermarkten und die Werbetrommel rühren. Das Rathaus tut dies unter anderem, indem es seinen Auftritt in den Sozialen Medien deutlich ausgeweitet und professionalisiert hat. Immer häufiger berichteten Bewerber, dass sie über Instagram, TikTok und Co. auf die Stadt als Arbeitgeber aufmerksam geworden waren seien.

Buhlen und halten

Dennoch: Wenn die Erwartungen der Bewerber später enttäuscht werden, nütze die beste Werbung nichts. In der neuen Arbeitswelt wird nicht nur um qualifizierte Mitarbeiter gebuhlt, sie müssen nach der Einstellung auch gehalten werden. Und wo das Finden von Fachkräften besonders schwer ist, da sollte sie das Rathaus selbst auf den Markt bringen. „Wir müssen unsere Bedarfe aus dem Haus heraus decken“, ist die 41-Jährige überzeugt.

Künftig wird im Rathaus studiert

Eine der Säulen, die Muglin und ihre Kollegen im Personalamt deshalb hochziehen, ist die Nachwuchsförderung. Ein Baustein: Im Rathaus wird künftig studiert. Duale Studiengänge sollen etwa im Bereich Klimaschutz und im Tiefbau-Ingenieurwesen angeboten werden. Auch auf dem klassischen Weg sollen mehr Menschen ausgebildet werden, beispielsweise zur Veranstaltungskauffrau und zum Feuerwehrmann.

Und dann hat Muglin womöglich noch ein Ass im Ärmel. Der Anteil von Teilzeitkräften ist im Rathaus überdurchschnittlich hoch – nahezu jeder Zweite arbeitet nicht in Vollzeit (47 Prozent). Zu 91 Prozent handelt es sich dabei um Frauen. „Sie sind unsere stille Reserve“, so die Deutschiranerin. „Unser Ziel muss sein, deren Jobs so attraktiv zu gestalten, dass sie gerne mehr Arbeitsleistung erbringen.“

Wertschätzung, Positivität, stolz sein auf Erfolge

Viele der Stellschrauben, an denen es hierfür zu drehen gilt, sind kleine Dinge: Wertschätzung, Positivität, stolz sein auf Erfolge. Jeden Donnerstag treffe sich das Team, um die Woche zu reflektieren. Dabei gebe es stets genügend Kritikpunkte. Sie landen an einem Whiteboard. Mittlerweile gibt es da aber auch eine zweite große Tafel: Sie zeigt die Erfolge der Mitarbeiter. Derzeit steht sie noch in Muglins Büro.

Das ändert sich bald: Das Whiteboard wird an eine Stelle geschoben, wo es alle sehen können. „Man muss seine Erfolge feiern“, findet Muglin. Sollten ihre Vorhaben fruchten, wird es dazu künftig noch viele weitere Anlässe geben. Nicht nur in der Personalabteilung. Sondern im ganzen Weinheimer Rathaus