Polizei

Von Großbrand bis Einbruch: Die ersten 100 Tage der Weinheimer Revierleiterin

Im Gespräch mit der WN/OZ erklärt Polizistin Maren Rimmelspacher, welche Herausforderungen sie als Weinheims neue Revierleiterin meistern musste. Und sie verrät, weswegen ihr das Imperium im Nacken sitzt.

Revierleiterin Maren Rimmelspacher ist das Miteinander wichtig – im Kollegium und in der Gesellschaft. Foto: Melissa Richter
Revierleiterin Maren Rimmelspacher ist das Miteinander wichtig – im Kollegium und in der Gesellschaft.

Weinheim. Wenn Revierleiterin Maren Rimmelspacher an ihrem Schreibtisch sitzt, arbeitet sie immer mit dem Imperium im Nacken. Unter einer bunten Tafel mit der Dienstplanung und neben der Comic-Kultfigur „Groot“ steht nämlich ein Miniatur-Todesstern von Star Wars. Den hat die 44-Jährige, die bis vor Kurzem Leiterin eines IT-Projekts war (siehe Infobox), von ihrem Team geschenkt bekommen. „Das hat den Hintergrund, dass er ein bisschen aussieht wie die Schnittstellen des Systems, mit dem wir gearbeitet haben“, sagt Rimmelspacher. „Aber ich bin schon ein bisschen ‘nerdig’ unterwegs“, gibt sie zu und lacht.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Von Laudenbach bis Schriesheim

Seit Donnerstag vor exakt 100 Tagen leitet Maren Rimmelspacher die Geschicke im Revierbereich Weinheim. Einem Gebiet, das sich von Laudenbach im Norden bis Schriesheim im Süden erstreckt. Und Langeweile kam in ihrem ersten Vierteljahr keine auf. Bereits kurz nach Rimmelspachers Amtsantritt Mitte Oktober rollte eine Einbruchswelle an, die die Polizisten aus Weinheim und der Umgebung auf Trab hielt (wir haben berichtet). „Da haben wir in unserem Revierbereich ziemlich schnell die Tabelle angeführt. Neulich hatten wir einmal einen Tag ohne einen Wohnungseinbruch. Da habe ich ein rotes Sternchen in den Kalender gemacht.“ Es sei leider kein ganz neues Problem. Die Einbruchsdelikte seien lediglich während der Pandemie zurückgegangen. „Wir liegen hier einfach ziemlich günstig für Einbrecher. Über den Odenwald und die Autobahnen können Täter schnell abhauen. Und es gibt viele attraktive Grundstücke“, erläutert sie. Gegenmaßnahmen ließen nicht lange auf sich warten. Regelmäßig finden Kontrollen im Verkehr statt. Und auch die Streifenpräsenz hat das Revier als Antwort auf die vielen Einbrüche deutlich erhöht. Wie hoch die Fallzahlen genau sind, bei dieser Frage verweist die Polizistin auf die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2024, die erst noch veröffentlicht wird.

Ein Bildausschnitt einer Überwachungskamera: Zwei vermummte Gestalten sind um sein Haus geschlichen, wurden von der Kamera erfasst und das Bild wurde per Liveübertragung auf sein Smartphone geschickt. Foto: privat
Ein Bildausschnitt einer Überwachungskamera: Zwei vermummte Gestalten sind um sein Haus geschlichen, wurden von der Kamera erfasst und das Bild wurde per Liveübertragung auf sein Smartphone geschickt.

Großbrand im Miramar

Auch große Einzelereignisse stachen in ihren ersten 100 Tagen hervor. Etwa der Großbrand im Miramar Anfang Dezember, als ein Feuer die Salz- und Kristalltherme im Erlebnisbad zerstörte und einen Schaden von mehr als zehn Millionen Euro hinterließ. Bei solchen Großereignissen klingelt natürlich das Telefon einer Revierleiterin auch zu später Stunde, weil sie beim Einsatz gefragt ist. Ein weiterer einschneidender Vorfall ereignete sich nur wenige Wochen später. Ende Dezember bedrohte ein 26-Jähriger auf einem Firmengelände in Hirschberg, mit Messer und Beil bewaffnet, die hinzugerufenen Polizisten. Die Beamten stoppten den Ukrainer mit einem Schuss. Er schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr.

Im Weinheimer Freizeitbad Miramar ist an einem späten Sonntagabend im Dezember ein Feuer ausgebrochen. Foto: Carsten Propp
Im Weinheimer Freizeitbad Miramar ist an einem späten Sonntagabend im Dezember ein Feuer ausgebrochen.

Nach solchen Fällen ist die Revierleiterin ebenfalls gefragt. Nicht als Ermittlerin – die internen Untersuchungen übernimmt vorschriftsgemäß das Landeskriminalamt. Stattdessen, wie es sich jeder Mitarbeiter wünscht, wenn es ihm schlecht geht, befindet sich die Vorgesetzte in der Rolle der Kümmerin. „Hauptsächlich müssen Beamte dann erst einmal aus dem Geschehen genommen werden und man muss sich schnell um eine psychosoziale Betreuung kümmern“, so Rimmelspacher. Es gebe nach einem polizeilichen Waffengebrauch viele Regelungen, die es zu erfüllen gilt. Innerhalb des Kollegiums gehe es aber kurz gesagt darum, füreinander da zu sein.

Das tolle Team, derzeit bestehend aus rund 80 Polizisten, hat der Revierleiterin den Einstieg erleichtert. „Wir haben nun wirklich nicht immer schöne Arbeitstage“, so Rimmelspacher, die selbst im Streifendienst in Mannheim groß geworden ist. Aber ein gutes Kollegium könne hier vieles auffangen. Und überhaupt: „Die Arbeit im Team: Das ist doch, was den Job bei der Polizei ausmacht“, sagt die 44-Jährige.

Sorge um Kollegen

Das Miteinander ist Maren Rimmelspacher allgemein ein wichtiges Anliegen. Mit Sorge betrachtet sie die steigenden Zahlen bei Übergriffen auf Einsatzkräfte.

„Allein vergangene Woche war es wieder zweimal der Fall. Es gibt bei uns viele junge Leute, aber auch Familienmütter und -väter arbeiten hier. Mir ist sehr daran gelegen, dass sie von ihren Diensten wieder wohlbehalten nach Hause kommen“, erläutert die Revierleiterin. Woher dieser Negativtrend kommt? Rimmelspacher führt das auf unterschiedliche Ursachen zurück. Oft handele es sich bei den Tätern um psychisch Erkrankte.

Der Umgang mit Polizei, Feuerwehr und Co. sei aber auch immer in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu setzen. Was die Vorbildfunktion anbelangt, sehe sie alle Akteure in der Verantwortung – egal ob Politik, Sport oder Medien. „Es mag etwas blauäugig von mir sein, aber wenn jeder von uns seinen Beitrag für ein besseres Miteinander leistet, ist auch allen geholfen.“