Zwischen Weinheim und Birkenau: Lkw droht in Weschnitz zu kippen
Auf der Birkenauer Talstraße hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Ein Lkw stand buchstäblich auf der Kippe. Der Fahrer erzählt, wie er sich vor dem Sturz in den Abgrund rettete.
Der Brummi steht auf der Kippe, die Fahrerkabine hängt in der Luft. Die Vorderachse des Lkw deutet direkt auf die steile Böschung und die rauschende Weschnitz. Auf dem Waldboden unter ihm liegen etwa 100 Meter Leitplanke. Die Straße selbst ist gepflastert von zerbrochenen Autoteilen - Felge, Scheinwerfer, Glassplitter. "Das war so, wie man es immer in den Actionfilmen sieht", sagt der 43-jährige Fahrer des Absetzkippers. "Wir sind zusammengekracht. Dann habe ich nur noch die Leitplanke wegfliegen sehen - plötzlich war alles wie in Zeitlupe."
Crash mit Geisterfahrer
Der Lkw-Fahrer spricht von dem schweren Unfall, in den er am Montagvormittag gegen 11.30 Uhr auf der Birkenauer Talstraße verwickelt war. Der 43-Jährige war gerade in Richtung Birkenau unterwegs, als ihm ein 69-Jähriger mit seinem KIA entgegenkam. Und zwar auf derselben Fahrbahn. "Der Lkw-Fahrer versuchte, ein Ausweichmanöver einzuleiten, konnte eine Kollision aber nicht verhindern", sagt Polizeisprecherin Celina-Marie Petersen vom Mannheimer Präsidium.
Demnach hatte sich der Senior in einer medizinischen Notlage befunden und dann die Kontrolle über seinen Hybridwagen verloren. Er kam von seiner Seite der Straße ab und rauschte direkt auf den Lkw zu. Der Senior ist schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen. Der Lkw-Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt.
"Ich war gerade dabei, Lebensmittel abzuwiegen. Auf einmal höre ich einen fürchterlichen Knall. Das war so laut, ich dachte, es wäre etwas explodiert. Als ich den schweren Unfall gesehen habe, habe ich sofort die 110 gewählt", erzählt Werner Pätschke. Der 75-Jährige steht mit seinem Pfälzer Stand schon seit 1995 an der Birkenauer Talstraße.
Unfälle hat er in den bald 30 Jahren Tätigkeit direkt an der Fahrbahn schon einige gesehen. Beispielsweise als ein Fahrzeug vor zwei Jahren mit Karacho über den Bürgersteig geschanzt sei und seine Bude nur um wenige Meter verfehlt habe. "Aber in so einem Ausmaß wie bei dem schweren Unfall heute hat es noch nichts gegeben." Und noch nie gab es so viel Trubel um seinen Stand.
Insgesamt 32 Feuerwehrleute aus Weinheim und Birkenau, Polizisten, Rettungssanitäter und Bauhofmitarbeiter beider Kommunen tummeln sich an der Unfallstelle. Davor stehen die Autos Schlange. "Ich wollte meinen Bruder in Birkenau besuchen", sagt einer der vielen Menschen, die im Stau gelandet sind. "Aber gut, dann drehe ich jetzt um und fahre hintenrum über den Tunnel. Das hier wird vorneweg noch zwei oder drei Stunden dauern", sagt der Fürther und zieht von dannen. Er wird recht behalten.
Flucht aus der Fahrerkabine
Während die Ausfahrten aus Weinheim und Birkenau zwischenzeitlich gesperrt sind, wird an der Unfallstelle fieberhaft nach einem Bergungsunternehmen gesucht. Keine leichte Aufgabe: Denn um den tonnenschweren Absetzkipper wieder auf die Straße zu bekommen, muss das ganz große Gerät anrücken - ein Kran ist vonnöten. Zu diesem Zeitpunkt hält ein Stahlseil, das zwischen dem Brummi und einem Löschfahrzeug gespannt ist, den Lkw davon ab, direkt in die Weschnitz zu rauschen. "Wir können den Lkw aber nicht einfach rausziehen", sagt der 43-jährige Fahrer. "Wenn wir jetzt ziehen, geht der Tank kaputt. Wir brauchen einen Kran."
Immer wieder klingelt das Handy des 43-Jährigen. "Ja, ja, mir geht es gut!", beruhigt er die Anrufer. Er ist mittlerweile wieder gefasst. Vor wenigen Minuten schaute er noch buchstäblich in den Abgrund. Noch wusste er nicht, ob der Brummi die Balance halten würde - oder der Lkw jeden Moment in die Tiefe stürzt. Während der 43-Jährige in der Falle hockte, kam ihm auf einmal der rettende Einfall: Er erinnerte sich, dass der Absetzkipper ja nicht nur an den Türen Austrittstufen hat, sondern sich auch eine an der Rückseite der Fahrerkabine befindet. Die Tür des Lkw war durch die Wucht des Aufpralls bereits ausgehebelt worden. Ganz vorsichtig kletterte der Brummi-Fahrer also hinter dem Steuer hervor, rettete sich auf den Tritt hinter der Fahrzeugkabine und von dort aus auf die sichere Straße.
Stau in Weinheim
In Weinheim indes staut sich an der Ortsausfahrt Richtung Birkenau der Verkehr. Polizisten halten die Autos an und erkundigen sich, wohin die Reise gehen soll. Wer nach Birkenau will, dem wird eine andere Strecke nahegelegt. Die Unfallstelle soll weiträumig umfahren werden. Doch die Erlösung naht: Endlich hat sich ein geeignetes Bergungsunternehmen gefunden. Dieses ist mit seinem quietschgelben Kran dann auch in Windeseile am Unfallort. Gurte werden beidseitig um Fahrerkabine und Achsen geschlungen und der Lkw wieder auf Straße gehievt.
Gegen 16.30 Uhr wird die Straße - fünf Stunden, nachdem sich der Unfall ereignet hatte - wieder freigegeben. Was es für ein gesundheitlicher Notfall war, der zu der Misere geführt hatte, und welcher Schaden entstanden war, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erfahren.