DRK Hemsbach: Wenn Altkleidercontainer zur Müllhalde werden
Vor dem DRK-Container in Hemsbach türmen sich Müll und Tüten – oft ist nichts davon verwertbar. Warum das DRK die Altkleidercontainer dennoch nicht abbauen will und welche kuriosen Funde der Ortsverband bereits machen durfte.
Hemsbach. Es sieht nicht schön aus. Genauer gesagt ist der Bereich vor den DRK-Containern in Hemsbach oft in einem chaotischen Zustand. Im Eingangsbereich in der Königsberger Straße stapeln sich Beutel und Tüten, während die Behälter längst überquellen. Statt die Sachen dann wieder mitzunehmen, und sie nach der Leerung wieder zurückzubringen, lassen die Leute sie einfach daneben stehen. „Solche Vorfälle häufen sich“, sagt Wiebke Bletzer. Was der Schriftführerin im DRK-Ortsverein aber auch zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass hier nicht nur Kleidungsstücke abgegeben werden.
Die Helfer fördern Dinge zutage, die mit Textilien und ihrer Wiederverwertung nichts zu tun haben. Da tauchen Spielzeugautos auf oder Kindergeschirr, mitunter stehen auch sperrige Kinderwagen oder Baby-Autositze da. Bletzer hat beobachtet, dass Derartiges verstärkt nach den verschiedensten Flohmärkten der Umgebung abgeladen wird – als wollte ein Verkäufer all das loswerden, was nicht den Besitzer wechselte. Derartige „Spenden“ sind nicht willkommen beim DRK, denn dort kann man nichts davon verwerten, sagt sie: „Wir müssen das alles wegbringen und den Abtransport aus eigener Tasche zahlen.“
Denn es gebe keine Stelle, an die die Gegenstände weitergegeben werden könnten. Und so müssen die Helfer einen Transporter füllen und zur Entsorgungsstation fahren. Wo es für sie – entgegen mancher landläufigen Ansicht – auch keinen „Sondertarif“ gibt. Das kann teuer werden: „Wir mussten im letzten Jahr etwa fünf Kubikmeter Unrat selbst entsorgen.“
Wenn das Rote Kreuz klingelt
„Es ist immer gut gemeint“, ist Bletzer gleichwohl überzeugt. Doch manchmal ist nicht einmal das der Fall. Denn es kommt vor, dass auch Tüten mit Essensresten und Hausmüll hier landen. Dann zieht sie sich Einmalhandschuhe über und macht sich ans Durchsuchen. Einmal hatte sie es mit zahlreichen Behältern zu tun, die wirkten, als sei gerade eine Wohnung entrümpelt worden: „Das war nur Unrat.“ Der allerdings eine Adresse enthielt. Bletzer machte sich kurzerhand auf den Weg dorthin. Ein recht verdutzter junger Mann öffnete; er gab an, eine alte Frau zu betreuen und bei ihr ausgeräumt zu haben. Dass er mit seiner Entsorgung „aufgeflogen“ war, brachte ihn sichtlich in Verlegenheit: „Er hat mir versichert, dass er die Müllsäcke ,nur kurz‘ hinstellen wollte.“ Was sie ihm nicht glaubte und ihn aufforderte, alles sofort zu entfernen, weil er andernfalls angezeigt werde.
„Es wird immer schlimmer“
„Er hat es weggeräumt“, bemerkt sie und betont, die Konfrontation nicht zu scheuen, sondern freundlich, aber bestimmt auf die Leute zuzugehen. Sie befürchtet allerdings: „Es wird immer schlimmer.“ Und macht auch die Verwirrung nach einer Gesetzesänderung dafür verantwortlich. Denn eine EU-Richtlinie regelt seit Jahresbeginn die „Getrenntsammelpflicht“ neu, weshalb viele Menschen glauben, man dürfe Textilien nun nicht mehr im Hausmüll entsorgen. Allerdings, so informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, müssen nicht alle Textilien zum Container gebracht werden. Nach wie vor gilt, dass stark verschlissene oder verschmutzte Stoffe in die Restmülltonnen geworfen werden sollen.
Das Recycling-Unternehmen, das die Sachen aus den DRK-Containern abholt, verkauft gut erhaltene Kleidung und verwertet andere etwa zu Putzlappen. Ein Teil des Erlöses kommt dem Roten Kreuz zugute, sagt Bletzer: „Das fließt in die Ausbildung und in die Ausstattung.“ Auch wenn man damit „nicht reich“ werde, ist das der Grund, weshalb die Helfer die Container behalten wollen, während sie andernorts oft schon abgebaut wurden.
Wenn Tüten aber neben Container platziert werden, wird ihr Inhalt beim nächsten Regenguss unbrauchbar. Und gerade in der Zeit des Frühjahrsputzes geben die Menschen viel ab, sodass es trotz der immerhin sieben Container mit einem Fassungsvermögen von jeweils 200 bis 300 Kilo eng wird. Dabei wollen sie dann aber auch andere Sachen loswerden. Die Freiwilligen haben schon einen Ledersessel gefunden, Porzellan oder Elektrogeräte. Bletzer sieht in dieser Art, sich ungeliebter Dinge zu entledigen, auch ein gesellschaftliches Problem: „Da denkt mancher bestimmt, dass sich schon irgendwer darum kümmern wird.“ Und wird darin bestätigt. Weil es anderntags wieder ordentlich ist vor den Containern.