Persönlich

Vom Schriftsetzer zum IT-Experten: Weinheimer erlebt technischen Wandel hautnah

Seine Karriere bei den DiesbachMedien in Weinheim begann quasi mit einer Australienreise und eisigem Schweigen der Kollegen. Heute ist Oliver Schilling eine prägende Persönlichkeit im Verlag.

Geschäftsführer Nicolas Diesbach (links) und Oliver Schilling beim Fachsimpeln über alte Druckmaschinen, die vor 40 Jahren im Einsatz waren, als Schilling seine Lehre als Schriftsetzer bei den DiesbachMedien begann. Foto: Fritz Kopetzky
Geschäftsführer Nicolas Diesbach (links) und Oliver Schilling beim Fachsimpeln über alte Druckmaschinen, die vor 40 Jahren im Einsatz waren, als Schilling seine Lehre als Schriftsetzer bei den DiesbachMedien begann.

Weinheim. An seinem Berufsstart kann sich Oliver Schilling gut erinnern. Mit zwei Wochen Verspätung trat er im August 1986 seine Lehrstelle bei den DiesbachMedien in Weinheim an, weil er sich einen Traum erfüllte: Er hatte – lange, bevor er seine handschriftliche Bewerbung als Schriftsetzer-Lehrling abgegeben und eine Zusage erhalten hatte – nämlich eine Reise nach Australien gebucht.

„Ich wurde ignoriert“

So kam es, dass er erst am 18. August zur Arbeit erschien, einen Tag nach seiner Rückkehr aus „Down Under“. Obwohl er schon zwei Jahre zuvor ein Praktikum im Verlag bei Karl Hoger absolviert hatte, „waren die ersten beiden Wochen der Ausbildung echt hart. Ich wurde einfach ignoriert“, erinnert sich der heute 57-Jährige mit einem Schmunzeln.

„Mit den Augen lernen“

Ob es an seiner „Verspätung“ lag oder daran, dass er in seiner Bewerbung geschrieben hatte, ihm bereite „der Umgang mit dem Computer viel Freude“, lässt sich heute nicht mehr klären. Doch Schilling ließ sich davon nicht entmutigen: „Da habe ich gelernt, mit den Augen zu lernen.“ Diese Eigenschaft – gepaart mit seiner erfrischenden Neugierde für alles, was mit Technik und Computern zu tun hat – habe ihm auch später vieles erleichtert. Tatsächlich gehörte der klassische Bleisatz anfangs noch zu den Aufgaben, mit denen der junge Lehrling konfrontiert wurde, obwohl damals der Übergang zum Fotosatz in der Zeitungsherstellung bereits vollzogen war. „Zur Übung musste ich ein Gedicht von Hermann Hesse setzen“, weiß Schilling aus seiner Anfangszeit zu berichten, die ihn im Hinblick auf sein Gespür für Schriften und Design bis heute prägt.

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In der Freizeit bei der TSG Weinheim aktiv

„Der technische Wandel in der Zeitungsbranche war vom ersten Tag an sein ständiger Begleiter“, blickte Geschäftsführer Nicolas Diesbach bei der Feier im Kreise der Kollegen auf den Werdegang Schillings zurück. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Lehre und einem dank des Mauerfalls auf neun Monate verkürzten Wehrdienst besuchte Schilling abends die Meisterschule, die er 1994 erfolgreich abschloss – gemeinsam mit seinen damaligen Kollegen Karl Klemm und Thomas Ehret.

Trotz der beruflichen Belastung engagierte sich Schilling in seiner Freizeit schon früh ehrenamtlich bei der TSG 1862 Weinheim. Bis heute bringt er sich dort als Leiter der Handballabteilung ein.

Im Kreise der Kollegen hat sich Schilling im Laufe der Jahre hohe Wertschätzung erworben. Als „immer freundlich, stets den Menschen zugewandt, zuverlässig und extrem loyal gegenüber dem Unternehmen“ beschrieb Diesbach den Jubilar, weshalb er sehr dankbar sei für die Lebensleistung. „Hoffentlich bleibst du uns noch lange erhalten“, machte der Geschäftsführer deutlich, dass Schilling eine „prägende Persönlichkeit“ für den Verlag sei.

Karriere im Verlag

Da verwundert es nicht, dass der Weinheimer im Unternehmen auch Karriere machte. Zunächst übernahm er für sieben Jahre Verantwortung für seine Kollegen als Vorsitzender des Betriebsrates. Im Jahr 2000 wurde Schilling dann zum Leiter der Abteilung Zeitungsvorstufe berufen, die sich damals vor allem um die technischen Abläufe der Zeitungsproduktion kümmerte. Die Einführung neuer Redaktionssysteme gehörte aber ebenso zu seinen Aufgaben wie die Vorbereitung und Weiterentwicklung der digitalen Zeitung.

Darüber hinaus profitierte der Verlag in allen Bereichen von seinem Fachwissen im Bereich der IT. Folgerichtig wurde er Anfang dieses Jahres zum Leiter der gesamten IT ernannt – als „Head of Systems, Processes and Production“.

Viel Lob und Anerkennung gab es auch von der Belegschaft. Im Namen des Betriebsrats dankte Daniel Götz dem Jubilar für „sein stets offenes Ohr“. Wolfgang Schlösser würdigte im Namen der Kollegen, aber auch als Freund die gute Zusammenarbeit über alle Abteilungen hinweg. Als Abschluss des offiziellen Teils überreichte Nicolas Diesbach dann noch die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg, unterschrieben von Ministerpräsident Cem Özdemir.