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Schlossparkrestaurant: Was die Weinheimer zur Bewerbung von Tristan Brandt sagen

Für die Menschen in und um Weinheim bietet die Bewerbung des Spitzenkochs mächtig Diskussionsstoff. Gespannte Erwartung prägt die Stimmung auf der Straße und den bei Nutzern in den sozialen Medien.

Hier lässt es sich fürstlich speisen, wenn Tristan Brandt den Zuschlag für das Restaurant im Weinheimer Schloss bekommt. Foto: Philipp Reimer
Hier lässt es sich fürstlich speisen, wenn Tristan Brandt den Zuschlag für das Restaurant im Weinheimer Schloss bekommt.

Es scheint gewiss, dass Tristan Brandt bald im Weinheimer Schlossparkrestaurant auftischt. Die Vertragsverhandlungen sind fortgeschritten, wie sowohl die Stadtverwaltung als Vermieterin als auch der Spitzenkoch gegenüber unserer Zeitung erklärten. Nächste Woche soll die Unterzeichnung erfolgen.

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Spitzenkoch Tristan Brandt hat sich um die Pacht des Weinheimer Schlossparkrestaurant beworben. Foto: Fabian Mattala
Spitzenkoch Tristan Brandt hat sich um die Pacht des Weinheimer Schlossparkrestaurant beworben.

Was genau geplant ist, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Brandt will ein „spannendes Erlebniskonzept“ anbieten und selbst am Herd stehen.

Was Passanten in Weinheim von dem prominenten Bewerber halten und ob gehobene Gastronomie in der „Guten Stube“ überhaupt eine Chance hat – wir haben bei ihnen nachgefragt:

Ulrike Maus aus Weinheim. Foto: Melissa Richter
Ulrike Maus aus Weinheim.

Ulrike Maus aus Weinheim ist zwiegespalten. „Tristan Brandt ist als Koch sicher ein Erlebnis“, sagt sie. Jedoch hat sie Bedenken, dass das Schlossparkrestaurant wieder zu einer Eventlocation wird wie unter der Vorpächterin Juliane Wasser. „Wenn es zu 75 Prozent Eventgeschäft ist, glaube ich, dass es nicht gut ankommt.“ Gerade in Verbindung mit dem Schlosspark würde sich die 76-Jährige einen Ort wünschen, an dem man nach dem Spaziergang einkehren kann. Doch sie ist gespannt auf das neue Konzept. „Ich möchte das Neue kennenlernen“, erklärt sie.

Thorsten Markert aus Weinheim. Foto: Melissa Richter
Thorsten Markert aus Weinheim.

Thorsten Markert sieht es als Gewinn für Weinheim, wenn Tristan Brandt das Restaurant im Schlosspark pachtet. „Ich finde es toll, wenn so ein hochkarätiger Koch den Zuschlag bekommt.“ Der 51-Jährige hofft, dass das Restaurant ein Hotspot für gutes Essen und ein Mittelpunkt für die Stadt und die Anwohner wird. Doch der Weinheimer hat auch Bedenken. „Dass die Preise zu hoch angesiedelt sind und sich nur Wohlhabende es leisten können“, sagt er. Eine Mischung aus hochwertigen Gerichten, die sich aber möglichst viele leisten können, das ist sein Wunsch für die Neueröffnung.

Beate Hügues aus Leutershausen. Foto: Melissa Richter
Beate Hügues aus Leutershausen.

„Die Preise sollten im Rahmen bleiben“, erklärt Beate Hügues. Zwar würde sich die 64-Jährige freuen, wenn eine gehobenere Gastronomie in das Schlossparkrestaurant einzieht, „aber es soll nicht zu abgehoben sein. Wir sind immer noch in Weinheim und keiner Großstadt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen!“ Zudem hofft die Leutershausenerin, dass sich das Restaurant diesmal hält und nicht wieder so schnell schließt.

Heike Waringer. Foto: Melissa Richter
Heike Waringer.

