„Steigbügelhalter der Faschisten“

Harte Kritik an Friedrich Merz bei Demo auf Weinheimer Dürreplatz

Hunderte haben am Dienstag in Weinheim gegen Rechtsextremismus demonstriert. Die Wut der Menschen richtete sich besonders gegen CDU-Politker Merz - es hagelte scharfe Worte und harte Kritik.

Rund 400 Menschen demonstrierten auf dem Weinheimer Dürreplatz. Foto: Katrin Oeldorf
Rund 400 Menschen demonstrierten auf dem Weinheimer Dürreplatz.

Weinheim. Auf Einladung der Gruppe „Stabile DemokratInnen“ – angestoßen von SPD, Grünen und der Linken – demonstrierten rund 400 Menschen auf dem Dürreplatz in Weinheim, um zu zeigen, dass das Motto „Nie wieder ist jetzt“ mehr denn je gilt. Die Demonstranten machten deutlich, dass sich die Weinheimer Gesellschaft als Brandmauer gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus versteht.

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„Verrat an der Demokratie“

Scharfe Kritik musste die CDU angesichts einer Migrationspolitik, die von der AfD gestützt wird, einstecken. In den Redebeiträgen wurde Friedrich Merz „Verrat an der Demokratie“ und an seinen eigenen Worten vorgeworfen. „Schämen Sie sich!“, rief Stella Kirgiane-Efremidou (SPD) in Richtung Merz. Sie wertete die friedliche Demonstration als Fest gegen die düstere Stimmung im Land und forderte die Menschen vor Ort auf, Rückgrat zu zeigen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Auch Kerstin Treber-Koban (Die Grünen) appellierte an die Menge, Haltung gegen rechts zu zeigen. Vor dem Hintergrund der Attentate von Aschaffenburg, Solingen, Mannheim und Magdeburg warnte sie davor, alle Ausländer zu stigmatisieren. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen aus unserer Mitte dämonisiert werden“, sagte sie. Friedrich Merz warf sie einen „unentschuldbaren Tabubruch“ vor. Sie zitierte die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit den Worten: „Seid Menschen! Engagiert euch!“

Zum entschlossenen Engagement als „Brandmauer gegen rechts“ rief auch Silvia Held (Die Linke) auf. Sie warnte davor, dass das Gedankengut der AfD weiter gesellschaftsfähig werde. Merz bezeichnete sie in diesem Zusammenhang als „Steigbügelhalter der Faschisten“.

Auch der Weinheimer Jugendgemeinderat war vertreten: Viviana Jäger und Svenja Huke erklärten: „Wir sind hier, weil wir für die Zukunft stehen.“ Den Jugendlichen sei bewusst, wie leicht politische Ideologien über soziale Medien verbreitet werden können. Daher plädierten sie für mehr politische Bildung an Schulen. Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl forderten sie die ältere Generation auf, ihr Kreuz im Sinne der Jugend zu setzen.

Für ein lebens- und liebenswertes Weinheim setzt sich Jan Heinecke ein. Er arbeitet aktiv daran, Menschen der LGBTIQ+ Community in allen sozialen Bereichen zu integrieren. Sein Credo: „Weinheim muss bunt bleiben!“

Dürreplatz als Lichtermeer

Ein zorniges Zeichen gegen rechts setzte Dr. Norbert Koppenhagen, Organisator des Rippenweierer Festivals „Rock gegen rechts“. Er rief die Demonstranten auf, sich gegen das Gedankengut der AfD zu stellen. Sein Aufruf „Auf die Barrikaden!“ wurde begleitet von einem Lied, das derzeit auf vielen Demonstrationen zur Melodie von „Hejo, spann den Wagen an“ gesungen wird: „Wehrt euch, leistet Widerstand! Gegen den Faschismus hier im Land! Auf die Barrikaden, auf die Barrikaden.“ Dazu verwandelte sich der Dürreplatz durch die Taschenlampen der Handys in ein Meer aus Lichtern. Zuvor war in einer Schweigeminute der Opfer von Gewalt und Krieg gedacht worden.