Warum der schöne Pfarrer nach Mannheim wechselt
Friedel Goetz, ein Pfarrer mit einem unkonventionellen Stil, steht vor einem bedeutenden Karriereschritt. Er verlässt seine Gemeinde in Großsachsen.
Er sieht gut aus, ist groß, trägt lange Haare, kleidet sich gerne modisch und besitzt einen akademischen Grad. Wer den 37-Jährigen auf der Straße oder in der Kneipe trifft, denkt bestimmt nicht daran, dass Friedel Goetz evangelischer Pfarrer ist: „Der erste visuelle Eindruck ist zwar wichtig und hilft, aber wenn nicht mehr kommt, hat man schnell verspielt. Für einen Gottesdienst reicht dies vielleicht, aber nicht für das ganze Jahr.“
Zur Person Friedel Goetz
Pfarrer Friedel Götz wurde am 20. Dezember 1986 in Freiburg geboren.
Familie: verheiratet mit Elena Moghaddam-Goetz, zwei Kinder: Karl (fünf Jahre) und Ophelia (drei Jahre).
Beruflicher Werdegang: Zivildienst in Palermo. Er studierte Evangelische Theologie in Berlin, München, Rom und Heidelberg. Nach dem Vikariat in der CityGemeinde Hafen-Konkordien und seiner Ordination in der Mannheimer Hafenkirche wechselte er 2017 in den Probedienst nach Weinheim und 2018 in die Gemeinde Hirschberg-Großsachsen, wo er seit Januar 2020 als Gemeindepfarrer tätig ist.
Hobbys: Fußball spielen, reisen, lesen und in Kneipen gehen.
Für die kleine Kirchengemeinde in Großsachsen mit ihren 1400 Mitgliedern bedeutet sein Weggang einen herben Verlust. Für den jungen und dynamischen Theologen, der am Sonntag offiziell verabschiedet wird, ist seine neue Stelle in der ChristusFriedenGemeinde in der Mannheimer Oststadt eine tolle Herausforderung. Mannheim ist für Goetz ein Karriereschritt. Zudem bekommt er dort eine 100-Prozent-Stelle, in Großsachsen waren es nur 75 Prozent.
Er liebt den urbanen Stil
Die Großstadt Mannheim kommt ihm sehr entgegen. „Ich liebe den urbanen Lebensstil“, betont er. Bestes Beispiel für seine Lebensart sind seine Stationen in Berlin, München, Rom oder Mailand. Zudem reist der verheiratete Vater von zwei Kindern gerne.
Die „schöne Art des Lokalpatriotismus“, die er während seiner fünfjährigen Tätigkeit in Großsachsen erfahren hat, weiß er ebenfalls zu schätzen. „Diesen Lokalpatriotismus finde ich gut. Aber das Christentum heißt auch, keine Mauern aufzubauen und andere auszugrenzen. Dies ist hier nicht geschehen. Dies gefällt mir“, zeigt er sich sehr dankbar über die vielen positiven Erfahrungen. Die Menschen sind ihm ans Herz gewachsen: „Ich gehe nicht im Zorn, sondern bin voller Dankbarkeit für die gute Zeit. Mir wurde viel Verständnis und Sympathie entgegengebracht. Die Menschen wollen hier mit anpacken. Das habe ich immer gespürt.“
Vorfreude auf neue Aufgabe
Der Abschiedsgottesdienst wird für ihn bestimmt ein bewegender Moment. Auf der anderen Seite herrscht bei ihm eine Vorfreude auf die neue Aufgabe in Mannheims Oststadt. Er erklärt dies auch mit seiner Neugierde. Was ihn in der Quadratestadt ab 1. Februar erwartet, weiß er noch gar nicht genau: „Ich arbeite im Team und habe unterschiedliche Arbeitsbereiche. Ich denke, ich werde viel mit Jugendlichen arbeiten.“
Die Zeit des „Allrounders oder Einzelkämpfers“ wie in Großsachsen wird vorbei sein. „Ja, ich hatte hier ein tolles Pfarramt, tolle Kontakte zu Kirchengemeinderat und Kindergarten. Doch am Ende war ich für alles zuständig. In Mannheim ändert sich dies, weil wir ein Team sind“, beschreibt er seine neue Aufgabe.
