Region

Deutscher Wetterdienst warnt vor akuter Glatteisgefahr an der Bergstraße und im Odenwald

Der Deutsche Wetterdienst schlägt Alarm: Für die Region wird am Mittwoch gefährlicher Glatteisregen erwartet. Experten rechnen mit einer Entspannung nicht vor Donnerstag. Auch der öffentliche Nahverkehr ist betroffen.

Vorsicht, Rutschgefahr! An der Bergstraße und im Odenwald soll es gefährlich glatt werden (Symbolbild). Foto: Jörg Carstensen/dpa
Vorsicht, Rutschgefahr! An der Bergstraße und im Odenwald soll es gefährlich glatt werden (Symbolbild).

Frost, gefrierender Regen und Schnee: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor hoher Gefahr durch Glatteisregen im Norden Baden-Württembergs. „Besonders Mittwochvormittag ist Vorsicht geboten“, sagt Marco Puckert von der Regionalen Wetterberatung des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart. Eine aktuelle Warnmeldung des Bundesdienstes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe am Dienstagmittag appellierte zudem an die Bevölkerung, das Fahren mit dem Auto zu vermeiden.

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Unwetterwarnung der höchsten Stufe für Mannheim und die Region

Für den nördlichen Rand Baden-Württembergs besteht sogar eine Unwetterwarnung der höchsten Stufe 4 vor extremem Glatteis. Sie gilt von Mittwoch, 6.00 Uhr bis Donnerstag, 4.00 Uhr. Betroffen sind Mannheim, Heidelberg, Teile des Rhein-Neckar-Kreises, des Neckar-Odenwald-Kreises und des Main-Tauber-Kreises. Dort rechnet der DWD mit starker Eispanzerbildung und erheblichen Problemen in Verkehr und Infrastruktur. Verbreitet kann es zu Eisbruch kommen. Aufenthalte im Freien sollen unbedingt vermieden werden. Auch Ausfälle von Strom- und Mobilfunknetz sind laut DWD möglich.

"Keineswegs Entwarnung für alle Gebiete"

Dass ein Streifen von Saarbrücken bis Miltenberg von der Alarmstufe 4 betroffen ist, liegt an der geografischen Lage, sagt der DWD-Experte Puckert. „Der Unterschied zwischen Stufe 3 und 4 liegt in der Menge des zu erwartenden Niederschlags. Im Norden Baden-Württembergs fällt voraussichtlich ein bisschen mehr Regen, ausreichend, um die Schwelle zur Stufe 4 zu übertreten. Das bedeutet aber keineswegs eine Entwarnung für die anderen Gebiete.“ Bei der Stufe 4, einer amtlichen Warnung vor extremem Unwetter, handelt es sich um die höchste Warnstufe des DWD. Sie warnt vor einer erwarteten Wetterentwicklung, die extrem gefährlich ist. Konkret wird vor extremem Glatteis gewarnt.

Glatteiswarnung im Rhein-Neckar-Gebiet voraussichtlich bis Donnerstag

Weiter nördlich in Richtung Hessen sei zunächst mit fünf bis zehn Zentimetern Neuschnee zu rechnen. „Danach wird aber auch der Schnee schnell zu Glatteisregen“, sagt Puckert.

Während sich die Lage im Süden des Landes bereits zum Mittwochnachmittag entspannen könnte, werde es um Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg herum länger dauern, womöglich bis in die Nacht auf Donnerstag. „Dieser Raum ist am längsten von Glatteisregen betroffen. Die Luft im oberen Viertel Baden-Württembergs wärmt langsamer ab als im Süden des Landes. Während wir am Mittwochabend in Freiburg und Stuttgart schon wieder mit bis zu 6 Grad Celsius plus rechnen können, dauert es in der Metropolregion Rhein-Neckar länger, bis der Gefrierpunkt überwunden ist.“ Hier könne man am Abend aber gebietsweise mit bis zu zwei Grad plus rechnen.

RNV kündigt Ausfälle bei Bussen und Bahnen am Mittwoch an

Ob die Infrastruktur in der Metropolregion beeinflusst wird, kann Puckert nicht sagen. Es könne jedoch passieren, dass der sogenannte Eispanzer auf Bäumen durch den Eisregen so schwer wird, dass Äste abbrechen und herunterfallen.

