Weinheim

Weinheimer Highland Games: Harte Hämmer und wehende Kilte

Es war das letzte Mal, dass Wettkämpfe und historischer Markt in Weinheim in dieser Form für schottisches Flair sorgten ...

Mit einer Drehbewegung musste der 12,8 Kilogramm schwere Holzhammer möglichst weit nach vorne befördert werden. Foto: Gian-Luca Heiser
Mit einer Drehbewegung musste der 12,8 Kilogramm schwere Holzhammer möglichst weit nach vorne befördert werden.

Connor MacLeod (Christopher Lambert) ist im Film Highlander unsterblich und genauso verhält es sich auch mit dem Geist des Vereins „Highlander 1996“ in Weinheim. Am Wochenende zelebrierten die Aktiven um ihren langjährigen Vorsitzenden Ralph Schütz zum letzten Mal ihren spielerischen Wettkampf. Schluss wird aber nicht sein, mit dem Abtauchen in vergangene Zeiten.

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Zwei Tage lang wurde auf dem Gelände der Dietrich-Bonhoeffer-Schule gelagert, verschiedene Disziplinen ausgefochten und wegen der sengenden Hitze jede Menge Wasser getrunken. Die war so stark, dass Erfrischung nachgekauft werden musste. Knapp sollte sie schließlich nicht werden. Das Wetter drohte, den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Am Ende kamen zwar weniger Gäste als gewohnt. Mit rund 3000 Besuchern sind Schütz und seine Kollegen aber dennoch zufrieden. „Es ist für uns ein hochemotionales Wochenende. Wir lieben ja, was wir tun. Aber es ist nicht alles einfach. Deshalb brauchen wir Veränderung.“ Seit 25 Jahren hat Schütz schon den Hut in der Gruppierung auf, Pardon, das Kilt an. „Wenn man aber mal die Sechs vorne stehen hat, muss man Prioritäten setzen“, sagt der Ober-Highlander. Schütz ist 62 Jahre alt und könne nicht mehr wie früher, sagt er. Außerdem sei man mit dem Verein nie dort angekommen, wo man hin wollte. „Ohne Vereinsgelände, ohne Vereinsheim, fehlt die Anlaufstelle“, bedauert der Chef, der am Wochenende rund 60 Helfer koordinierte. Man habe trotzdem einen enormen Zusammenhalt aufgebaut. Aber es seien eben immer die Gleichen, die mitanpacken. So auch bei der letzten, finalen Auflage.

Foto: Gian-Luca Heiser

Eine gute Handvoll Vereinsmitglieder übernahm die Rolle der Jury bei den Highland Games. Normalerweise nehmen vier Frauen Teil. Diesmal waren es nur zwei. Statt 14 Männer, die sich zunächst angemeldet hatten, traten nur zehn zum Kräftemessen an. Gesundheitsbedingt seien einige Spieler ausgefallen. Auch das bekräftige in der Entscheidung, kein weiteres dieser Feste mehr auszurichten. „Es ist eben enorm viel Aufwand und Gewissheit, ob alles klappt wie geplant, hat man nicht.“ Immerhin die Schausteller und Markt-Beschicker, die einen kleinen Mittelaltermarkt aufgebaut hatten und gewandet in Holzbuden und Zelten ihre Waren feilboten, waren alle wie angekündigt gekommen. Wer hier entlang lief, der konnte in längst vergangenen Zeiten wandeln. Nahezu wie in einer Film-Kulisse mutete der Markt an. Kinderaugen leuchteten und die Beschicker hatten sichtlich Freude daran, in ihren Rollen aufzugehen. Der schottische und keltische Einfluss war in vielen Ornamenten, Broschen, Metallgegenständen und auch in der Kleidung sichtbar. Schottenröcke wurden in den verschiedensten Farben und mit den verschiedensten Mustern zur Schau getragen. Etwas wehmütig war hier der ein oder andere dabei. „Wir blicken auf viele tolle Jahre und Erlebnisse zurück, auf schöne Freundschaften, die hier entstanden sind. Wir wollen danke sagen“, hieß es beispielsweise von der Adventure Whisky Company.