Bittere Erfahrungen mit Corona
Während seines Probedienstes in der Weinheimer Weststadt erzählte ihm die Pfarrerin Simone Britsch etwas über ihre alte Dienststelle im „schönen Hirschberger Ortsteil Großsachsen“. Goetz wagte den Karriereschritt und nahm die Herausforderung an. Knapp zwei Monate nach der offiziellen Amtseinführung in der evangelischen Kirche im November 2021 folgte der Schock: Corona. Das Gemeindeleben wurde komplett lahmgelegt. „Das war sehr unangenehm. Diese Erfahrung gleich zu Beginn meines Berufslebens zu machen, war schon heftig. Wir hingen alle in der Luft. Schade, denn wir wollten viel gestalten, konnten dies aber nicht.“
Erst eineinhalb Jahre später konnte das Gemeindeleben richtig starten. Goetz freut sich, dass trotz alledem viel umgesetzt wurde. Er nennt die Kinderchöre, die Kinderfreizeit oder den Kinderkreis. „Die Zusammenarbeit mit Pfarramt, Kirchengemeinderat und Kindergarten klappte immer sehr gut“, lautet sein Fazit. Die „Großsachsener Zeit“ ist noch in einer anderen Hinsicht prägend für ihn. Goetz war nicht nur Pfarrer, sondern auch Familienvater. Denn seine Kinder Karl und Ophelia wurden hier geboren. Zudem heiratete er kirchlich: „Die Anteilnahme im Dorf war schon sehr wertschätzend.“
Die zupackende Art der Großsachsener bleibt ihm ebenfalls gut in Erinnerung: „Die Menschen haben hier auch Lust, nachzudenken und sich intellektuell auseinanderzusetzen.“ Was genervt hat, war die leidvolle Strukturdebatte in der evangelischen Kirche. Großsachsen bleibt davon möglicherweise verschont. Eine Schließung des Gemeindehauses oder gar die Zusammenlegung mit anderen Kirchengemeinden konnten abgewendet werden.
Zu seiner Nachfolgeregelung kann er nichts sagen. Der Oberkirchenrat habe aber eine Person im Blick, die sich im Februar vorstellen werde.
Amtseinführung
Die Amtseinführung von Friedel Goetz soll am 18. Februar bei einem Gottesdienst erfolgen. Für ihn bedeutet dies auch eine Rückkehr nach Mannheim. Denn von 2015 bis 2017 verbrachte er sein Vikariat in der CityGemeinde Hafen-Konkordien. Danach wechselte er in den Probedienst nach Weinheim. Auf Kinder- und Jugendarbeit, Seelsorge und Kontakte zu jungen Erwachsenen freut er sich jetzt schon.
Auch seine Funktion als Polizeiseelsorger wird er in der Quadratestadt fortsetzen. Noch ein anderer Punkt lockt ihn nach Mannheim. Goetz geht gerne unter Leute und in Kneipen, trinkt dort Bier oder Wein und führt gute Gespräche. Im Mannheimer Stadtteil Jungbusch sollte dies bestimmt möglich sein. Derart gute Gespräche führte er auch im Wirtshaus „Zum Weißen Lamm“ in Großsachsen. Zweimal fand dort ein „Kneipengottesdienst“ statt. Friedel Goetz sprach dabei die geistlichen Worte, Matz Scheid sorgte für die Musik. Und die Gäste hatten ihren Spaß daran.
Trainer Streich als Vorbild
Der scheidende Großsachsener Pfarrer hat noch ein weiteres Hobby: der 37-Jährige kickt gerne. „Vorne im Sturm da fühle ich mich wohl.“ Ein Stadionbesuch beim Waldhof sollte in seiner Mannheimer Zeit bestimmt drin sein. Ansonsten hängt sein Fußballherz aber am SC Freiburg. Als gebürtiger Freiburger ist er schließlich bekennender Fan des Vereins.
Der Pfarrer ist zudem glühender Anhänger des legendären Freiburger Trainers Christian Streich: „Der schafft es, in den Mühlen des Fußballs zu sein, und zudem authentisch zu bleiben. Er ist direkt und offen. Das ist mein Vorbild“, schwärmt Goetz.
Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Friedel Goetz ist am Sonntag, 21. Januar, ab 16 Uhr in der Kirche. Die Verabschiedung findet unter Mitwirkung des stellvertretenden Dekans Stefan Royar, des Kirchengemeinderatsvorsitzenden Jens Otte sowie des Kirchen- und Posaunenchores statt. Auch der Musiker Matz Scheid wird spielen. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde zum Sektempfang im Gemeindehaus ein.