Weinheim

Gründungsrektor der Friedrich-Realschule und Kirchenmusiker Reinhold Wagner verstorben

Reinhold Wagner, Gründungsrektor der Weinheimer Friedrich-Realschule und Kirchenmusiker an St. Laurentius, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Reinhold Wagner an der Steinmeyer-Orgel von St. Laurentius. Foto: WNOZ-Archiv
Reinhold Wagner an der Steinmeyer-Orgel von St. Laurentius.

Weinheim. Er war der erste Rektor der 1971 gegründeten Friedrich-Realschule, holte für seinen Internationalen Orgelzyklus weltberühmte Organisten an die Steinmeyer-Orgel der St.-Laurentius-Kirche und verfasste lokalhistorisch bedeutsame Schriften zur Geschichte der Laurentiuskirche und seiner Friedrichschule. Reinhold Wagner, Träger der Ehrennadel der Stadt Weinheim, erwarb sich in seiner Heimatstadt bleibende Verdienste in den Bereichen Kirche und Bildung. Am 9. August ist der Pädagoge, Organist und Chorleiter im Alter von 94 Jahren verstorben.

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Impressum

Am 1. Juni 1931 kam Reinhold Wagner in Weinheim zur Welt. Seine Kindheit war geprägt von Fliegeralarmen, und nach Ende des Zweiten Weltkriegs war zunächst monatelang kein Unterricht möglich. Als erstes Gymnasium nahm die Albertus-Magnus-Schule in Viernheim den Unterricht auf, wo Wagner schon als junger Mensch pflichtbewusst und zielstrebig seinen Weg zur Lehrerlaufbahn verfolgte.

Nachdem er von 1951 bis 1953 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg studiert hatte, unterrichtete er zunächst an der Johann-Sebastian-Bach-, der Albert-Schweitzer- und an der Pestalozzischule, ehe er 1963 in Karlsruhe die Prüfung für das Lehramt an Realschulen ablegte und 1971 Rektor der neu gegründeten Friedrich-Realschule in Weinheim wurde. Er leitete sie bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1993.

Als Kenner der Weinheimer Schullandschaft war er von 1985 bis 1993 in der Nachfolge von Jakob Hohenadel geschäftsführender Rektor der Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen Weinheims. In seiner Zeit als Rektor erhielt die Friedrichschule 1978 ihren rund drei Millionen Mark teuren Anbau und 1989 behelfsmäßig den kleinen Sportplatz am Rottenstein.

Mit zwölf Jahren am Klavier

Großen Raum nahm im Leben von Reinhold Wagner die Musik ein. Im Alter von zwölf Jahren saß er am Klavier, mit 16 Jahren begann er mit dem Orgelspiel, schrieb Orgelsätze mit der Hand aus einem Buch ab. Das Spiel an den Registern erlernte er von Alphons Meißenberg, seinem Vorgänger in St. Laurentius.

Im Jahr 1953 nahm Wagner eine Festanstellung als Hauptorganist in Herz Jesu Weinheim an, wobei er viel Freizeit opferte, denn hauptberuflich war er damals noch Grund- und Hauptschullehrer. Die Nachfolge von Meißenberg als Organist in St. Laurentius trat er 1961 an. Bis 2011 beschenkte Wagner an der Marktplatzkirche dann als Organist und Leiter des Kirchenchors die Menschen mit hochkarätigen Konzerten.

Ab 1972 veranstaltete Reinhold Wagner in Eigenregie jährlich seinen „Internationalen Orgelzyklus“. 38 Organisten aus 15 Ländern gaben an der Steinmeyer-Orgel Konzerte, darunter auch der international bekannte Orgelprofessor und Komponist Daniel Roth aus Frankreich, der in St. Laurentius zu Ehren Wagners bei dessen Verabschiedung als Organist 2011 sogar ein Konzert gab.

Überzeugter Lions-Bruder

Am Königsinstrument nahm Wagner selbst immer am zweiten Weihnachtsfeiertag Platz. Beim Konzert zum Weihnachtsfest war dann der Trompeter Friedhelm Bissinger sein musikalischer Partner. Als überzeugter Lions-Bruder gestaltete er – ab 1995 mit Unterstützung von Cellist Prof. Roland Kuntze – jahrzehntelang die Weihnachtsfeier des Lions-Clubs Weinheim, zu dessen Gründern er 1971 gehörte. Wagners scharfer Verstand und reichhaltiges Wissen wurden von seinen Lions-Freunden stets geschätzt.

Auch dem Chorgesang widmete der Verstorbene seine Schaffenskraft. Die staatliche Singschullehrer- und Chorleiterprüfung hatte er bereits 1958 abgelegt. Dadurch konnte er von 1959 bis 1969 bei der Leitung der Singschule Weinheim in die Fußstapfen von deren Gründer Alphons Meißenberg treten. Wagner schätzte und orientierte sich an der Arbeit von Meißenberg, der seine Erfolge mit dem Laurentius-Kirchenchor durch besondere Chordisziplin erreichte. In Wagners Chorleitung floss zudem das Einfühlungsvermögen des geschulten Pädagogen ein.

Belesener Autor

Wagners Wirken sind auch bedeutsame lokalhistorische Schriften zu verdanken. Zum 25-jährigen Bestehen der Friedrich-Realschule erstellte er 1996 eine Festschrift, mit der Geschichte der katholischen Pfarrei St. Laurentius beschäftigte er sich 2014 in einem Buch ausführlich und kenntnisreich, ehe er 2020 noch einen Kirchenführer zur Kirche am Weinheimer Marktplatz nachlegte.

Prof. Theo Mang, der bei Reinhold Wagners Verabschiedung als Organist und Chorleiter von St. Laurentius die Laudatio hielt, bezeichnete ihn als „ein Stück Weinheimer Kulturgeschichte“. Für seine Verdienste in den Bereichen Bildung, Kirchenmusik und Kulturleben wurde Reinhold Wagner im Jahr 2005 die Ehrennadel der Stadt Weinheim verliehen. Als ein Pädagoge und Kulturförderer, der bei seinem Wirken Kontinuität, Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit, Fleiß und Leidenschaft zeigte, wird er vielen in Erinnerung bleiben.