Weinheim/Heidelberg/Mannheim: Alte Straßenbahnen auf der Linie 5 durch neue ersetzt
Ein Generationenwechsel auf der Linie 5: Am Samstag fuhren die fast 60 Jahre alten Straßenbahnen des Typs GT8 zum letzten Mal regulär. Sie räumen das Feld für moderne, barrierefreie Bahnen.
Mannheim/Heidelberg/Weinheim. „Tschüss Gt8“ stand als Fahrtziel auf der Anzeigentafel der „OEG“, nachdem das Fahrzeug am vergangenen Samstag zum letzten Mal auf der RNV-Linie 5 unterwegs gewesen war. Die Altfahrzeuge vom Typ GT8 prägten seit 1966 – also fast sechs Jahrzehnte lang – das Gesicht der ehemaligen Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (OEG). Künftig rollen auch auf der Linie 5 nur noch die neuen Wagen der Rhein-Neckar-Tram.
Auch für die Rhein-Neckar Verkehr GmbH (RNV) markiert die Ausmusterung der letzten Straßenbahn vom alten Typ „das Ende einer Ära“, wie es in einer Pressemitteilung heißt: „Die robusten und zuverlässigen Fahrzeuge waren einst das Rückgrat des Betriebs auf ihrer Stammstrecke, der Rundfahrt zwischen Heidelberg, Weinheim und Mannheim sowie dem Abschnitt nach Heddesheim. Im Laufe der Zeit erlangten die Wagen sowohl bei Fahrgästen als auch unter dem Fahrpersonal einen hohen Beliebtheitsgrad.“
Dennoch seien die Fahrzeuge ab einem gewissen Punkt nicht mehr zeitgemäß gewesen. Die fehlende Barrierefreiheit erwies sich im täglichen Betrieb als nachteilig. Das Ziel, den öffentlichen Nahverkehr auch für Menschen mit Einschränkungen nutzbar zu machen, war mit diesen Bahnen nicht zu erreichen. Mitte der 1990er-Jahre wurden erstmals barrierefreie Fahrzeuge auf dem Streckennetz eingesetzt. Durch die kontinuierliche Auslieferung weiterer und neuerer Bahnen wurde der Anteil der Altfahrzeuge im Gesamtverkehr in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Vor einem Jahr, im Februar 2024, rollten dann die ersten Fahrzeuge vom neuen Typ Rhein-Neckar-Tram (RNT) auf der Linie 5. Jetzt sei es möglich, auch die letzten Altwagen außer Betrieb zu nehmen.
Großteil wird verschrottet
Was passiert mit den ausgemusterten GT8-Wagen eigentlich? Wie die RNV auf Nachfrage erklärte, gibt es davon noch acht Stück. „Zum größten Teil werden die Fahrzeuge verschrottet. Nur der erstgebaute Wagen wird als Fahrschulfahrzeug und für Sonderfahrten erhalten bleiben“, erläuterte ein Sprecher der RNV. Einzelne Wagen würden zudem an private Sammler abgegeben.
Mit der neuen RNT profitieren mobilitätseingeschränkte Fahrgäste sowie Kunden, welche mit Kinderwagen oder Gepäck unterwegs sind, auf allen Fahrten der Linie 5, schreibt die RNV in ihrer Pressemitteilung weiter. Die RNT verfüge zudem über weitere Vorteile wie das moderne Fahrgastinformationssystem in den Fahrzeugen. Kunden könnten auf mehreren Displays Details zum Fahrtverlauf und den nächsten Haltestellen lesen. Auch Anschlussverbindungen, Hinweise zu Betriebsstörungen und zu geplanten Baumaßnahmen werden in Echtzeit angezeigt.
Rundfahrt seit 1956 möglich
Ob mit der Ausmusterung der letzten GT8-Wagen auch die Bezeichnung „OEG“ beziehungsweise „Ög“ als Synonym für die RNV-Linie 5 aus dem Sprachgebrauch vieler Menschen verschwindet, muss abgewartet werden. Bisher hat sich der Begriff im Volksmund erhalten, auch wenn die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft formal ja schon seit 2010 nicht mehr existiert.
Doch davor prägte sie 99 Jahre lang den Nahverkehr an der Bergstraße mit ihren Zügen. Nachdem 1914 die Strecken von Mannheim aus nach Weinheim und 1928 nach Heidelberg elektrifiziert wurden, dauerte es bis 1956, ehe auch der Abschnitt zwischen Schriesheim und Weinheim elektrisch eröffnet werden konnte. Ab diesem Zeitpunkt war auch die bis heute bestehende Rundfahrt möglich.
Eingeläutet wurde das Ende der eigenständigen OEG im Jahr 2000, als die MVV einen großen Aktienanteil übernahm. Kurz darauf wurde sie in MVV OEG AG umbenannt, ehe im Jahr 2010 die Bezeichnung OEG ganz aus dem Handelsregister gelöscht wurde. In Weinheim bleibt die Abkürzung indes erhalten – mit der Haltestelle „Alter OEG-Bahnhof“. (tak/pro)