Mehr Geld für weniger Leistung im Freibad am Hemsbacher Wiesensee
Das Rathaus in Hemsbach schlägt Schließtage, deutlich höhere Eintrittspreise und eine spätere Saisoneröffnung für das Freibad vor. Das letzte Wort hat am Montag der Gemeinderat.
Hemsbach. Weniger Leistung, deutlich höhere Eintrittspreise: Die Stadt Hemsbach will das Defizit des Freibades Wiesensee verringern und gleichzeitig das drängende Personalproblem lösen. Die Saisoneröffnung soll in diesem Jahr daher später ausfallen, gleichzeitig soll das Freibad an einem Wochentag geschlossen bleiben. Zusätzlich will die Stadt an die Eintrittspreise um bis zu einem Drittel erhöhen – wenn der Gemeinderat bei dem Vorhaben mitspielt, der in seiner nächsten Sitzung am kommenden Montag, 24. Februar (18 Uhr, Kulturbühne Max), darüber entscheidet.
Das personelle Problem ist drängend. In der Sommersaison 2024 habe mehrfach die Schließung des Bades gedroht, weil Fachangestellte in nicht ausreichendem Maß verfügbar waren, schreibt das Rathaus im Vorbericht. Die Schließung sei nur dadurch verhindert worden, weil alle an der Organisation des Badebetriebes verantwortlichen Personen enorme Haftungsrisiken eingegangen seien. Die während der vergangenen Saison getroffenen pragmatischen Regelungen ermöglichten jedoch keinen dauerhaften und rechtssicheren Betrieb.
Was vorgeschrieben ist
Der ist dann gewährleistet, wenn während der gesamten Öffnung des Freibades – an sieben Tagen die Woche von 9 bis 20 Uhr – zwei Rettungsschwimmer und eine Fachkraft für Bäderbetrieb vor Ort sind. Für die Vertretung im Pausenfenster von 13 bis 16.30 Uhr ist montags bis freitags ein weiterer Rettungsschwimmer erforderlich. Am Wochenende übernimmt dies die örtliche DLRG.
Aktuell arbeitet nur ein Fachangestellter für Bäderbetriebe am Wiesensee. Für ihn gilt arbeitsrechtlich eine Sechstage-Woche, auch darf er maximal zehn Stunden am Tag arbeiten. In der Regel beginnt seine Arbeitszeit eine Stunde vor Öffnung des Bades, weil ihm auch die Betreuung der Schwimmbadtechnik des Beckens obliegt, in der Regel erfordert der Job eine Stunde Nachbearbeitung nach Ende der Öffnungszeiten. Es fehlen daher Stunden, die anderweitig besetzt werden müssen.
Am besten wäre eine zweite Kraft. „Die ist aktuell aber nicht zu finden“, sagt der städtische Fachbereichsleiter Tobias Schork. Die wenigen Fachkräfte, die es auf dem Markt gebe, zögen es vor, in einem Hallenbad zu arbeiten, wo sie eine geregelte Fünftage-Woche mit normalen Arbeitszeiten hätten. Die Stadt behalf sich in der letzten Saison mit einem Personaldienstleister. Das habe aber enorme Kosten nach sich gezogen und auch nicht immer geklappt, sagt Schork: Auch dort seien die verfügbaren Kräfte nämlich knapp.
Daher kommt jetzt der Vorschlag, an den Öffnungszeiten zu drehen: Das Gesamtpaket sieht so aus: Die Saison wird um zwei Wochen verkürzt, das Freibad öffnet erst am 15. Mai statt am 1. Mai. Zusätzlich soll es mit Ausnahme der baden-württembergischen Sommerschulferien montags immer zu bleiben. Bei schlechtem Wetter – kühlen Temperaturen oder Dauerregen – schließt das Bad früher oder bleibt gleich ganz geschlossen. In Summe hätte das Freibad damit in der kommenden Badesaison mindestens 25 Tage weniger geöffnet als im Vorjahr.
Geringere Leistung, dafür höhere Kosten: Denn gleichzeitig schlägt das Rathaus eine ziemlich rabiate Erhöhung der Eintrittspreise vor. Damit verbunden sind strukturelle Änderungen. So sollen die Zehner-Karten künftig komplett entfallen, dafür würde die neue Kategorie der Familien- und Elternteilkarten für Hemsbacher Bürger eingeführt. Für die wäre mit 108 Euro (vorher 90 Euro) beziehungsweise 54 Euro (vorher 45 Euro) dann nur ein Aufschlag von 20 Prozent zu bezahlen. Auswärtige Familien oder Elternteile mit Kindern sollen für die Saisonkarte sogar 120 beziehungsweise 60 Euro bezahlen; das ist eine Steigerung um rund ein Drittel. Das betrifft auch die Saisonkarte für Rentner, die von 45 auf 60 Euro steigen soll, und Personen über 18 Jahren, die künftig 80 Euro (vorher: 60 Euro) dabei wären. Die Saisonkarte für die Gruppe der Ermäßigten steigt dem Vorschlag zur Folge von 40 auf 50 Euro.
Bis 2024 gab es noch zwei Gruppe, für die eine Ermäßigung galt: Kinder vom vollendeten sechsten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, Schüler und Studenten bezahlten 2,50 Euro. Für diese Gruppe soll der Eintrittspreis um 20 Prozent auf drei Euro steigen. Sie wären dann zusammengefasst mit der Gruppe der Schwerbehinderten, Wehr- und Zivildienstleistenden, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, für die der Eintritt bei drei Euro bleiben soll.
Fünf Euro soll der Einzeleintritt für Erwachsene ab 18 Jahren künftig betragen; das sind 25 Prozent mehr als 2024. Zwölf Euro wäre für Ehepaare mit Kindern fällig (vorher: 9,50 Euro). Mit 3,50 Euro würde auch die Abendkarte 50 Cent teurer. Neu ist eine Nutzungsgebühr für ein mitgebrachtes Stand-up-Paddle-Board. Dafür möchte die Stadt künftig fünf Euro am Tag.
Hohes Defizit zurückfahren
Preiserhöhungen sind nie populär, das weiß auch der städtische Kämmerer Silvio Salatino. Er wirbt aber um Verständnis für den Schritt. Beim Freibad Wiesensee handle es sich um eine Freiwilligkeitsleistung der Stadt, die hoch defizitär sei. 2023 legte die Stadt etwas mehr als eine Viertelmillion Euro drauf, im vergangenen Jahr ist das Minus mit 289.000 Euro noch ein wenig höher ausgefallen. Für 2025 rechnet Hemsbach mit einem Defizit von 276.000 Euro. Darin enthalten sind unter anderem 100.000 Euro für die Sanierung der Elektroanlage des Betriebsgebäudes. Strom, Heizung, Reinigungskosten – alles sei teurer geworden. von daher müssten auch die Preise steigen, sagt Salatino.
Was bringt die Gebührenerhöhung? Grob über den Daumen gepeilt könnte sie das geplante Defizit um 40.000 Euro verringern. Auch die zusätzlichen Schließtage bringen eine Kostenersparnis, vor allem, weil die Stadt nur noch in Ausnahmefällen auf Personaldienstleister zurückgreifen müsste. Dafür fielen 2024 rund 40 000 Euro an.