Weinheim

Weinheimer Feuerwehr lernt Einbruchstechniken vom Profi

Die Feuerwehr Laudenbach und ihre Kollegen aus der Region haben sich kürzlich in einem Seminar mit Schlossermeister Karl-Heinz Volk aus Ravensburg weitergebildet. Der Fokus lag auf Notfalltüröffnungen, eine Aufgabe, die laut Alexander Bartmann, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Laudenbach, immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Zahlen unterstreichen diese Aussage: Von 31 Einsätzen in Laudenbach waren sechs Türöffnungen, in Weinheim waren es 64 von 472.

Bei einem Seminar lernten die regionalen Feuerwehrleute, wie sie Türen öffnen, ohne viel Schaden zu hinterlassen. Foto: Fritz Kopetzky
Bei einem Seminar lernten die regionalen Feuerwehrleute, wie sie Türen öffnen, ohne viel Schaden zu hinterlassen.

Retten, Löschen, Bergen, Schützen: Das Aufgabengebiet der Feuerwehr ist bekanntermaßen groß. Eine zunehmend wichtigere Rolle spielen auch die Notfall-Türöffnungen. „Sie ist mittlerweile Kernaufgabe“, erklärt Alexander Bartmann, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Laudenbach. Dementsprechend wichtig ist die Expertise: Hierfür nahmen die Feuerwehren der Region jüngst an einem Seminar mit Schlossermeister Karl-Heinz Volk aus Ravensburg (siehe weiteren Artikel) teil.

Die Zahlen sprechen für sich: Von den 31 Einsätzen, die die Feuerwehr Laudenbach in diesem Jahr hatte, waren sechs Türöffnungen. Die Abteilung Stadt in Weinheim kam bei ihren 472 Einsätzen auf 64. Die Tendenz: steigend. „Das hat mit dem demografischen Wandel zu tun“, erklärt Feuerwehrmann Bartmann. Immer mehr Senioren, das bedeute auch immer mehr Menschen, die zurückgezogener und einsamer leben. Wenn bei diesen der Verdacht oder die Erkenntnis vorliegt, dass sie sich in einer verschlossenen Wohnung in Gefährdungslage befinden, rückt die Feuerwehr aus, um die Tür zu öffnen.

Mit Volks Erfindung lässt sich der Hebel des Fensters im Handumdrehen drehen. Foto: Fritz Kopetzky
Mit Volks Erfindung lässt sich der Hebel des Fensters im Handumdrehen drehen.

In der Praxis wird dann oftmals brachial vorgegangen: „Das Ziehen des Schließzylinders war jahrelang gang und gäbe“, erklärt Bartmann. Das kann nicht nur teuer werden: Im Zweifelsfall zahlt die Versicherung nicht und die Feuerwehr bleibt auf den Kosten sitzen. Und: „Bei einer Tür mit Motor- oder Automatikschloss sprechen wir schnell von mehreren tausend Euro“, weiß Experte Karl-Heinz Volk. Das Ziehen kann zudem auch riskant sein: „Bricht der Zylinder an der falschen Stelle, ist die Tür kaputt und lässt sich gar nicht mehr öffnen“, so Volk weiter.

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Von ihm lernten 48 Feuerwehrmänner und -frauen subtilere und sicherere Wege. Die Brandschützer kamen beispielsweise aus den Wehren von Weinheim und seinen Ortsteilen, Birkenau, Gorxheimertal, Laudenbach und Hemsbach. Ihr Wissen sollen sie anschließend in ihre Feuerwehren vor Ort tragen und an die Kameraden weitergeben.

Mit subtileren Wegen sind zum Beispiel das Öffnen einer Tür mit einem sogenannten Fallendraht gemeint. Mit diesem lässt sich eine nicht verschlossene Tür spielend einfach aufmachen. „Man muss lernen, die Tür zu lesen“, erklärt Schlossermeister Volk. Das sei die absolute Grundlage des Vorgehens. Oftmals ist auch der Weg durchs Fenster eine Option. Insbesondere, wenn dieses gekippt oder nicht richtig geschlossen ist. Hierfür hat Volk sogar eine eigene Erfindung entwickelt: Ein Gummistück mit einer Einlassung so groß wie ein Fensterhebel an einer Schnur. Mit seinem Gerät kann man den Hebel des Fensters quasi angeln und dann ganz einfach umdrehen.

Foto: Fritz Kopetzky

Sind sowohl Tür als auch Fenster verschlossen, bleibt nichts anderes übrig, als zu gewaltsameren Methoden zu greifen. Doch gilt auch hier die Devise: Schadensbegrenzung. „Und trotzdem muss es so schnell wie möglich gehen“, sagt Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach.

Deshalb ist die Fräse das Mittel der Wahl, mit der man sich gezielt ins Schlüsselloch und durch die Stifte des Schlosses arbeitet. Auch das Fenster ist hier eine Option: Mit einer Diamantbohrkrone lässt sich ein kreisrundes Loch ins Glas zaubern. Dieses kann man anschließend mühelos wieder abdecken. Damit im Anschluss kein Einbrecher auf die Idee kommt, in die Wohnung nachzufolgen.