Foto: Gian-Luca Heiser

Frank van Dyk, der sich selbst als „Met-Dealer“ bezeichnet und die Menschen mit Honigwein verköstigte, schwärmte vom „super Spektakel“, das immer eine Reise wert war. Mit tränenfeuchten Augen verabschiedeten sich die Weinheimer Highlander auch von ihren Ehrenmitgliedern Andrew Anderson und Gudrun Mitchell. Da wurde sich noch einmal umarmt und zum Abschied ein Fässchen der Woinemer Hausbrauerei überreicht. „Beide waren fast durchgehend die letzten 25 Jahre dabei. Das tut dann schon weh“, brachte es Ralph Schütz auf den Punkt. Das Herz würde weinen. Aber man habe es sich vereinsintern zum Ziel gemacht, nach Schottland zu reisen. Auf Gegenbesuch so zusagen. Man könne gute Freunde ja auch so in der Heimat besuchen und brauche dazu kein extra Event.

Auch sonst wolle man weiter bei Märkten dabei sein und eine Art Highlander-Camping organisieren. Nur eben mehr als Gast und Besucher, nicht mehr als Organisator. Weil die Schule umgebaut wird, habe auch das Fest zur finalen Auflage neu organisiert werden müssen. Die Sache mit dem Strom sei nervenaufreibend gewesen, am Ende hat aber alles gepasst und Schütz und seine Kollegen wurden mit einem reibungslosen Ablauf belohnt. Bei den Kinderspielen herrschte wildes Gewusel. Beim Tauziehen war der Geräuschpegel sehr hoch. Aber alle hatten großen Spaß. Die Kinder konnten sich außerdem im Baumstammwurf, Hinkelsteinlauf und Steinwurf messen ausprobieren. Sieger wurden hierbei keine gekürt. Jeder der Mitmachte war ein Gewinner.

Foto: Gian-Luca Heiser

Mit drei Mannschaften traten auch die Erwachsenen aus Publikum und Lager an. Mit Salutschüssen der Bürgerwehr Weinheim ging es los. Auf die Frage, ob man denn alle Disziplinen trotz der sengenden Hitze durchziehen wolle, nickte Ralf Schütz sicher. Wer ein echter Highlander sein will, der sei schließlich hart im Nehmen. Beim „Tossing the Caber“ galt es, einen fünf Meter langen und 35 Kilogramm schweren Stamm aufzurichten und mit einem vollen Überschlag weit zu werfen. Beim „Run with the Stones“ mussten drei verschiedene Steine mit zehn bis 50 Kilogramm Gewicht befördert werden.

Zwölf Kilo schwere Steine und auch Hämmer galt es außerdem, zu werfen. Mit einer Drehbewegung sollte ein 12,8-Kilogramm-Gewicht geschleudert und zwei Holzstämme à 50 Kilogramm über eine gewisse Strecke getragen werden. Und wer hier brillierte, der hatte augenscheinlich das Fitnessstudio für die nächsten Tage gespart.

Namentlich schaffte es bei den Herren erneut Oliver Leonetti auf den ersten Platz, der auch den Zusatzwettbewerb „Throw of High“ gewann. Dicht gefolgt von Stefan Cordes und Frederik Borgholte auf dem zweiten beziehungsweise dritten Platz. Bei den Damen war Jessica Neues siegreich. Simone Bischoff erreichte den zweiten Platz.

Beim Tauziehen „Tug-Of-War“ setzte sich das Team „Rückwärtsgang“ durch. Auf dem zweiten Platz landete „Lagerleben“. Ebenfalls mit auf dem Siegertreppchen stand das Publikumsteam.