WNOZ-Glosse

Moment Mal: "Auf halber Höhe plötzlich Panik"

Während andere fröhlich über Felsen hüpfen, klammert sich unsere Autorin panisch ans Geländer – und fragt sich, warum sie immer zu spät bemerkt, dass sie eigentlich Höhenangst hat.

Foto: WNOZ Collage / Philipp Reimer

Nadelbäume, so weit das Auge reicht: Die Sonne tauchte die Berglandschaft in ein sanftes, goldenes Licht. Das metallische Bimmeln von Kuhglocken verriet, dass nicht fern von hier eine Herde genüsslich graste. Die Wanderer vor mir schienen den Anblick in vollen Zügen zu genießen – sie sprangen beschwingt wie Bergziegen von Fels zu Fels.

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Ich hingegen wirkte wie ein Fremdkörper in diesem Postkartenmotiv: Mit beiden Armen klammerte ich mich panisch an die (meiner Ansicht nach viel zu wackelige) Eisenstange, die seitlich an den Fels geschraubt worden war. Im Schneckentempo tastete ich mich Schritt für Schritt vorwärts. Kein halber Meter neben mir ragte der Abgrund des Col de la Schlucht in die Tiefe. Nur mir schien der 1.139 Meter entfernte Talboden die Knie schlottern zu lassen.

„Warum nur tue ich mir das immer wieder an?“, fragte ich mich, denn es war nicht das erste Mal, dass mir auf halber Strecke einfällt, dass ich ja Höhenangst habe. Immer wieder gelingt es mir, das so gründlich zu verdrängen, dass die Panik erst im denkbar ungünstigsten Moment zurückkehrt: Ein anderes Mal wollten meine Freunde Sternschnuppen vom Trommturm aus beobachten. Ich stürmte enthusiastisch die Metalltreppe nach oben, bis ich bei der Hälfte nach unten blickte.

Mein Tatendrang verpuffte, und ich krallte mich mit bleichem Gesicht ans Geländer. Nur dank aufmunternder Worte der Freunde schaffte ich es bis nach oben, wo mich selbst die Sternschnuppen nicht beruhigen konnten. Hoffentlich merke ich mir ab jetzt, dass ich keine Berge oder löchrigen Eisenstufen erklimmen muss, um meine Freizeit zu genießen, bevor ich in schwindelerregender Höhe wieder merke, dass ich lieber unten geblieben wäre.