Es sei mit Ausfällen von Straßenbahnen und Bussen zu rechnen, teilte die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH am frühen Donnerstagabend mit. In der Regel seien die Straßenbahnen weniger von Glatteis betroffen, sagte ein Sprecher am Mittag. Wenn es zu Verspätungen oder Ausfällen käme, hinge das meist mit Unfällen auf der Autofahrbahn zusammen. „Unsere Oberleitungen werden den ganzen Winter über mit Frostschutzmittel besprüht, damit der Strom ungehindert fließt.“ Die Weichen werden zudem geheizt, sodass Teile nicht festfrieren.

Dennoch könne es witterungsbedingt zu Ausfällen kommen. Fahrgäste werden gebeten, sich online und über die App über mögliche Verbindungen zu informieren.

Schulen und Unterricht: Das sagen die Kultusministerien in Baden-Württemberg und Hessen

Das hessische Kultusministerium verweist angesichts der bevorstehenden Wetterlage darauf, dass Eltern ihre Kinder auch zuhause behalten könnten. Es liege im Ermessen der Eltern, ob der Schulweg für das Kind zumutbar sei.

Das baden-württembergische Kultusministerium teilte mit, dass „ungeachtet eventueller Auswirkungen auf den Verkehr und den Schülertransport“ regulärer Unterricht stattfinde. Schülerinnen und Schüler, die wegen Ausfällen des öffentlichen Nah- oder Fernverkehrs nicht zur Schule kommen könnten oder für die ein Schulweg aufgrund der Witterungsbedingungen unmöglich sei, „dürfen dem Präsenzunterricht ausnahmsweise fernbleiben“. Einzelne Schulen bieten am Mittwoch Homeschooling an.

Flughäfen ebenfalls betroffen

Der Frankfurter Flughafen erwartet wegen des für Hessen angekündigten Schneefalls und Eisregens zahlreiche Flugausfälle. Den ganzen Mittwoch (17. Januar) und auch noch am Donnerstag könne nur ein stark eingeschränkter Flugverkehr stattfinden, teilte die Betreibergesellschaft Fraport am Dienstag mit.

Passagiere sollten sich über ihre Flüge informieren und bei Streichungen nicht zum Flughafen kommen. Für Mittwoch sind am größten deutschen Flughafen rund 1030 Flugbewegungen geplant. Die Airlines streichen bei Unwetterwarnungen schon am Vortag ihr Programm zusammen.

Im Luftverkehr stehe die Sicherheit an erster Stelle, erläuterte Fraport. Bei massivem Schneefall und Eisregen könnten die Start- und Landebahnen trotz kontinuierlichem Winterdienst nicht schnee- und eisfrei gehalten werden. Vor der Freigabe einer Bahn müsse erst über Testfahrten ein sicherer Reibungskoeffizient nachgewiesen sein. Ein weiterer Engpass ist die Flugzeugenteisung. Das aerodynamische Profil des Flugzeugs darf durch Schnee- oder Eisbelag in keiner Weise beeinträchtigt werden.

Der Baden-Airpark Flughafen Karlsruhe Baden-Baden rechnet indessen nicht mit starken Beeinträchtigungen des Flugbetriebs wegen des vorhergesagten Glatteises. Die Frühabflüge nach Porto und London fänden nach gegenwärtigem Stand statt, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Den Fluggästen werde aber empfohlen, genügend Zeit für eine sichere Anreise unter diesen Wetterbedingungen einzuplanen. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Unwetterwarnung wegen Glatteises für Baden-Württemberg herausgegeben. Sie gilt von Mittwochmorgen an.

Heidelberger Zoo bleibt wegen erwarteten Glatteises geschlossen

Wegen der Unwetterwarnung bleibt der Heidelberger Zoo am Mittwoch geschlossen. "Wir möchten kein Risiko eingehen, daher schließen wir den Zoo morgen für den Besucherverkehr. Die Tierpfleger kümmern sich selbstverständlich weiterhin um unsere Tiere", teilte Zoodirektor Klaus Wünnemann am Dienstag mit.

Warnung vor Glätte schon am Montag

Bereits in der Nacht zuvor hatte der DWD vor Glätte gewarnt. Allerdings sei es auf den Straßen in Baden-Württemberg ruhig geblieben, teilten die Polizeipräsidien am Dienstagmorgen mit. Es habe wenige witterungsbedingte Unfälle gegeben.

Während es in Heilbronn am Montagnachmittag laut Polizeisprecher noch zu rund 150 Glätteunfällen gekommen war, sank die Zahl in der Nacht auf 22. Ähnlich in Offenburg: Hier sei es am Nachmittag zu 30 Vorfällen gekommen, sagte ein Sprecher. Die Nacht blieb dann ruhig. „Da waren die Räumdienste dann durch und es ist besser geworden.“  (mit dpa)