Weinheim

Wer die Lyrikerin ist, die zur Eröffnung des Literaturfestivals alle beeindruckte

Sirka Elspaß sorgte bei der Auftaktveranstaltung des 1. Weinheimer Literaturfestivals in der Ulnerschen Kapelle für ungeahnte Wort- und Gefühlsgewalt.

Die Lyrikerin Sirka Elspaß las zum Auftakt des 1. Weinheimer Literaturfestivals in der Ulnerschen Kapelle. Foto: Rafaela Pröll/Suhrkamp Verlag
Die Lyrikerin Sirka Elspaß las zum Auftakt des 1. Weinheimer Literaturfestivals in der Ulnerschen Kapelle.

Als sie ihre Lyrik vortrug, hätte man in der Ulnerschen Kapelle eine Stecknadel fallen hören können: Sirka Elspaß beeindruckte bei der Eröffnung des 1. Literaturfestivals Weinheim die rund 80 geladenen Gäste - darunter Krimikönigin Ingrid Noll - nachhaltig. "Beeindruckend wort- und gefühlsgewaltig waren die Gedichte der österreichischen Lyrikerin Sirka Elspaß – sie fesselte das literaturbegeisterte Publikum fest an ihren Lippen und ihrer Seele. Jeder Satz kam überraschend und so präsent, dass man ihn festhalten wollte. In der Kapelle konnte man während ihrer Lesung eine Stecknadel fallen hören, so faszinierend waren die Worte", heißt es beispielsweise in der Pressemitteilung der Stadt Weinheim.

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Aber wer ist die junge Frau? Sirka Elspaß ist 28 Jahre alt und wurde in Deutschland, in Oberhausen geboren. Sie lebt und arbeitet in Wien und hat mit ihrem Debüt, dem Gedichtband, "ich föhne mir meine wimpern" (Suhrkamp) bereits für Furore gesorgt. Was sie da schreibt - konsequent alles klein? "Extreme und radikale" Verse bescheinigte ihr eine Kritikerin des Deutschlandfunks,

jetzt steht da eine stille

die der videocall nicht überbrücken kann

es ist unmöglich

sich in die arme zu fallen wir würden

stürzen

ich ziehe eine menge pullover

übereinander an es hat etwas seltsames

sich gegenseitig dabei zuzusehen wie

wir die mikrofone testen

Sirka Elspaß schreibt über ihre Periode, über die unglückliche französische Königin Marie Antoinette, sie schreibt über Instagram, Google, Netflix und Yoga-Tutorials, über Depressionen, Essstörungen, das Frausein, das Kindsein, das Tochtersein - und den Schmerz. Sie schreibt modern und manchmal auch zeitlos entrückt. Düster manchmal und dann wiederum komisch. Die "Geburt der Poesie aus Verzweiflung" bescheinigt ihr der Kritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Christian Metz.

"Verletzlich", "mutig" - die Kritiken in Deutschland, Österreich und der Schweiz feierten die junge Lyrikerin und ihren Debüt-Band mit den meist kurzen und kraftvollen Versen. Wolfgang Orians, der Organisator des 1. Weinheimer Literaturfestivals hat sie nach Weinheim geholt und ein Zeichen gesetzt, wie modern und fesselnd Lyrik ist.