Der Aufzug am Weinheimer Windeckplatz fährt wieder
Seit gestern ist der Aufzug am Windeckplatz nach einjähriger Reparatur wieder in Betrieb. Der Komplettaustausch kostet rund 130 000 Euro.
Fast auf den Tag genau ein Jahr hat es gedauert – von der Türnotöffnung durch die Freiwillige Feuerwehr aufgrund einer steckengebliebenen älteren Dame bis zur erneuten Jungfernfahrt. Der Aufzug am Weinheimer Windeckplatz, der vor allem für ältere Menschen eine immense Erleichterung bedeutet und die barrierefreie Verbindung zwischen der Fußgängerzone und dem Schlossberg-Areal darstellt, strahlt seit dem gestrigen Montag in neuem Glanz. Etwa 130 000 Euro hat die Reparatur die Stadt insgesamt gekostet.
Andreas Buske, Erster Bürgermeister der Stadt Weinheim, war der Erste, der ihn gemeinsam mit Tiefbauamtsleiter Udo Wolf ausprobieren durfte. Die Erleichterung war den beiden sichtlich anzumerken, als der Aufzug die rund 6,10 Meter Differenz einmal nach unten und dann auch wieder nach oben reibungslos überwand. Als sich die Tür fast geräuschlos öffnete, sah man nur freudige Gesichter.
„Wir sind sehr zufrieden, dass wir den Fahrstuhl heute wieder in Betrieb nehmen können“, sagte Buske, der sich aber auch gleichzeitig im Namen der Stadt dafür rechtfertigte, „dass die Reparatur so viel Zeit in Anspruch nahm.“ Das hatte nämlich seine Gründe: So musste durch die beauftragte Herstellerfirma OTIS eine Maßanfertigung für den Aufzug realisiert werden. Und das bedeutete, dass der alte Aufzug komplett demontiert werden musste, ehe der neue Aufzug mühsam in die vorhandene Glaskonstruktion eingebaut und angepasst werden konnte.
Viele Prozesse im Hintergrund
Isabell Zybok, Niederlassungsleiterin der Firma OTIS am Standort Mannheim, lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt. Viele Prozesse seien im Hintergrund abgelaufen, zahlreiche Genehmigungen hätten eingeholt werden müssen. Die Bevölkerung bekomme davon nichts mit. „Das alles hat wirklich in Rekordzeit geklappt“, so Zybok, die natürlich auch Verständnis dafür aufbrachte, dass es der Weinheimer Bevölkerung – besonders der älteren Generation – gar nicht schnell genug gehen konnte. Man sei regelmäßig in Kontakt mit der Stadt gewesen. Längst hatte die Stadtverwaltung die Reparatur zur Chefsache gemacht, um die Vorgänge noch weiter zu beschleunigen und zu optimieren. Es habe jetzt zwar ein Jahr gedauert, doch habe man sich beim Einbau der neuesten Generation des Aufzugs im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht. „Der Aufzug ist vandalismussicher, so weit das eben geht“, sagte Zybok. Will heißen, dass der Aufzug nur wenig Angriffsfläche von außen bietet. Glatte Flächen und eingelassene Druckknöpfe sollen also Zerstörungen verhindern.
Und es gibt eine weitere Neuerung im Vergleich zum Vorgängermodell. So können Menschen, die auf ein Hörgerät angewiesen sind, die Ansagen ebenso deutlich vernehmen wie Menschen ohne Beeinträchtigung. Frank Skuballa, Vertriebsingenieur von OTIS, hat den ersten Aufzug geplant und war jetzt auch für dessen Nachfolger verantwortlich. „Über eine Induktionsschleife am Fahrstuhlboden wird die Ansage für Hörgeräte optimiert“, erklärte Skuballa. Mit einer Tragkraft von 800 Kilogramm und einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde erfülle der Aufzug laut Skuballa „die neueste Norm“.
Da der Aufzug über spezielle Bänder anstelle von sonst üblichen Seilen betrieben werde, gelte er als besonders geräusch- und wartungsarm. Auch für den TÜV gab es am Mittwoch vergangener Woche keinen Grund, den Aufzug nicht freizugeben. Insgesamt gab es gleich zwei unterschiedliche Prüfungen durch den TÜV, die beide bestanden wurden. So funktioniert auch das moderne Notrufsystem ab sofort einwandfrei.
Gewartet wird der Aufzug durch die weltweit agierende Herstellerfirma alle zwei Jahre. Der Vertrag sei in den vergangenen Tagen unterschrieben worden, bestätigte Buske, der gleichzeitig bekannt gab, dass die Vereinbarung mit der Lebenshilfe, die mit einem vormittäglichen Shuttleverkehr gehbeeinträchtigten Menschen eine Alternative anbot, exakt zum gestrigen Montag ausgelaufen sei. „Wir als Stadt bedanken uns natürlich auch bei der Lebenshilfe, die damals den Shuttleservice kurzfristig möglich gemacht hat“, so Weinheims Bürgermeister abschließend.
Erste Störung nach sieben Stunden
Doch kaum sieben Stunden später verweigerte der Fahrstuhl seinen Dienst, wie Anwohner berichten, die es kaum glauben konnten. Doch tatsächlich: Am Montag zwischen 18 und 21 Uhr kam es zu einem vorübergehenden Ausfall, bestätigte die Stadtverwaltung auf Nachfrage: „Es handelte sich jedoch um eine Kinderkrankheit – konkret um eine kleine Störung am Lichtgitter. Der Techniker konnte das Problem schnell wieder beheben“, teilte die Pressestelle mit.