Weinheim

Illegale Altreifenentsorgung in Weinheim: Ermittler landen Treffer

Nach erfolgreicher Recherche durch die Polizei ist jetzt die Bußgeldstelle der Stadt Weinheim am Zug. Wohin die Spur des Umweltsünders führt.

Anfang Dezember wurden in Rippenweier 80 Altreifen im Wald abgekippt. Zum Glück wurde das Umweltvergehen schnell bemerkt und die Reifen ordnungsgemäß entsorgt. Foto: Privat
Anfang Dezember wurden in Rippenweier 80 Altreifen im Wald abgekippt. Zum Glück wurde das Umweltvergehen schnell bemerkt und die Reifen ordnungsgemäß entsorgt.

In den kommenden Tagen wird ein Umweltsünder aus der Region einen saftigen Bußgeldbescheid in seinem Briefkasten vorfinden. Wie die Polizei auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte, konnten die Ermittler im Fall der illegalen Altreifenentsorgung im Rippenweierer Wald Anfang Dezember einen Erfolg verbuchen. Zur Erinnerung: Damals wurden von einer Fußgängerin 80 Altreifen am Rande eines Feldwegs im Weinheimer Ortsteil entdeckt. Mindestens auf einem Reifen befand sich eine Kennzeichnung, die auf ein Nummernschild mit der Abkürzung „HP“ hinwies. Die Spur führte demnach nach Hessen.

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Polizei Weinheim ist einen großen Schritt weitergekommen

In den vergangenen Wochen haben die Ermittler des Polizeireviers Weinheim ganze Arbeit geleistet, recherchiert und waren tatsächlich erfolgreich. Das bestätigte Celina-Marie Petersen, Sprecherin des Polizeipräsidiums Mannheim. Die Ermittlungsergebnisse seien mittlerweile der Stadt Weinheim und dort der Bußgeldstelle übermittelt worden, die jetzt weitere Schritte einleiten müsse, hieß es. „Ob es sich letztendlich tatsächlich um den Verursacher handelt, wird im Rahmen der weiteren Ermittlungen durch die Stadt festgestellt werden“, so die Sprecherin. Jedenfalls sei man einen großen Schritt weitergekommen, und die Chancen stünden nicht schlecht, dass man auf der richtigen Spur sei. Aus ermittlungstaktischen Gründen konnte die Polizeisprecherin dazu keine weiteren Details nennen.

Nach zahlreichen ähnlich gelagerten Fällen in der Region wäre es nun das erste Mal, dass sich jemand wegen illegaler Entsorgung von Altreifen verantworten müsste. Denn verstößt der „Abfallerzeuger“ gegen seine Pflicht der angemessenen Entsorgung, wird er vom Gesetzgeber erheblich sanktioniert. Werden die Altreifen nicht ordnungsgemäß gelagert oder behandelt, verletzt man Kontroll-, Ablieferungs- oder Entsorgungspflichten. So droht gemäß § 61 Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Und auch für die illegale Entsorgung, zum Beispiel in der Natur, werden Bußgelder fällig.

Neben den rechtlichen Konsequenzen gilt es aber auch immer wieder, an das ökologische Bewusstsein zu appellieren – denn eine falsche Entsorgung kann zu erheblichen Umweltschäden führen. Nicht nur das Ökosystem wird negativ beeinflusst, auch das Grundwasser kann verschmutzt werden, und es können sich krankheitsübertragende Schädlinge ansiedeln, die die Gesundheit gefährden. Denn Altreifen verrotten nicht. „Laut Experten dauert eine vollständige Zersetzung des Materials etwa 2000 Jahre“, heißt es auf der Homepage des zertifizierten Altreifenentsorgers ZARE. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von 19 zertifizierten, im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) organisierten Altreifenentsorgern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Bewusstsein für fachgerechtes Reifenrecycling in Deutschland zu stärken.

Reifenbrände schwierig zu löschen

Gefahren können auch von möglichen Bränden der in der Natur entsorgten Altreifen ausgehen, da diese nur schwer zu kontrollieren sind. Ralf Mittelbach, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim, kennt sich aus: „Reifen sind sehr schnell entzündlich, und wenn sie einmal Feuer gefangen haben, hilft Wasser meist nicht aus: Häufig treten bei den Löscharbeiten Rückzündungen auf. Daher bekämpft man den Brand mit speziellem Schaum.“ So erinnert sich Mittelbach noch gut an den Reifenbrand im Juli 2019 in Rittenweier. Damals gingen rund 150 Reifen in Flammen auf und waren nur schwer zu löschen. Die typisch schwarze Rauchsäule sei weithin sichtbar gewesen. Außerdem: Bei der Verbrennung von Altreifen würden giftige Gase freigesetzt, die eine Gefahr für Menschen und Umwelt darstellen. „Reifen brennen extrem gut und entwickeln bei der Verbrennung extrem hohe Temperaturen.“

Entzünden sich Reifen – wie hier 2019 in Rittenweier – können sie nur mit Spezialschaum gelöscht werden. Foto: Archivbild: Feuerwehr Weinheim
Entzünden sich Reifen – wie hier 2019 in Rittenweier – können sie nur mit Spezialschaum gelöscht werden.

Dabei ist es so einfach und kostengünstig, die Reifen zu entsorgen. Normalerweise nimmt jede Fachwerkstatt die ausgedienten Pneus gegen eine Gebühr zurück und sorgt für die zertifizierte Entsorgung, zum Beispiel über ein Zementwerk. „Reifengummi hat einen vergleichbaren Heizwert wie Steinkohle, daher wird mit jeder eingesetzten Tonne Altreifen etwa die gleiche Menge an Kohle gespart. Das Eisen aus der Armierung der Reifen wird mineralogisch in den Zement eingebunden, damit verringert sich auch die Notwendigkeit zur Zugabe von eisenhaltigen Stoffen“, heißt es bei der Heidelberg Materials AG (ehemals HeidelbergCement) in Leimen.

Auch die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) treibt die Zusammenarbeit im Bereich Altreifen-Recycling weiter voran: Dem breit aufgestellten Netzwerk hat sich jetzt auch der börsennotierte Heidelberger Baustoffkonzern angeschlossen.

Das alles scheint dem Umweltsünder von Rippenweier nicht bekannt gewesen zu sein. Wie anders ist solch eine kriminelle Aktion sonst zu erklären? Bleibt zu hoffen, dass die Bußgeldstelle der Stadt Weinheim, die bis gestern leider nicht zu erreichen war, die Ermittlungsergebnisse der Polizei nutzt, um entsprechende Bescheide zuzustellen.