„Ich würde es super finden, wenn Tristan Brandt nach Weinheim kommt, weil ich sehr gerne gut essen gehe“, erklärt Heike Waringer. Für die Neueröffnung hat sie auch schon konkrete Vorstellungen. Waringer erwartet gute und regionale Qualität. Die 63-Jährige hat Bedenken, dass das neue Schlossparkrestaurant von den Weinheimern nicht angenommen wird. „Aber wenn es wirklich ein Sternekoch ist, wird sich das rumsprechen, sodass die Leute von überallherkommen.“

Paul Kern. Foto: Melissa Richter
Paul Kern.

Paul Kern hat früher selbst im Schlossparkrestaurant gekellnert und arbeitet heute als Food-Journalist in Paris. Er würde sich freuen, wenn jetzt ein Pächter länger im Restaurant im Schloss bleibt. Gerade die Erfahrung, die Tristan Brandt durch seine anderen Projekte sammeln konnte, spreche für ihn, findet Kern. „Ich würde mich schon freuen, wenn es einen Stern für Weinheim gibt“, so der 29-Jährige. Er glaubt, dass es nicht nur „Sterneküche und Kaffeeküche“ gibt, sondern auch viel dazwischen. Deswegen würde man bestimmt etwas finden, das zum Schlossparkrestaurant passt. „Und wenn es zu teuer wird, es gibt auch viel überteuerte Gastronomie am Marktplatz.“

In den sozialen Medien: Hoffnung

Für die Menschen in und um Weinheim bietet die Bewerbung von Spitzenkoch Tristan Brandt als Pächter für das Schlossparkrestaurant mächtig Diskussionsstoff. Gespannte Erwartung prägt die Stimmung auch bei den Nutzern in den sozialen Medien – und die Hoffnung auf eine langfristige Lösung.

Einige freuen sich schon jetzt auf die neue Gastronomie unter der Ägide eines renommierten Kochs. „Das wäre toll für Weinheim!“, jubelt Uwe K. Und auch Jeffrey G. würde sich definitiv freuen, bei Tristan Brandt essen zu können. Er erteilt dem Wunsch nach gutbürgerlicher Küche und einem Kochkäse-Schnitzel für zehn Euro eine Absage: „Schlosspark ist nicht irgendeine Hütte im letzten Kaff im Odenwald.“ Das sieht auch Eric Sch. so: „Das Schlossparkrestaurant muss für Weinheim ein kulinarisches Aushängeschild werden. Es ist immerhin ein Schloss und keine Würstchen- oder Pommesbude!“

„Stern und keine Sternschnuppe“

Vielen Nutzern bereiten die Preise Sorgen, die bei gehobener Gastronomie aufgerufen werden. Sam R. meint: „Wenn ich ,Erlebnisgastronomie‘ lese, dann denke ich nicht, dass Weinheims Bürger sich das öfter leisten können. Die Schließung ist vorprogrammiert.“ Ähnliche Bedenken hat auch Stefanie B.: „Ich wünschte mir etwas Bodenständiges, Bezahlbares, denn wenn’s wieder so was ,Hochgestochenes‘ wird, wird die Stadt bald wieder suchen müssen. Aber warten wir’s mal ab!“ Nic O. befürchtet, dass es für Fine Dining nicht genug Klientel in Weinheim gibt, „obwohl hier einige Reiche leben“.

Für Sabine W. ist vor allem ein Pächter wichtig, der langfristig denkt, damit die Location endlich wieder „Wurzeln“ schlägt. „Stern und keine Sternschnuppe“, bringt sie es auf den Punkt. Beständigkeit hat auch Andreas U. im Blick. Er glaubt kaum, dass Brandt ständig im Schlossparkrestaurant zugegen sein wird. „Wer dann meint, der Maître hat ihm das vermutlich sehr teure Gericht zubereitet, der wäre bestimmt enttäuscht, wenn es so nicht wäre“, schreibt er auf Facebook und ist gespannt, ob die Lokalität nicht spätestens Ende nächsten Jahres wieder leer steht.