Fastnacht

Fastnachtssitzung der Weinheimer Blüten entführt in "Traumfabrik"

Am Samstagabend stieg die Fastnachtssitzung der Weinheimer Blüten unter dem Motto "Traumfabrik"

Thomas Krug, alias Protokoller „Till“, erinnerte unter anderem an den „Fahrstuhl des Grauens“ in der Weinheimer City. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Thomas Krug, alias Protokoller „Till“, erinnerte unter anderem an den „Fahrstuhl des Grauens“ in der Weinheimer City.

Weinheim. Punkt 19.11 Uhr startete am Samstagabend in der ausverkauften Stadthalle die große Fastnachtssitzung der Weinheimer Blüten. Dem diesjährigen Motto „Traumfabrik“ folgten viele Gäste mit den abenteuerlichsten Kostümen. Glitzernde Elfen trafen auf geheimnisvolle Hexen, Asterix prostete einem Mafia-Boss zu, und flippige Nonnen ließen ihren himmlischen Wein von der höllischen Lust frecher Teufel würzen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Daniel Helfrich fühlt sich auf allen Bühnen wohl, auf denen ein Klavier steht. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Daniel Helfrich fühlt sich auf allen Bühnen wohl, auf denen ein Klavier steht.

Närrische Revue

Dem Einmarsch der Aktiven mit Prinzessin Danielle I. und ihren Tollitäten folgte das erste Highlight des Abends: die niedliche Krümelgarde, deren Mitglieder dem Kindergartenalter noch nicht entwachsen waren, jedoch schon die Beinchen schwangen wie die Großen. Die Kadettengarde, die Hofgarde ihrer Lieblichkeit und die Blütengarde zeigten wieder einmal das bewundernswerte Resultat engagierter Trainerinnen, die für den karnevalistischen Tanzsport brennen. Die Blüten servierten über vier Stunden lang eine närrische Revue mit jeder Menge musikalischer Highlights, hinreißender Showtänze, pointenreicher Büttenreden und professionellem Entertainment.

Was wäre eine Fastnachtsveranstaltung der Weinheimer Blüten ohne Garden? Sicherlich nur halb so schön! Die jungen Frauen präsentierten ihre Tänze mit viel Schwung. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Was wäre eine Fastnachtsveranstaltung der Weinheimer Blüten ohne Garden? Sicherlich nur halb so schön! Die jungen Frauen präsentierten ihre Tänze mit viel Schwung.

Sogar Gott Jokus, in Gestalt von Tobias Christian Mayer als „Frederick van der Sonne“ vom Mainzer Carneval-Verein, spendete seinen närrischen Segen. Ein wenig deftiger fiel der Segen von Steffen Jobst in der geistlichen Gestalt von „Pfarrer Fulder“ aus, der sich, da nicht mehr vorhanden, seinen Gag zur Ampel verkneifen musste und bei der K-Frage feststellte, dass es nur noch schlimmer werden kann. Thomas Krug, alias Protokoller „Till“, durchleuchtete den Heimatsumpf mit Miseren wie Silvesterböllern und Cannabis in Überdosis, dem Weinheimer Hauptbahnhof als Tropfsteinhöhle und dem „Fahrstuhl des Grauens“ am Windeckplatz, der für zwölf Stunden funktionierte. Helga Eibel, Christiane Bylitza und Ivonne Fels brachten als „griechische Göttinnen“ das Olympiafeuer in die Kreisstadt mit dem Fazit: „Was ist Paris schon gegen Weinheim?“ Für den Kabarettisten Daniel Helfrich wurde das E-Piano auf die Bühne gerollt, worauf der Mann am Klavier nicht nur in die Tasten griff, sondern das närrische Auditorium mit „Hand hoch!“ zum Outing kleiner und größerer Sünden aufforderte. Ein Comedian ganz anderer Art war Behane Behane, der Äthiopier aus Heidelberg, der sich deutscher als deutsch nennt, doch böse Erfahrungen macht, wenn er alten Damen den schweren Koffer tragen möchte. Er riss die Zuschauer glatt von den Stühlen, als er Roland Kaisers „Santa Maria“ in Gebärdensprache „sang“.

Bühnensensationen

Den souveränen Moderator, der zu jeder Zeit alles im Blick hatte, gab Sven Schneider, der unter zahlreichen Bühnensensationen Lisa Stein von den Ludwigshafener „Huddelschnuddler“ als „Praktikantin“ ankündigte. Die kleine, pummelige Blonde, die ihre Größe augenzwinkernd mit 1,20 Metern angibt und mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet ist, wirbelte mit artistischer Leichtigkeit über die Bühne und demonstrierte ihren von „Jorge González höchstpersönlich“ antrainierten Laufsteg-Gang. Große musikalische Ereignisse warfen ihre Schatten voraus mit dem Einmarsch der Badener Schalmeien aus Philippsburg unter ihrem Leiter und Trommler Björn Bodmer. Die große Formation zeigte auf hinreißende Art, dass Kultsongs wie „Y.M.C.A.“ auch mit dem mittelalterlichen Holzblasinstrument tierisch in die Beine gehen. Frauenpower „all over“ brachte das vierköpfige, stimmgewaltige Vokalensemble „Stimmalarm“ auf die Bühne. Mit ihren einzigartigen Stimmen, mitreißenden Choreografien, kleinen akrobatischen Elementen und maßgeschneiderten Bühnenoutfits sorgten sie für laute Bravorufe.

Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie

Entertainment pur brachte auch die „Tortenshow“ des Elferrat-Balletts auf die Bühne. Hier tanzte zum Udo-Jürgens-Song „Aber bitte mit Sahne“ eine Gruppe niedlicher Plüsch-Handpuppen, die keck aus einer überdimensionalen Torte herausschauten. Den krönenden Abschluss gab es weit nach Mitternacht mit den Herxheimer Windboys, einem mehrfach preisgekrönten, seit 20 Jahren bestehenden Männerballett aus dem pfälzischen Herxheim. Die zwölf gestandenen Kerle beschäftigen ein ganzes Trainerteam. Entsprechend ausgeklügelt sind Dramaturgie, Choreografie und Artistik. Mit ihren kraftvoll stampfenden Tanzschritten erzählten die sympathischen Jungs die Geschichte der tapferen Goldjäger in der Sierra Madre.

Der tobende Applaus und die johlenden Beifallsrufe mündeten im Finale, bei dem sich alle Aktiven noch einmal auf der Bühne einfanden. Eine besondere Auszeichnung für stolze 55 Jahre Blüten-Mitgliedschaft erhielt Ehrenvorsitzender Wolfgang Piorkowski. Nach einer langen Nacht ging es, gut eingeheizt von der närrischen „Traumfabrik“, hinaus in die klirrende Kälte.