Kriminalität

Dreiste Einbrecher steigen in Hemsbacher Peter-Delp-Kindergarten ein

Das waren Profis: Die Täter gingen präzise vor, hinterließen keine Schäden – und schauten trotzdem direkt in die Überwachungskamera. "Ziemlich dämlich", kommentierte Einrichtungsleiterin Oeburg.

Über die Terrassentür des Kindergartens verschafften sich die Einbrecher Zugang zum Peter-Delp-Kindergarten. Foto: Fritz Kopetzky
Über die Terrassentür des Kindergartens verschafften sich die Einbrecher Zugang zum Peter-Delp-Kindergarten.

Als Claudia Oeburg am Mittwochmorgen um halb sechs den Pater-Delp-Kindergarten in Hemsbach aufschließt, ahnt sie noch nichts. Drei Schränke im Flur stehen offen. Die Einrichtungsleiterin schließt sie, denkt sich aber nichts Böses. Erst als sie in ihrem Büro deutliche Anzeichen dafür entdeckt, dass in Unterlagen, Schreibtisch und Schränken gewühlt wurde, wird ihr klar: Hier ist eingebrochen worden.

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„Das müssen Profis gewesen sein“

Die Täter kamen in der Nacht zum Mittwoch über eine Außentür zum Garten. Die Scheibe wurde mit einem spitzen Gegenstand so weit eingeschlagen, dass mit einem weiteren Werkzeug der Griff im Innern geöffnet werden konnte. Eine präzise Operation. „Das müssen Profis gewesen sein“, sagt Oeburg.

Doch der nächtliche Einbruch blieb ansonsten folgenlos: Tablets, Handy, Bluetooth-Boxen – alles ist an seinem Platz. „Die haben es offensichtlich nur auf Geld abgesehen“, vermutet die Kindergartenleiterin, aber keines gefunden. Als ob sie es geahnt hatte: Bargeld hatte die Leiterin über die Weihnachtsferien mit nach Hause genommen und noch nicht zurückgebracht. Viel Geld gibt es allerdings nie im Kindergarten.

Fast ein wenig dankbar ist Oeburg den Einbrechern, dass sie in dem Kindergarten keine Verwüstungen angerichtet haben. „Die haben nichts kaputt gemacht und sind vorsichtig vorgegangen“, sagt sie. Dazu mag auch beigetragen haben, dass Schränke und Schreibtisch nicht abgeschlossen waren. So bleibt als einziges der Sachschaden an der Terrassentür, deren Glas ersetzt werden muss.

Einbrecher schauen direkt in Kamera

Oeburg schaltet am Mittwochmorgen gleich die Polizei ein – und macht eine weitere Entdeckung, die sie dann doch am Verstand der Einbrecher zweifeln lässt. Die waren nämlich zunächst an der Eingangstür des Pater-Delp-Kindergartens vorbeigelaufen und hatten dafür gesorgt, dass der Bewegungsmelder das Licht anmachte. Kurze Zeit später kamen sie zurück an den Eingang und schauten schräg nach oben – direkt in die Linse einer im vergangenen Jahr dort installierten Videokamera.

„Das müssen die gesehen haben“, vermutet die Kindergartenleiterin und bezeichnet das Verhalten als „ziemlich dämlich“. Die Aufnahme zeigt zwei eher junge Männer unter 30 Jahren, die ihre Gesichter mit einem Schal und einer Mütze verhüllt hatten. Sie trugen schwarze und weiße Kleidung, einer der verhinderten Langfinger hatte einen Rucksack dabei.

Auch die Tatzeit lässt sich so ziemlich genau rekonstruieren. Das erste Mal sind die Täter am Dienstag, 23.28 Uhr, auf dem Video zu sehen, wie Einrichtungsleiterin Claudia Oeburg aufgeschrieben hat. Um 23.58 Uhr ist der Widerschein eines Taschenlampenlichtes aus dem Inneren des Gebäudes auf dem Video zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt müssen sich die beiden Täter also im Gebäude befunden haben. Um 0.20 Uhr führte ein Rentner seinen Hund an dem Gebäude vorbei Gassi, wie Oeburg weiter erklärte. Er nahm zu diesem Zeitpunkt weder Licht noch ungewöhnliche Geräusche im Kindergartengebäude wahr. Oeburg schließt daraus, dass die Täter da schon nicht mehr in der Einrichtung waren.

Weitere Videokameras

Die Kamera war übrigens ein Geschenk eines Elternpaares, nachdem im vergangenen Jahr vor der Eingangstür des Kindergartens wiederholt Exkremente vorgefunden worden waren. Jetzt will Kindergartenleiterin Oeburg auch an zwei weiteren Ausgangstüren der Einrichtung Überwachungskameras anbringen lassen, wie sie sagt.