Rentnerin nach Schockanruf: „Ich war völlig panisch“
Eine Weinheimerin erlebt einen regelrechten Krimi – Die Betrugsmasche fliegt jedoch früh genug auf. Wie man sich schützt.
Nachdem Betrüger erst vor zwei Wochen eine Seniorin in Hemsbach um 80 000 Euro erleichterten, blieben unbekannte Täter mit ihrer Masche am Montag in Weinheim zwar erfolglos. Fast hätte eine 70-jährige Weinheimerin aber bezahlt, um ihren Sohn per Kaution aus dem Gefängnis zu holen. Erst im letzten Moment konnte die Übergabe von über 14 000 Euro verhindert werden.
Den Tathergang schildert die Dame bei einem Telefonat mit unserer Redaktion wie einen Krimi: Gegen 17 Uhr habe sie einen Anruf mit unterdrückter Nummer erhalten, bei dem sich ein Mann als Polizeihauptmann Bach ausgegeben habe. Er berichtete von einem Verkehrsunfall, bei dem der Sohn der Weinheimer Seniorin eine schwangere Frau überfahren habe. Die Frau sei tot, der Sohn sitze jetzt in Untersuchungshaft. Um ihn freizubekommen, sei es unumgänglich, eine größere Summe beim Finanzamt in Mannheim abzugeben.
Hinterlistige Masche
Zunächst war von 65 000 Euro die Rede, als die Seniorin aber erklärte, lediglich rund 10 000 Euro im Haus zu haben, gab sich der angebliche Polizist auch mit dieser Summe zufrieden. Besonders perfide: Um die ältere Dame davon abzubringen, ihren Sohn anzurufen oder sich sonst Hilfe zu holen, wurde sie zu Stillschweigen verpflichtet. Rücksprache mit dem Staatsanwalt sollte per Handy gehalten werden. Somit waren beide Telefone blockiert. Immer wieder wurde der Weinheimerin gesagt, sie dürfe keinesfalls auflegen. „Ich war völlig panisch und hab mich daran gehalten“, berichtet die 70-Jährige am Tag danach im Gespräch mit unserer Zeitung. Um weiteres Geld zu organisieren, sei sie kurz zu ihrer Nachbarin gegangen. Auch sie roch den Braten zunächst nicht, wohl weil die Seniorin aufgrund der vermeintlichen Schweigepflicht nur das Nötigste berichtete. „Wir sind beide eigentlich ziemlich tough, aber das war eine Ausnahmesituation. Ich war fix und fertig“, so die Rentnerin.
Wie verhalte ich mich bei einem Betrugsversuch? Tipps der Polizei
- Die Ermittler weisen wiederholt und eindringlich darauf hin, keine Geldbeträge an fremde Menschen zu übergeben oder an vereinbarten Orten zu hinterlegen.
- Die Polizei holt nie Geld, Schmuck oder Wertgegenstände an der Haustür ab oder lässt diese von Boten abholen. Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
- Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Beraten Sie sich mit Ihrer Familie oder Personen, denen Sie vertrauen.
- Kontaktieren Sie ihre Familie oder Personen unter den Ihnen bekannten Rufnummern.
- Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.
- Wenn Sie selbst Opfer einer Betrugsstraftat geworden sind, dann kontaktieren Sie bitte die für Sie örtlich zuständige Polizeidienststelle. In dringenden Fällen wählen Sie bitte den Polizeinotruf 110.
Die Nachbarin stellte nicht nur weiteres Geld zur Verfügung, sondern bot sich auch an, die Seniorin nach Mannheim zu fahren. „Ein Glücksfall, wie sich später herausstellte“, erklärte die Rentnerin am Dienstag. Denn auf dem Weg zum Finanzamt in der Mannheimer Donaustraße kam den beiden Frauen die Situation dann doch fragwürdig vor. Noch während sie mit ihrem eigenen Handy mit „Polizeihauptmann Bach“ telefonierte, der immer wieder erklärte, sie solle nicht mit Dritten sprechen, googlete die 70-Jährige auf dem Smartphone ihrer Nachbarin, ob es einen Unfall in St. Leon-Rot gegeben hatte, dem Wohnsitz ihres Sohnes. Als sie keine Meldung finden konnte, reifte der Zweifel, ob dort am Ende der anderen Leitung tatsächlich ein Polizist mit ihr sprach. Die Nachbarin fuhr nach einem geflüsterten Hinweis an der Straßenrand – nur 300 Meter vor dem Ort der geplanten Übergabe – und wählt die Nummer des Sohnes. Der Verdacht wurde glücklicherweise bestätigt: Er saß weder in Untersuchungshaft, noch war er überhaupt in einen Unfall verwickelt gewesen.
Große Erleichterung
„Mir fiel ein Stein vom Herzen“, berichtet die Seniorin. Natürlich habe sie das Telefonat mit den Betrügern sofort beendet, die ja in unmittelbarer Nähe warteten. „Wir wollten einfach nur weg. Und dann schnurstracks zur Polizei.“ Dort wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Ob die zur Ergreifung der Täter führt, ist ungewiss. Schließlich wurde mit unterdrückter Nummer angerufen. Die Seniorin jedenfalls wird nach eigenen Angaben nicht mehr an den Apparat gehen, wenn keine Nummer angezeigt wird. „Und das Geld kommt gleich auf die Bank“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, die Menschen vor den Trickbetrügern zu warnen. „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich auf so etwas reinfalle, aber die haben mich regelrecht eingelullt.“ Und wenn sie allein gewesen wäre, wahrscheinlich hätte sie das Geld übergeben.