Sinkende Kosten: Was steckt hinter dem neuen Vertrag zur Linie 5 in Hirschberg?
Hirschberg spart bei der OEG-Linie mit neuem Vertrag. Doch der Fahrplan-Abend bleibt holprig. Was steckt hinter dem neuen Vertrag zur Linie 5 in Hirschberg?
Hirschberg, 05.12.2025
Verwaltungsausschuss: Neue Finanzierungsvereinbarung für die RNV-Linie 5. Das Land steigt ein.
Gemeinde zahlt weniger für OEG
Hirschberg. Der Hirschberger Verwaltungsausschuss hat die neue Finanzierungsvereinbarung für die RNV-Linie 5 (OEG) verabschiedet. Das letzte Wort hat nun der Gemeinderat, der am 17. Dezember tagt. Der neue Vertrag soll bis 2027 gelten. Das Wichtigste für Hirschberg ist, dass die Gemeinden in den nächsten Jahren jeweils rund 725.000 Euro weniger zahlen.
Ein dickes Lob gab es daher für den Landrat Stefan Dallinger und den Einsatz und die Beharrlichkeit. Für Fragen im Ausschuss standen Sabine Schmitt, Leiterin des Amts für Nahverkehr beim Kreis, sowie RNV-Vertreter Stefan Prüfer zur Verfügung. Nachfolgend die wichtigsten Daten und Fakten.
Warum zahlt Hirschberg künftig weniger für die Linie 5?
Sabine Schmitt, Leiterin des Nahverkehrs beim Rhein-Neckar-Kreis, erläuterte im Verwaltungsausschuss, dass das Land Baden-Württemberg ab 2025 erstmals direkt in die Finanzierung des schienengebundenen ÖPNV einsteigt. Das Land übernimmt 5,5 Millionen Euro, ab 2027 sogar rund 6,6 Millionen Euro. Dadurch sinkt der kommunale Anteil erheblich.
Wie stark wird Hirschberg konkret entlastet?
Nach Schmitts Berechnungen spart die Gemeinde bis 2027 rund 725.000 Euro. Für die Kommunen insgesamt bedeutet der Landeszuschuss in den Jahren 2025 und 2026 jeweils eine Entlastung von etwa zwei Millionen Euro, ab 2027 sogar von rund 2,6 Millionen Euro.
Was passiert mit dem Konzessionsvertrag?
Um die Finanzierung der Linie 5 langfristig zu sichern, soll der Konzessionsvertrag zwischen dem Rhein-Neckar-Kreis und der RNV GmbH verlängert werden. Schmitt betonte, dass dabei vor allem der sogenannte Ausgleichssatz – also die Zahlung pro gefahrenem Nutzzugkilometer – festgeschrieben wird.
Wie entwickelt sich der Ausgleichssatz?
Ein „Sprung“ ist laut Schmitt nicht zu erwarten. Die Sätze steigen nur moderat. Aktuell: 6,28 Euro pro Kilometer; 2026: 6,30 Euro; 2027: 6,55 Euro. Für Hirschberg werden jährlich 117.000 Nutzzugkilometer angesetzt.
Welche Herausforderungen sieht die RNV?
Stefan Prüfer, Vertreter der RNV, machte deutlich, dass der ÖPNV auch mit höheren Zuschüssen ein Defizitbetrieb bleibt. Gründe seien steigende Personalkosten aufgrund von Tarifsteigerungen, laufende Baumaßnahmen sowie ein erhöhter Aufwand im Kundenmanagement. Letzterer resultiere aus dem Erfolg des Deutschlandtickets, dessen Absatz von 150.000 auf rund 250.000 Tickets gestiegen ist.
Warum gibt es dennoch Kritik an der Finanzierung?
FW-Gemeinderat und Betriebswirt Alexander May kritisierte, dass ein Unternehmen mit einem Zuschussbedarf von 37 Prozent kaum betriebswirtschaftlich arbeiten könne. Er regte an, den Deckungsgrad bis 2028 auf 30 Prozent zu verbessern.
Wie reagieren Verwaltung und RNV auf diese Kritik?
Bürgermeister Ralf Gänshirt widersprach: Die RNV könne weder Tarifabschlüsse noch Energiepreise beeinflussen. Prüfer ergänzte, dass der Kostendruck gerade wegen externer Faktoren hoch sei. Gänshirt betonte zudem, dass ÖPNV eine gesellschaftliche Aufgabe sei – vergleichbar mit einem kommunalen Schwimmbad, das häufig nur einen Deckungsgrad von zehn Prozent erreicht.
Gab es auch Kritik am Angebot selbst?
Ja. CDU-Gemeinderat Matthias Dallinger bemängelte, dass der versprochene Zehn-Minuten-Takt am Abend nicht eingehalten werde. Ab 18.30 Uhr sei Hirschberg vom Mannheimer Paradeplatz nicht mehr im gewohnten Takt erreichbar. Er forderte die RNV auf, stärker auf die Qualität und Verlässlichkeit ihres Angebots zu achten. hr