Totengedenken

Von der Gründung bis zur Gegenwart: die Hemsbacher Feuerwehr

Brandschützer feiern ihr 130-jähriges Bestehen und gedenken auf dem Friedhof ihren Kameraden. Was den Hemsbacher Feuerwehrleuten besonders wichtig ist.

Die freiwillige Feuerwehr gedachte auf dem Friedhof ihrer Kameraden. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die freiwillige Feuerwehr gedachte auf dem Friedhof ihrer Kameraden.

Hemsbach. Der Verstorbenen zu gedenken sei eine Wertschätzung, ein Blick in die Vergangenheit, aus dem Kraft und Mut für die Gegenwart geschöpft werden kann. Bürgermeister Jürgen Kirchen betonte zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 130-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr, dass die Verbundenheit zwischen Brandschützern, Stadt und Bürgern sehr groß sei. „Und ich bin mir sicher, dass dies auch so bleiben wird. Wir Hemsbacher wissen, was wir an unserer Freiwilligen Feuerwehr haben und dass man sich auf sie stets verlassen kann“, so der Rathauschef.

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Die Brandschützer hatten sich zu einem Totengedenken mit Fackeln, Grablichtern und Musik vor der Kapelle auf dem Friedhof versammelt. Mit einer kleinen ökumenischen Andacht wollten sie so auch die Verstorbenen in die Feier mit einbinden. Pfarrer Klaus Rapp erklärte, wer die Toten ehre, der erfülle einen wesentlichen Wert der christlichen Religion. „Religion, das kann mit Rückblick übersetzt werden“, so der Geistliche. Durch das Sichbegegnen in Gedanken gebe man dem Damals eine Bedeutung fürs Heute. „Sie setzten sich für die Sicherheit ein, gaben ihr Wissen weiter.“ Dass heute wichtige Werte gelebt werden, sei also auch der Verdienst der Verstorbenen.

Die Feuerwehrleute zogen auf dem Weg zum Gottesdienst mit Musik durch die Stadt. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Feuerwehrleute zogen auf dem Weg zum Gottesdienst mit Musik durch die Stadt.

Der Gegenwart verpflichtet

Pfarrer Rapp stellte fest, dass die Feuerwehr immer der Gegenwart, dem heutigen Leben verpflichtet sei. „Oder wollen Sie mit alten Löschwagen die Brände von heute löschen? Das geht nicht.“ Man müsse richtige Entscheidungen treffen, das Wertvolle transportieren und daraus Neues weiterentwickeln. Auch religiös wurde das Gedenken aufgearbeitet: „Der Schöpfer, der uns beim Namen nennt, der uns kennt und der weiß, dass wir durch Ströme gehen und Angst haben, dass wir durchs Feuer gehen und Angst haben. Aber wir sind nicht alleine, können uns aufeinander verlassen. Sie haben die Kameraden. Aber Sie haben auch Gott.“ Er sei bei den Menschen. Und dies könne man sich nicht erkaufen oder verdienen. „Das ist ein Geschenk.“ Klaus Rapp lobte, dass die Feuerwehrleute nicht nach Stand oder Position fragen: „Braucht ein Mensch Hilfe, dann sind sie da. Sie retten, sie geben dem Abschied Würde und stehen auch den Angehörigen bei.“

Auch Bürgermeister Kirchner hob dies hervor und dankte für „den Dienst am Nächsten“. Am 5. Februar 1895 hatten 74 Männer die Freiwillige Feuerwehr im „Ratskeller“ gegründet. „Eine weitreichende Entscheidung, die schon damals von einem großen Gemeinsinn und einer großen Verantwortungsbereitschaft zeugte“, sagte der Rathauschef. Damals sei es ausschließlich um Brandbekämpfung gegangen. Doch die Anforderungen und Herausforderungen seien im Laufe der Zeit vielfältiger und komplexer geworden, die Gefahrenlagen komplizierter. „Spezialkenntnisse und einen immer aktuellen Ausbildungsstand sind daher heute unabdingbar, um in den verschiedensten Notlagen helfen zu können“, so Kirchner.

Unverzichtbar für die Feuerwehrleute: Kameradschaft

Dabei sei vor allem eines unverzichtbar, „nämlich das, was alle Feuerwehren bereits von Beginn an prägt und unsere Wehr in besonderem Maße vorlebt: die Gewissheit, sich immer aufeinander verlassen zu können“. Kirchner befand: Kameradschaft sei deshalb für die Angehörigen der Feuerwehr alles andere als ein altmodisches Wort. „Kameradschaft kommt auch nicht aus der Mode. Die Männer und seit 1984 auch Frauen von der Feuerwehr sind seit jeher Kameraden im besten Sinne, bilden ein wirkliches Team, ob bei Einsätzen, Übungen oder auch bei geselligen Unternehmungen.“

Sie alle hätten in den vergangenen 130 Jahren viel zur Sicherheit in der Stadt beigetragen, auch wenn sie um Leben und Gesundheit, um Hab und Gut ihrer Mitmenschen zu schützen, sich oft genug selbst in Gefahr begeben hätten. „Hemsbach konnte, kann und wird sich immer auf unsere Feuerwehr verlassen. Wir alle wissen das Engagement zu schätzen, das ihr an den Tag legt. Eure Haltung zeugt von großem Bürger- und Gemeinsinn und viel Verantwortungsbewusstsein.“

Pfarrerin Corinna Seeberger las aus dem Buch Jesaja: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.“ Im Anschluss zog die Feuerwehr mit Fackeln und Musik durch die Stadt zu einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Laurentius-Kirche