Hemsbach

Land ehrt Hemsbach mit einem Umweltpreis

Staatssekretärin Zimmer würdigt den Einsatz Hemsbachs für den Artenschutz. Als Lohn gibt es für Bürgermeister Kirchner die Plakette "Goldene Wildbiene".

Für die Blühwiese entlang der Hüttenfelder Straße erhielt die Stadt Hemsbach vom Verkehrsministerium des Landes die Auszeichnung „Goldene Wildbiene“. Mit der angelegten Fläche soll dem Artensterben entgegengewirkt werden. Foto: Thomas Rittelmann
Für die Blühwiese entlang der Hüttenfelder Straße erhielt die Stadt Hemsbach vom Verkehrsministerium des Landes die Auszeichnung „Goldene Wildbiene“. Mit der angelegten Fläche soll dem Artensterben entgegengewirkt werden.

Die Stadt Hemsbach ist laut ihrem Slogan in Baden ganz oben. Beim Umweltschutz mischt sie ebenfalls ganz vorne mit. Für ihre 1000 Quadratmeter große blühende Verkehrsinsel entlang der Hüttenfelder Straße in der Nähe des Wareham-Kreisels bekam die Stadt am Dienstag den Preis „Goldene Wildbiene“.

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Mit seinem Wettbewerb „Blühende Verkehrsinseln“ würdigt das baden-württembergische Verkehrsministerium das herausragende Engagement für die Stärkung der biologischen Vielfalt entlang der Straßen. Hemsbach ist einer der Gewinner dieses Wettbewerbs, der bereits zum fünften Mal durchgeführt wurde.

Herausforderung Klimawandel

Zur Preisverleihung kam die Staatssekretärin Elke Zimmer an die Bergstraße, um dem Bürgermeister Jürgen Kirchner die goldene Plakette zu überreichen. SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Cuny, Hemsbacher Stadträte, Rathausmitarbeiter, Klimaschutzmanagerin Felicitas Hasper, Vertreter der Stadtgestalterei sowie BUND-Vorsitzender Gerhard Röhner waren ebenfalls anwesend.

„Der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt sind die größten Herausforderungen dieser Zeit“, sagte die Staatssekretärin zu Beginn. Zur Veranschaulichung der dramatischen Situation verwies sie auf die Brände in Kanada, im Mittelmeerraum und auf Hawaii sowie auf die Starkregenereignisse in Kroatien und Italien.

Auch im Land spüre man immer mehr, wie dramatisch die Lage sei. Innerhalb der letzten zehn Jahre sei etwa die Zahl der Insekten um zwei Drittel zurückgegangen. Dies hänge mit dem Verlust an Lebensraum zusammen. Das Land möchte dem Ganzen entgegenwirken und verabschiedete deshalb ein Klimaschutzgesetz, wonach beim Verkehr bis 2030 55 Prozent an Kohlendioxidausstoß reduziert werden soll.

Paradigmenwechsel beim Bau

Zudem gibt es einen Paradigmenwechsel. Beim Straßenbau gilt zukünftig Sanierung statt Neubau. Da vom Klimawandel Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen betroffen sind, müsse gehandelt werden. Dafür benötigt das Land Mitstreiter wie die Hemsbacher, die sich für die Biodiversität einsetzen. Entlang der Landesstraßen gibt es 27 000 Hektar „straßenbegleitendes Grün“, welches mit Blühwiesen und Gehölzflächen zu einem neuen Refugium für Insekten umfunktioniert werden könne. „Jede Fläche zählt. Daher bin ich den Hemsbachern sehr dankbar. Mit dem Preis soll aber nicht nur das Bereitstellen von Nistplätzen für Bienen, sondern auch die enorme Expertise in diesem Bereich ausgezeichnet werden“, lobte Zimmer und hofft auf viele Nachahmer, denn in den örtlichen Vorgärten sehe sie noch viel Handlungsbedarf.

Beitrag zum Artenschutz

Hemsbachs Bürgermeister Kirchner freute sich über die Auszeichnung. Sie sei ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und der Lohn für das Engagement für den Artenschutz vor Ort. „Auch Deutschland ist vom Artensterben betroffen. Es findet direkt vor unserer Haustür statt. Besonders augenfällig und zumindest für jeden Gartenbesitzer merkbar und hörbar sinkt die Zahl unserer heimischen Vögel. Unter anderem als Folge des Insektensterbens.“

Für mehr Bienen, Hummeln und andere Nützlinge im Garten brauche es eine vielfältige Auswahl an Pflanzen: „In Hemsbach haben wir das verstanden und nun blüht es wieder auf vielen unserer städtischen Flächen“, betonte der Rathauschef. „Wir stehen nicht über den Ökosystemen. Wir sind ein Teil davon. Und damit werden wir früher oder später durch das Artensterben auch selbst zu einer bedrohten Spezies. Das Artensterben wird vom Menschen verursacht, deshalb liegt es auch in unserer Hand, dieses zu beenden. Wichtig ist, dass wir uns dabei unserer Verantwortung bewusst werden. Jeder noch so kleine Schritt, jeder noch so kleine ökologische Baustein hilft, die biologische Vielfalt zu bewahren und somit auch unsere Lebensgrundlage zu sichern“, meinte Kirchner und appellierte an alle: „Machen Sie mit, machen Sie es nach!“

Am Ende seiner Ansprache dankte er allen Mitstreitern bei diesem Umweltprojekt, insbesondere den Mitarbeitern im Bauamt und Bauhof.

Projektbeginn im Juni 2022

Thomas Wetzel vom städtischen Fachbereich 2, Grünflächen, erläuterte kurz die einzelnen Stationen des Wiesenprojekts. Im Juni 2022 startete das Vorhaben, in dem Bauhofmitarbeiter die Rasenfläche umgegraben haben. Die Fläche wurde anschließend einfach so liegen gelassen. Ende September wurde gesät. „Wir verwendeten heimisches Saatgut. Zwei bis drei Gramm haben wir pro Quadratmeter Fläche verteilt. Es war eine reine Blumenmischung.“ Im Frühjahr zeigten sich die ersten Blumen. Erfreulicherweise gab es keinen Fremdwuchs, etwa durch Rasen. Im April/Mai waren Klatschmohn, Kornblumen und Margeriten zu sehen. Danach räumten die Bauhofmitarbeiter die Fläche „erneut ab“. Die Blühfläche, die nicht bewässert wird, überlässt man quasi sich selbst.

Damit sich die Insekten so richtig wohlfühlen, wurde bereits ein Insektenhotel aus Holz errichtet. Zusätzlich stehen auf der blühenden „Verkehrsinsel“ an der Hüttenfelder Straße Schilder, die auf dieses vorbildliche Umweltschutzprojekt aufmerksam machen.