Handball

Alarmstufe Rot im Handball-Bezirk Darmstadt

Die Mannschaftszahlen im Handball-Bezirk Darmstadt sind auf einem neuen Tiefstand. Auch Schiedsrichter fehlen. Doch es gibt Hoffnung.

Im Handball-Bezirk Darmstadt gibt es immer weniger Mannschaften. Bild: Simon Hofmann Foto: Simon Hofmann
Im Handball-Bezirk Darmstadt gibt es immer weniger Mannschaften. Bild: Simon Hofmann

Wenn man die Versammlung der Vereine des Handballbezirks Darmstadt am Freitagabend verfolgt, konnte man meinen, der Handball in der Region ist bestens aufgestellt. Es war eine harmonische Pflichtveranstaltung, zu der alle Vereine Vertreter entsenden mussten. Hitzige Diskussionen blieben aus, Aufregerthemen standen nicht auf der Tagesordnung.

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Aber der Bezirksvorsitzende Klaus Bernshausen wollte das nicht als Signal verstanden wissen, dass alles rosig sei. „Der Handball steht vor großen Herausforderungen“, gab er den Vereinen und seinen Mitarbeitern mit auf den Weg. Damit meint Bernshausen in erster Linie die seit Jahren – unabhängig von Corona – rückläufige Zahl der Mannschaften. „Wir stehen zwar noch besser da als viele andere Bezirke, aber der Trend ist leider klar rückläufig.“ Dass der Überwald inzwischen nahezu zu einem weißen Fleck geworden ist, nachdem Siedelsbrunn und zuvor schon Wald-Michelbach ihre Aktivenmannschaften abmeldeten, sei ebenso ein Beweis des Rückgangs wie die steigende Zahl der Spielgemeinschaften.

So schnell wird sich nichts ändern

Insgesamt ist die Zahl der am Spielbetrieb teilnehmenden Teams auf einem neuen Tiefststand. „Und daran wird sich leider so schnell nichts ändern. Das zeigt einfach auch schon der Blick auf die Mannschaftszahlen in den ältesten Jugendjahrgängen. Da ist in den nächsten drei, vier Jahren wenig zu erwarten“, befürchtet er, dass der Trend anhält. Aber er sieht auch positive Ansätze: „In den Vereinen hat man die Zeichen der Zeit erkannt und leistet eine gute Arbeit bei den jüngsten Jahrgängen. Die Zahl der Mini-Mannschaften und der D-Jugenden steigt wieder.“ Doch bis hier Spielerinnen und Spieler für den Erwachsenenbereich herauskommen, dauert es viele Jahre. „Wir müssen aber am Ball bleiben, dürfen nicht nachlassen in unseren Bemühungen“, appelliert Bernshausen an die Vereine.

Wichtig ist für den Bezirksvorsitzenden auch, dass man bereit ist, neue Wege zu gehen: „Gerade der verstärkte Ganztagsunterricht in Grundschulen ist Problem und Chance zugleich. Zum einen wird es kaum möglich sein, Training in den frühen Nachmittagsstunden anzubieten, zum anderen können Vereine, die Konzepte entwickeln, um in den Grundschulen AGs und Betreuungsangebote anzubieten, enorm profitieren. Hier gilt es, sich frühzeitig einzubringen.

Es gibt positive Beispiele

Schon jetzt seien einige Clubs in diesem Bereich sehr rührig und haben mit Aktionen neue Spielerinnen und Spieler rekrutiert. „Es gibt einige positive Beispiele“, so Bernshausen. Immerhin kann der Bezirk weiter eine C-Liga als unterste Klasse bei den Männern und eine B-Liga bei den Frauen anbieten. Beide Ligen sind allerdings deutlich ausgedünnt. Besonders im Frauenbereich sieht es düster aus: Die Bezirksoberliga und die A-Liga spielen mit gerade einmal zehn Teams, die B-Liga mit acht.

Keine Randsportart werden

„Wir müssen schon aufpassen, dass der Handball nicht zur Randsportart kommt“, warnt der Bezirksvorsitzende und nimmt dabei die gesamte Handball-Familie in die Pflicht: „Es geht doch los bei einer – auch medial – erfolgreichen Nationalmannschaft, über eine starke Bundesliga bis hinunter auf die Landes- und Bezirksebene. Wir brauchen Vorbilder für die Jugend und Mitarbeiter, die den Laden am Laufen halten“, so Bernshausen. Damit meint er nicht nur Jugendtrainer und andere Helfer im Vereinsleben, sondern explizit auch Schiedsrichter. „Das ist für uns ein Dauerthema. Der Rückgang bei den Unparteiischen konnte leider nicht aufgehalten werden“, erklärt der aus Lampertheim kommende Bezirksvorsitzende. Waren vor wenigen Jahren noch 300 Schiedsrichter im Bezirk aktiv, sind es jetzt nur noch 170. Die Folge sind auch immer wieder Geldstrafen und Punktabzüge für die Vereine, die zu wenige Schiedsrichter melden.

Rückzüge sind bitter

„Ganz bitter finde ich allerdings, wenn zweite oder dritte Mannschaften zurückgezogen werden, damit man keinen Punktabzug für die Erste hat.

Damit sägt man sich den Ast, auf dem man sitzt, selbst ab“, warnt Klaus Bernshausen: „Schließlich fallen dann mit den meist älteren, erfahrenen Handballern nicht nur wichtige Helfer im Vereinsleben, sondern oft auch Schiedsrichter weg. Aus diesem Teufelskreis müssen wir raus.“

Sinkende Zahlen

Die Zahl der Schiedsrichter im Bezirk Darmstadt ist kontinuierlich rückläufig: Im Jahr 2000 waren es noch 358, im Mai diesen Jahres nur noch 180. Tendenz weiter sinkend.

Ebenso sieht es bei den Mannschaftszahlen im Aktivenbereich aus. Aus nur noch drei Frauenligen im Bezirk verteilen sich gerade einmal 28 Mannschaften.

Bei den Männern sind in vier Ligen noch 52 Teams am Ball. Außerhalb des Bezirks auf Landes- oder Bundesebene spielen noch fünf Männermannschaften und acht Frauenteams.

Die Zahl der Spielgemeinschaften steigt weiterhin: So haben sich unter anderem die ESG Crumstadt/Goddelau und die ESG Erfelden – früher vier eigenständige Vereine – unter der neuen Bezeichnung HSG Riedstadt zusammengeschlossen. mep