Weinheim

Das halten Weinheimer Arbeitgeber vom "Null-Bock-Tag"

Manchmal hat man keine Lust zu arbeiten. Für solche Momente gibt es den "Null-Bock-Tag". Wie stehen Unternehmen in der Region zu dem bezahlten, freien Tag?

Wer sich zu ausgelaugt fürs Arbeiten fühlt, kann in manchen Unternehmen einen "Null-Bock-Tag" nehmen. Foto: Adobe Stock
Wer sich zu ausgelaugt fürs Arbeiten fühlt, kann in manchen Unternehmen einen "Null-Bock-Tag" nehmen.

In Großbritannien ist er schon unter den „Reset-Days“ bekannt und in Deutschland kommt er langsam an: der „Null-Bock-Tag“. Einen Tag freinehmen, an dem man nicht arbeitet. Dieser zählt nicht als Urlaub, man selbst auch nicht als krankgeschrieben und er wird ganz normal bezahlt. Angestellte sollen diese Pause in Anspruch nehmen, wenn sie sich ausgelaugt, schlapp oder unmotiviert fühlen. Das Konzept ist eher informeller Natur und hat keine direkte arbeitsrechtliche Grundlage. Nichtsdestoweniger: Wie stehen Arbeitgeber in der Region zu diesem Konzept?

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trans-o-flex: gute Organisation anstatt freier Tag

Das Transportunternehmen „trans-o-flex“ in Weinheim übt Kritik an dem Konzept. „Mitarbeiter, die solche Tage für sich in Anspruch nehmen, handeln unzuverlässig“, erklärt der Geschäftsbereichsleiter Personal Dr. Lorenz Waibel. Als Zusteller von Paketen, die Arzneimittel und oft lebenswichtige Medikamente enthalten, leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag als täglicher Versorger der Apotheken und Krankenhäuser. „Je unzuverlässiger die Leistung angeboten wird, desto unzufriedener werden die Kunden sein“, erläutert Waibel. Er sieht es als selbstverständlich, dass jedes Unternehmen seine Personalplanung so einrichten muss, dass genügend Lieferpersonal da ist - gerade, wenn Mitarbeiter ausfallen oder krank sind.

Solche Tage als „Mental-Health-Tage“ zu bezeichnen, empfindet Waibel als „Schönfärberei“. Dem Arbeitgeber, den Kunden und dem Team gegenüber sei das egoistisch. „Wer sich für seine ,Mentale Gesundheit’ freinimmt, erfüllt seine Verpflichtung nicht, unterbricht Prozesse, wälzt seine Arbeit auf den Rest des Teams ab und kostet seinen Arbeitgeber Geld.“ Deswegen sollen sich Arbeitnehmer, denen es tatsächlich nicht gut geht, krankmelden. Eine Kombination aus guter Organisation, sinnvoller Arbeit und positiver persönlicher Einstellung sei aus der Sicht des Unternehmens die beste Strategie gegen eine zu hohe Arbeitsbelastung.

GRN-Klinik Weinheim: "In der Gesundheitsbranche ist das schwierig"

Die GRN-Klinik in Weinheim (Gesundheitszentrum Rhein-Neckar) erläutert, dass sie die Umsetzung des „Null-Bock-Tages“ schon in Erwägung gezogen haben. Doch nach langer Überlegung gibt es zu viele Gründe, wieso das nicht realisierbar sei.

Sandra Keßler erklärt, dass die geforderte Planbarkeit in der Gesundheitsbranche eines der Ausschlusskriterien ist. „Wir müssen verbindlich eine gewisse Anzahl an Pflegekräften im Dienst haben, um nicht Gefahr zu laufen, Strafzahlungen leisten zu müssen.“ So könnte es unangenehme Folgen haben, wenn jemand keinen Bock hat, zu kommen und zu Hause bleibt. Zudem müssen die Patienten und Bewohner sieben Tage die Woche versorgt werden.

Deswegen sei das Konzept zusammen mit dem Fachkräftemangel leider nicht umsetzbar, so die Pressesprecherin. Als Alternative bietet das Gesundheitszentrum Teilzeitmodelle, welche besser planbar und verlässlicher sind. Durch Seminare und Präventionskurse sollen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BMG) Maßnahmen zur Stressreduktion an die Mitarbeiter getragen werden.

FKP Zelte-Event: "Nicht möglich während der Saison"

Das Unternehmen „FKP Zelt-Event GmbH“ verleiht Zelte für die unterschiedlichsten Anlässe und sitzt in Abtsteinach. Als Firma in der Veranstaltungsbranche sind sie an den Saisonbetrieb, welcher von April bis Ende Oktober anhält, gebunden. „In dieser Zeit ist es schwierig, auf Personal zu verzichten“, erklärt einer der Geschäftsführer, Friedrich Krüger. Ein zusätzlicher bezahlter Tag im Monat, jedoch ohne geleistete Arbeit, wäre in der Veranstaltungsbranche ohne einen Ersatz nicht zu stämmen.

Gerade in kleinen Unternehmen sieht er eine Schwierigkeit mit dem „Null-Bock-Tag“. Hier ist die gesamte Arbeit auf weniger Personen verteilt, da sei eine Arbeitsreduzierung oftmals nicht zu bewältigen. Krüger erklärt, dass es in der Hauptsaison stressig werden kann. „Es ist alles genau getaktet und muss zu einem bestimmten Termin fertig sein.“ Doch sie versuchen, dem Personal auch währenddessen genug Freizeit zu ermöglichen und sie am Wochenende durch Aushilfen zu entlasten. Während der Saison sei auch eine „Vier-Tage-Woche“ nicht möglich, doch außerhalb der sieben Monate ist das ein eingeführtes Modell.

Rathaus Weinheim: Ein Nehmen und kein Geben

Das Rathaus Weinheim sieht für sich ebenfalls keinen Mehrwert in der Einführung des Konzeptes. Die Personalchefin Mardjan Muglin kann sich die Umsetzung des Tages nur schwer vorstellen. „Vielleicht bin ich da etwas altmodisch. Aber ein ,Null-Bock-Tag’ entspricht nicht meinem Wertesystem“, erklärt sie. Ein Arbeitsverhältnis ist ein Geben und Nehmen zwischen Arbeitgeber und -nehmer. „Bei diesem Konzept sehe ich das Geben des Arbeitnehmers nicht.“

Zudem gebe es auch Bereiche, in denen die Umsetzung gar nicht möglich sei. Hier nennt sie die Feuerwehr als konkretes Beispiel. Dass diese stets einsatzbereit ist, gehöre zur Daseinsvorsorge einer Kommune ihren Bürgern gegenüber. Davon abgesehen: „Wir sind schon auf einem guten Weg, die Bedürfnisse des Personals zu erfüllen“, so Muglin. Das Rathaus komme den Mitarbeitern etwa mit der Möglichkeit zum Arbeiten im Homeoffice und Teilzeitangeboten entgegen.