Weinheim

Missbrauchsvorwürfe: Weinheimer Musiklehrer wird der Prozess gemacht

Der Mann soll im Zeitraum von 2012 bis 2017 sexuelle Handlungen an vier seiner Musikschülerinnen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren vorgenommen haben.

Ein Weinheimer Lehrer der Musikschule Badische Bergstraße muss sich ab September vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Er soll in den Jahre 2012 bis 2017 gegenüber vier Schülerinnen sexuell übergriffig geworden sein, allerdings nicht an der Schule selbst, sondern im privaten Rahmen. Foto: Thomas Rittelmann
Ein Weinheimer Lehrer der Musikschule Badische Bergstraße muss sich ab September vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Er soll in den Jahre 2012 bis 2017 gegenüber vier Schülerinnen sexuell übergriffig geworden sein, allerdings nicht an der Schule selbst, sondern im privaten Rahmen.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Mannheim bereits Ende 2022 Anklage gegen einen Weinheimer Musikschullehrer erhoben hat, steht der Prozesstermin jetzt fest: Das Hauptverfahren vor dem Mannheimer Landgericht soll laut Angaben der Pressestelle am 10. September beginnen. Ein Urteil wird Ende November erwartet.

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Sexuelle Übergriffe im Zeitraum von 2012 bis 2017

Dem ehemaligen Lehrer der Musikschule Badische Bergstraße mit Sitz in Weinheim wird vorgeworfen, im Zeitraum von 2012 bis 2017 sexuelle Handlungen an vier seiner Musikschülerinnen begangen zu haben. Diese waren zu den mutmaßlichen Tatzeitpunkten zwischen 12 und 16 Jahren alt. Die Handlungen sollen im privaten Rahmen stattgefunden haben, schreibt die Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben zu den Vorwürfen wollte die Staatsanwaltschaft „im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten“ damals nicht machen. Und auch am Freitag hielt sich die Pressestelle des Landgerichtes auf Nachfrage unserer Redaktion bedeckt.

Lediglich ein paar Wochen in Untersuchungshaft

Der Fall hatte bereits vor drei Jahren hohe Wellen in Weinheim geschlagen. Anfang Januar 2021 war bekannt geworden, dass ein Weinheimer Musiklehrer im Dezember zuvor in Untersuchungshaft genommen worden war. Der Vorwurf schon damals: sexuelle Handlungen an – zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt noch minderjährigen – Schülerinnen. Die Untersuchungshaft wurde am 19. Januar 2021 unter Auflagen außer Kraft gesetzt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gingen jedoch weiter – bis zur Anklageerhebung Ende 2022. Dass dem Mann erst weitere anderthalb Jahre später tatsächlich der Prozess gemacht wird, erklärt die Pressestelle des Landgerichtes mit zusätzlichen Nachermittlungen und Problemen bei der Findung eines Prozesstermins.

Längst „fristlos freigestellt“

Die Musikschule hatte den beschuldigten Lehrer 2021 nach Bekanntwerden der Tatsache, dass er in Untersuchungshaft genommen wurde, „fristlos freigestellt“ und die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei unterstützt. Auch das Schulgebäude durfte der Mann nicht mehr betreten. „Wir haben alles getan, damit er nicht mehr an Kinder herankommt, die bei uns im Haus sind“, hatte der Leiter der Musikschule Badische Bergstraße, Jürgen Osuchowski, damals betont.

Vorwürfe aus den 90er-Jahren

Bereits Mitte der 90er-Jahre waren gegen den Lehrer und seine Familie von Eltern von Musikschulkindern schwerwiegende Vorwürfe erhoben worden. Die Familie des Lehrers habe unter dem Vorwand der musikalischen Betreuung versucht, Kinder an sich zu binden, um sie dann später zu adoptieren. Fünf Adoptionen waren tatsächlich durch den Vater des Lehrers durchgeführt worden. Bei einer sechsten legte das Amtsgericht Bensheim sein Veto ein. Auch wurden der Familie sexuelle Kontakte zu den Adoptierten vorgeworfen.

Dem Lehrer war daraufhin Ende November 1994 vom Vorstand der Musikschule fristlos gekündigt worden. Der Grund: „Verfehlungen im außerschulischen Bereich“. Die Kündigung wurde allerdings durch ein Urteil des Arbeitsgerichtes Mannheim im April 1995 hinfällig. Die Vorwürfe seien nicht ernsthaft genug geprüft worden, so die Ansicht des Gerichts. Der Lehrer musste damals weiterbeschäftigt werden.

Seit einem Jahr im Ruhestand

Egal wie das Urteil am Ende ausfällt: An der Musikschule wird der Tatverdächtige nie mehr unterrichten. Der Lehrer ist am 1. Februar 2023 offiziell in den Ruhestand gegangen.

Der Artikel wurde am 26. März in Bezug auf die Familienverhältnisse bei den Adoptionen aktualisiert.