Führerschein: Warum in Weinheim und der Region immer mehr Fahrschüler scheitern
Viele Jugendliche schaffen den Führerschein nicht im ersten Anlauf. Fast die Hälfte fällt bei den Prüfungen durch. Fahrlehrer Markus Gauch hat Fahrschulen in Weinheim und Mörlenbach – er spricht über die Gründe.
Weinheim. Immer mehr Jugendliche fallen bei den Führerscheinprüfungen durch. Vor allem die Theorieprüfung ist eine große Hürde. Hier bestehen die meisten Fahrschüler die Prüfung nicht. Im Jahr 2023 lag die bundesweite Durchfallquote bei 49,55 Prozent – in Baden-Württemberg liegt sie mit 54,34 Prozent sogar noch höher. Auch bei Markus Gauch, Leiter der Fahrschule Gauch mit Standorten in Weinheim und Mörlenbach, bestätigt sich der Trend. Für ihn hat das mehrere Gründe, die er im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert.
Seit 36 Jahren ist Gauch Fahrschullehrer und hat somit die Veränderungen zwischen früher und heute hautnah miterlebt. „Die Theorieprüfung wird immer schwieriger“, weiß er: „Früher waren es insgesamt 400 Fragen, jetzt sind es 1.187.“ Durch die neue Technologie in den Autos oder die verschiedenen Kraftstoffe kommen auch immer mehr Fragen dazu. Allein für die verschiedenen Tankstellen mit alternativen Kraftstoffen – LPG („Liquid Petroleum Gas“) für Autogastankstellen, CNG („Compressed Natural Gas“) für Erdgastankstellen und H2 („Wasserstoff“) für Wasserstofftankstellen – gibt es drei unterschiedliche Verkehrsschilder.
Fragen zu älteren Schildern, die laut dem Fahrlehrer nicht mehr so relevant sind wie früher, werden hingegen nicht gestrichen. Als Beispiel zählt er hier das blaue Schild mit dem Reifen und der Schneekette auf. „Kaum einer benutzt heute noch Schneeketten“, so Gauch. Auch das Schild mit dem orangenen Umlenkungspfeil, das auf den Autobahnstrecken zu finden ist, sei laut ihm nicht mehr wichtig. „Mittlerweile hat fast jeder ein Navi oder ein Handy, das die schnellste Route zeigt“, sagt Gauch.
Zu leichtsinnig in die Prüfung
Die hohe Anzahl an Fragen ist nach Ansicht des Fahrlehrers nicht allein der Grund für die hohe Durchfallquote. „Viele lernen einfach zu wenig“, erklärt er. Einige Fahrschüler würden zu leichtsinnig in die Prüfung gehen und wären dann überrascht, wenn sie bei 30 Fragen über zehn Fehlerpunkte haben. Für Gauch besteht die theoretische Prüfung aus drei Anforderungen: „Ein Drittel ist das Auswendiglernen, ein Drittel ist das Verstehen und das letzte Drittel ist die Logik.“ Für das Bestehen gibt Gauch einen Tipp für den Alltag: „Wenn die Fahrschüler bei ihren Eltern im Auto mitfahren, könnten sie mehr auf die Schilder und die Umgebung achten, anstatt auf dem Handy zu daddeln.“
App mit Übungen für Weinheim
Auch wenn das mobile Gerät natürlich für das Lernen wichtig ist. Das funktioniert seit ein paar Jahren mit einer App, die auf die theoretische Prüfung vorbereitet. „Wir haben extra 52 Stellen aus Weinheim in die App eingebaut“, erklärt Gauch. „Aber die Hälfte der Schüler schaut es sich nicht einmal an“, bedauert er. Deswegen bietet er seinen Fahrschülern vor der Fahrstunde zusätzlich Papierbögen mit den Fragen der Theorieprüfung an. Die Lösungen hat der Fahrlehrer dann als Schablone – so wie früher. „Dadurch kann ich sehen, was die Jugendlichen wirklich können. Und das merken sie dann auch selbst.“
Der niedrige Preis für die Prüfung spielt ebenfalls eine Rolle bei der hohen Durchfallquote. „Die Theorieprüfung kostet nur 24,99 Euro. Das ist im Vergleich zur praktischen Prüfung nicht viel“, so Gauch, der weiß: „Deswegen wird es leichtfertiger hingenommen, wenn man durch die Prüfung fällt und sie wiederholen muss.“ Nicht nur der finanzielle, sondern auch der sprachliche Hintergrund kann eine Rolle bei den Prüfungen spielen. Denn von den Prüflingen in der Fahrschule haben circa 60 Prozent einen Migrationshintergrund. Für die theoretische Prüfung spielt das keine Rolle, denn sie kann in zwölf Fremdsprachen absolviert werden. Doch schon während der Fahrstunden kann die Sprachbarriere zum Problem werden. Und auch bei der praktischen Prüfung auf Deutsch können mangelnde Sprachkenntnisse zur Hürde werden.
Mehr Verkehr als früher
Die Herausforderungen der praktischen Prüfung haben aber noch weitere Aspekte. „Durch den vielen Verkehr ist die Praxisprüfung schwerer geworden“, erklärt Gauch. Mehr Autos, Fahrradfahrer und E-Roller machen es für die Fahranfänger nicht leicht. Zudem ist die Prüfung länger geworden als früher: Die Dauer wurde auf 55 Minuten erhöht. Davon sind 45 Minuten reine Fahrzeit und zehn Minuten das Abfragen von technischen Fragen. Hierunter fallen zum Beispiel Fragen nach der Funktionsweise des Fernlichts oder das Erklären und Anwenden der Fahrassistenten.
Und die praktische Prüfung?
Bundesweit lag die Durchfallquote in der praktischen Prüfung im Jahr 2023 bei 42,36 Prozent. Diesen Wert kann Markus Gauch nach eigenen Angaben weit unterbieten. Bei seiner Fahrschule fielen nur zehn Prozent in der Praxis durch. „Der große Unterschied von der Theorie- zu der Praxisprüfung ist natürlich schade. Manche der Schüler sind gute Fahrer, schaffen die Theorie aber nicht“, bedauert er. Wer durchfällt, braucht nicht nur länger, sondern zahlt auch mehr. Gauch: „Bei mir schafft man den Führerschein im Optimalfall in vier Monaten. Der reguläre Führerschein kostet bei unserer Fahrschule ungefähr 2.500 Euro.“
Natürlich hängt der Preis vor allem von der Anzahl der Fahrstunden ab, die ein Schüler benötigt. Nach Angaben des ADAC reicht die Preisspanne von 2.500 bis 4.500 Euro.
Was kann man verbessern?
Welche Verbesserungsvorschläge hat Markus Gauch, um die Durchfallquote bei der Theorieprüfung zu senken? „Ich würde die Fragen generell reduzieren, mindestens 300 Stück weniger“, schlägt Gauch vor. Zudem empfiehlt er seinen Fahrschülern in Weinheim und Mörlenbach, mehr auf ihre Umgebung zu achten. Und beim Lernen einen Gang hochzuschalten.