Hirschberg trauert um Fritz Bletzer: Ein Original, das Klartext sprach
Fast zwei Meter groß, schlagfertig und immer geradeheraus: Der „Bletzers Fritz“ war eine Ausnahmeerscheinung. Was ihn für die Menschen so besonders machte.
Leutershausen. Wer Fritz Bletzer einmal begegnet war, vergaß ihn nicht so schnell. Das lag nicht nur an seinen stattlichen 1,95 Metern, sondern vor allem an seiner direkten Art, seinem Humor und seinen unverwechselbaren Sprüchen. Der „Bletzers Fritz“, wie ihn viele in Leutershausen nannten, war ein Original. Einer, der kein Blatt vor den Mund nahm, der sich für seine Mitmenschen einsetzte und der stets wusste, wo er hingehörte. Nun heißt es Abschied nehmen von einem Mann, der das gesellschaftliche und politische Leben in Hirschberg über Jahrzehnte geprägt hat.
Sein Lebensmotto
„Nix do oder do“ – so lautete sein Lebensmotto. Wenn Fritz Bletzer etwas anpackte, dann richtig. Halbe Sachen waren seine Sache nicht. Das galt für die Landwirtschaft ebenso wie für den Handball und die Kommunalpolitik. 40 Jahre lang saß er für die Freien Wähler im Hirschberger Gemeinderat, 30 Jahre gehörte er dem Kreistag an. Er war Bürgermeister-Stellvertreter, mehrfach Stimmenkönig bei den Kommunalwahlen und vor allem eines: ein Ansprechpartner für die Menschen.
Bletzer war keiner, der sich hinter politischen Floskeln versteckte. Er sagte, was er dachte, auch wenn das seinem Gegenüber nicht immer gefiel. Dabei verlor er nie den Blick für die Sorgen der Bürger. „Wenn mich ein Bürger angesprochen hat, habe ich aber auch gesagt, wenn es nicht geht“, erzählte er einmal unserer Zeitung. Die Menschen hätten ihm vertraut, weil sie wussten, dass er sich um ihre Anliegen kümmerte. Seine Schlagfertigkeit hatte er schon früh entwickelt. Als Junge hörte er den Frauen zu, die auf dem elterlichen Bauernhof Tabak einfädelten. Viele ihrer Sprüche blieben ihm im Gedächtnis. Später holte er sie im passenden Moment wieder hervor. Kaum jemand konnte eine Situation mit wenigen Worten so treffend kommentieren wie der gebürtige Leutershausener.
Schon früh angepackt
Dabei war sein eigener Lebensweg keineswegs immer einfach. Fritz Bletzer wurde am 25. Oktober 1943 in Heidelberg geboren. Sein Vater fiel 1944 im Krieg in Frankreich, als Fritz noch ein Säugling war. Seine Mutter Luise führte den landwirtschaftlichen Betrieb fort. Schon früh musste der Junge mit anpacken. Nach der Schule wartete zu Hause nicht selten ein Zettel seiner Mutter auf ihn: Er solle aufs Feld kommen. Mit 13 Jahren verließ er die Schule, 1970 übernahm er schließlich den Hof.
Als er 1980 erstmals für den Gemeinderat kandidierte, wollte er vor allem eines: dazu beitragen, dass Leutershausen und Großsachsen weiter zusammenwachsen. Dass ihm das Wohl seiner Heimat am Herzen lag, spürten auch politische Weggefährten. Bürgermeister Ralf Gänshirt würdigte ihn 2019 bei seiner Ernennung zum Ehrengemeinderat als Mann mit Prinzipien, klaren Vorstellungen und einem feinen Gespür für die Menschen. Bletzer sei hilfsbereit, offen und humorvoll gewesen. Ein Kommunalpolitiker, der stets am Puls der Bürger geblieben sei.
Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Bletzer zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und den Ehrenring des Rhein-Neckar-Kreises. Doch Titel und Ehrungen standen für ihn nie im Vordergrund. Viel wichtiger waren ihm die Menschen und die Vereine, denen er verbunden war.
Handball seine Leidenschaft
Allen voran die SG Leutershausen. Der Handball war seine große Leidenschaft. Schon als Zehnjähriger fiel sein Talent auf, als SGL-Funktionäre bei der Kerwe seine Treffsicherheit beim Dosenwerfen bemerkten. Später wurde sein gefürchteter Wurf auf dem Handballfeld zu seinem Markenzeichen. Mit 40 Jahren beendete er seine aktive Laufbahn, doch die Liebe zur SGL blieb. Gemeinsam mit seiner Frau Anneliese besuchte er auch im hohen Alter noch die Heimspiele. Die SGL war und blieb seine Nummer eins.
Überhaupt spielte die Familie eine wichtige Rolle in seinem Leben. Seit 1966 war er mit seiner Anneliese verheiratet. Gemeinsam haben sie die Kinder Anja und Ralf. Besonders gerne verbrachte Bletzer seine Zeit auch mit seiner Enkelin Carla. Nach seinem Rückzug aus der Kommunalpolitik im Jahr 2019 wurde es ruhiger um ihn. Auch wenn es ihn sicherlich manchmal noch juckte, sich in die Debatten einzumischen, blieb er seiner Linie treu. Wenn er einen Schlussstrich zog, dann galt dieser auch.
Ein Mensch mit viel Humor
Was von Fritz Bletzer bleibt, sind nicht nur vier Jahrzehnte Kommunalpolitik, unzählige Begegnungen und sein Einsatz für die Vereine. Es sind vor allem die Erinnerungen an einen Menschen mit Ecken und Kanten, der seine Meinung vertrat, ohne den Humor zu verlieren. An einen Mann, der fest in seiner Heimat verwurzelt war und für viele einfach der „Bletzers Fritz“ blieb.
Als er im Oktober 2023 seinen 80. Geburtstag feierte, äußerte er im Gespräch mit unserer Zeitung noch einen ganz persönlichen Wunsch: „Ich möchte noch ein bissel hier sein.“
Nun ist Fritz Bletzer nicht mehr da. Seine Sprüche, sein Lachen und seine unverwechselbare Art werden in Leutershausen fehlen.